Kulturorte

Die Rückkehr des Postbahnhofs

Die neue Eventchefin Jill Schwiegershausen will ab 2020 Konzerte ins denkmalgeschützte Gebäude bringen.

Jill Schwiegershausen will aus dem Postbahnhof als wichtigen Berliner Ort für Konzerte etablieren.

Jill Schwiegershausen will aus dem Postbahnhof als wichtigen Berliner Ort für Konzerte etablieren.

Foto: Patrick Goldstein

Noch kommen die Elektrosounds in der Eventlocation nicht aus Lautsprechern, sondern aus Bohrmaschinen, und der Dresscode lautet „Blaumann“ statt „Business Casual“. Aber vom kommenden Jahr an will Jill Schwiegershausen den Postbahnhof neben dem Kongress- und Veranstaltungsgeschäft als wichtigen Berliner Ort für Konzerte etablieren. „Wir haben die perfekte zentrale Lage dafür“, sagt die 32-Jährige.

Wer den Ort noch als Fritz-Club kennt, der dort bis 2015 angesiedelt war, wird das Areal nicht wiedererkennen. Die Fläche an der Straße der Pariser Kommune ist von Bürohochhäusern, Hotels und Entertainmentzentren eingerahmt, dem Schauplatz des einst umkämpften Stadtentwicklungskonzepts Mediaspree. Zwischen allem Glas und Chrom ist der Postbahnhof da ein Relikt.

Eigentümer vom Postbahnhof wechselte im Januar

1908 fertiggestellt, besteht der Komplex aus zwei rund 100 Meter langen, miteinander verbundenen einstöckigen Bauten. Während bei Jill Schwiegershausen zur Mittagspausenzeit die Handwerker noch wacker an der Zuleitung für eine Schranke an der Zufahrt Straße der Pariser Kommune arbeiten, strömen aus der anderen Backsteinhalle junge Menschen aus aller Herren Länder, deren Looks auf das ganze aktuelle Spektrum von Körperschmuck, Tattoos und Mode zurückgreifen. Es sind Mitarbeiter des dort sowie im Gebiet bis zur Warschauer Straße mit Bürofläche angesiedelten Versandportals Zalando, zudem Angestellte der Reiseplattform Kayak.

Im Januar wechselte der Eigentümer des Postbahnhofs. Jill Schwiegershausen hatte Veranstaltungen für den Vorgänger gemacht und blieb. Aber diesmal als Geschäftsführerin ihres eigenen Unternehmens UP Event Creation.

Nachdem sich in der Vergangenheit etwa H&M, Facebook und Adidas eingemietet hatten, fand im April 2019 mit dem glamourösen Dinner des Gallery Weekends die letzte Veranstaltung statt. Für mehrere Millionen Euro, genauer beziffert es Schwiegershausen nicht, wird nun nach Denkmalschutzvorgaben restauriert. Zugänge und Treppenbereiche entstehen, Wände werden gezogen, Räume für Catering und multifunktionale Veranstaltungsnutzung ausgebaut.

Der Eingang an der Straße Am Postbahnhof wird spektakulär

Spektakulär wird – man erkennt es trotz unvollendetem Zustand – der Eingang an der Straße Am Postbahnhof. Auf einer sanft ansteigenden Rampe führt der Weg unter Eisenbahngleise, die den Raum überspannen. Diese ziehen sich eine Etage höher über die leicht geschwungene 1800 Quadratmeter-Halle im Obergeschoss. Wer mit Schwiegershausen dort unterwegs ist, bewegt sich auf knarrenden Holzbohlen, die die Gleise bedecken.

Früher kamen dort die Postzüge an. Ihre Fracht wurde in die Nachbarhalle befördert, wo jetzt die Internetportale sitzen. Ist der Postbahnhof fertig saniert, wird dies wohl eine neue Attraktion in Bezirk und Berlin darstellen. Vor der Tür: moderne Hochhäuser, hier drin: Anfang 20. Jahrhundert.

Konferenz- und Messeteilnehmer kommen teils direkt aus dem ICE im Ostbahnhof gegenüber, sagt Schwiegershausen. Der öffentliche Nahverkehr ist vor der Tür, ebenso eine Parkgarage: Das solle zukünftig auch Konzertgänger anziehen. Der erste Termin 2020 im dann vollendeten Postbahnhof hängt allerdings noch mit dem vertrauten Messegeschäft zusammen: einer von drei Teilnehmern der Fashion Week bekommt den Zuschlag.