Jüdische Gemeinde

Schüsse in Halle: "Jom Kippur in Angst" in Berlin

Vor Jom Kippur herrscht nach den Vorfällen Sorge in den jüdischen Synagogen. Merkel bei Kundgebung vor Neuer Synagoge

Angela Merkel bei Kundgebung an Neuer Synagoge

Am Mittwochabend besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße und sprach mit Rabbinerin Gesa Ederberg.

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Berlin. Nach einem Angriff auf eine Synagoge in Berlin und Schüssen vor einer Synagoge in Halle (Sachsen-Anhalt) ist auch die Jüdische Gemeinde in Berlin in Sorge. Die Berliner Polizei steht im Austausch mit der Gemeinde. Eine Polizei-Sprecherin sagte der Berliner Morgenpost auf Nachfrage, dass die aktuellen Ereignisse in die Gefährdungsbewertung mit einfließen würden. Benjamin Steinitz von der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) sagte, dass die Gemeinde in höchster Alarmbereitschaft sei und große Verunsicherung bestehe.

Am vergangenen Freitag war es in Berlin zu einem Angriff auf eine Synagoge gekommen. Ein Mann war mit einem Messer bewaffnet auf eine Synagoge zugestürmt und hatte dabei „Allahu akbar“ gerufen. Der Mann befindet sich mittlerweile in der Psychiatrie. Ermittler durchsuchten die Wohnung des 23-Jährigen und beschlagnahmten unter anderem das Telefon. Weder bei der Hausdurchsuchung noch bei der Handyauswertung seien bislang dschihadistische Bezüge aufgetaucht.

Innensenator fordert Berliner Polizei auf, Schutz zu erhöhen

Der Vorfall hat unmittelbar vor dem Feiertag „Jom Kippur“ bei der jüdischen Gemeinde Berlin große Sorge ausgelöst. In der Gemeinde war laut Rias von einem „Jom Kippur in Angst“ die Rede. Innenstaatssekretär Torsten Akmann (SPD) sagte: „Wir nehmen die ganze Situation sehr ernst. Die Polizei wird insbesondere an diesen Tagen anlässlich des jüdischen Feiertags Jom Kippur ein besonderes Augenmerk auf jüdische Einrichtungen haben. Sie wird mit erhöhtem und sichtbarem Kräfteeinsatz im Umfeld solcher Einrichtungen präsent sein. Unsere Einsatzkräfte sind da sehr sensibilisiert“, sagte Staatssekretär Torsten Akmann.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) verurteilte die Schüsse in Halle und den "schrecklichen Angriff auf eine Synagoge" auf das Schärfste. Trotz der unklaren Hintergründe der Tat habe er die Polizei Berlin gebeten, die Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen in unserer Stadt umgehend und bis auf weiteres zu erhöhen. Geisel: "Diese Maßnahmen setzen wir im Moment im Einvernehmen mit den jüdischen Gemeinden um." Die Polizei teilte per Twitter mit, man habe die Schutzmaßnahmen überprüft und insbesondere an den jüdischen Einrichtungen angepasst.

Cornelia Seibeld, integrationspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion Berlin, sagte: „Wenn sich für die grauenvolle Tat in Halle ein antisemitischer oder rechtsradikaler Hintergrund bestätigt, müssen wir uns in Deutschland eingestehen, dass weder unsere Sicherheitsbehörden noch unsere Präventionsarbeit im Bereich des Antisemitismus ausreichend gewappnet sind.“

Am Abend versammelten sich zahlreiche Menschen vor der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße, um der Opfer zu gedenken. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm an dem Gedenken teil.