Terrorismus

Berliner Juden erlebten Anschlag in Halle mit

Rabbinerin Gesa Ederberg fordert, dass Juden besser geschützt werden und Solidarität keine einmalige Aktion bleibt.

09.10.2019, Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, M) nimmt mit Gesa Ederberg (l), Rabbinerin der Neuen Synagoge Berlin, und Avitall Gerstetter (vorne rechts), jüdische Kantorin, an der Neuen Synagoge Berlin an einer Solidaritätskundgebung anlässlich des Angriffs in Halle (Saale) teil.

09.10.2019, Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, M) nimmt mit Gesa Ederberg (l), Rabbinerin der Neuen Synagoge Berlin, und Avitall Gerstetter (vorne rechts), jüdische Kantorin, an der Neuen Synagoge Berlin an einer Solidaritätskundgebung anlässlich des Angriffs in Halle (Saale) teil.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Berlin. Nach dem Anschlag vor einer Synagoge in Halle herrscht in der Jüdischen Gemeinde Berlin Fassungslosigkeit. Rabbinerin Gesa Ederberg von der Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße sagte der Berliner Morgenpost, dass zum Zeitpunkt des Anschlages auch Berliner Juden in der Synagoge in Halle waren. Zum Glück habe die Tür der Synagoge standgehalten, sonst hätte es ein Blutbad gegeben.

Am Mittwochabend gab es in der Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße eine Solidaritätskundgebung. Zahlreiche Menschen versammelten sich vor der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße, um der Opfer zu gedenken. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm an dem Gedenken teil.

Zwei Angriffe innerhalb weniger Tage

Bereits am Freitag der vergangenen Woche hatte ein Mann mit einem Messer versucht, die Neue Synagoge in Berlin anzugreifen. Der Mann ist mittlerweile in der Psychiatrie. Mit dem Anschlag in Halle, den Berliner Juden miterlebten, ist es innerhalb weniger Tage die zweite psychische Ausnahmesituation für die Gemeinde innerhalb kürzester Zeit.

„Antisemitismus hat unterschiedliche Ausprägungen. Wir als Gesellschaft müssen uns dringend damit beschäftigen“, sagte Rabbinerin Ederberg der Berliner Morgenpost. Ederberg freue sich, dass am Mittwochabend spontan so viele Leute ihre Solidarität bekundet hätten. Sie sagte aber auch: „Was ist heute und morgen? Einmal die Solidarität bekunden, reicht nicht“.

Nach dem Anschlagversuch in Berlin und dem Anschlag in Halle müssten die Sicherheitsmaßnahmen neu gedacht werden. Dazu zähle auch, dass der Fokus stärker auf die politische Bildung gelenkt werde, so Ederberg. Der Angreifer in Halle hatte vor dem Anschlag unter anderem gesagt, dass es den Holocaust nie gegeben habe.

Polizei verstärkt Sicherheit vor Synagogen

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) verurteilte die Schüsse in Halle und den „schrecklichen Angriff auf eine Synagoge“ auf das Schärfste. Am Mittwoch kündigte er an, dass die Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen in Berlin umgehend und bis auf weiteres erhöht werden. Geisel: „Diese Maßnahmen setzen wir im Moment im Einvernehmen mit den jüdischen Gemeinden um.“ Die Polizei teilte per Twitter mit, man habe die Schutzmaßnahmen überprüft und insbesondere an den jüdischen Einrichtungen angepasst.