Prozess

Vierjährige Tochter missbraucht: Vater gesteht vor Gericht

Ein 39-jähriger Mann hat seine Tochter jahrelang missbraucht. Teilweise filmte er die Taten und verbreitete sie im Internet.

Justitia mit Holzhammer und Aktenstapel.

Justitia mit Holzhammer und Aktenstapel.

Foto: dpa

Ein 39-jähriger Berliner hat seine kleine Tochter jahrelang sexuell missbraucht, die Taten teilweise gefilmt und im Internet verbreitet. Dafür muss sich der Mann aus Hellersdorf seit Dienstag vor dem Landgericht verantworten. Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und Verbreitung kinderpornografischer Darstellungen lauten die Hauptvorwürfe. Gleich zu Beginn der Verhandlung legte der Angeklagte ein Geständnis ab.

Es lässt sich schwer sagen, was abstoßender klang, die Details der Übergriffe, die die Vertreterin der Staatsanwaltschaft bei Verlesung der Anklage beschrieb oder die Argumente, die der Angeklagte vorbrachte, um seine Taten zu erklären. Er habe den Kontakt mit Gleichgesinnten genossen, sagte der 39-Jährige beispielsweise über seine Aktivitäten im Internet.

29 Taten hat die Staatsanwaltschaft aufgelistet, begangen zwischen Januar 2011 und Februar 2018. Das Opfer war gerade einmal vier Jahre alt, als die sexuellen Übergriffe in der Wohnung des Mannes in Hellersdorf begannen. Unter anderem musste das kleine Mädchen auf Weisung des Vaters Reizwäsche anziehen und vor der Kamera posieren.

Die Aufnahmen, die der Angeklagte im Internet verbreitete, fanden reißenden Absatz. Im Gegenzug erhielt der Angeklagte Fotos und Filme von anderen Gleichgesinnten. Die einschlägigen Seiten erwiesen sich als florierende Tauschbörsen. Mehr als 6100 kinder- und jugendpornografische Dateien stellten Ermittler im vergangenen Jahr in der Wohnung des Mannes sicher.

Die Durchsicht aller Filme mit teils widerlichen Inhalten nahm eine Woche in Anspruch. Die Ermittler wechselten sich dabei regelmäßig ab, auch den erfahrensten und abgebrühtesten Beamten unter ihnen war nicht zuzumuten, die pornografischen Aufnahmen über Stunden anzusehen.

Er habe sich vergeblich gegen seine Neigung gewehrt, sagte der Angeklagte. Inzwischen nimmt er professionelle Hilfe eines Therapeuten in Anspruch. Auf die Idee, eine Therapie zu beginnen, kam er allerdings erst, nachdem der jahrelange Missbrauch seiner Tochter bekannt geworden war.

Auf die Spur des Angeklagten kamen die Ermittler des Berliner Landeskriminalamtes (LKA) im vergangenen Jahr durch einen Hinweis ihrer Brandenburger Kollegen. Die hatten im Fall eines anderen auf Kinder fixierten Sexualtäters dessen Wohnung durchsucht und waren dort auf umfangreiches Foto- und Filmmaterial gestoßen, das von dem 39-Jährigen stammte. Der Prozess wird am 10. Oktober fortgesetzt.