Stasi-Gedenkstätte

Streit um Entlassung des Vizechefs geht weiter

Dem Vize-Direktor der Stasi-Gedenkstätte wurde wegen sexueller Belästigungen gekündigt. Am Montag war der Fall vor Gericht.

Das Berliner Arbeitsgericht verhandelt die Klage des früheren Vize-Direktors der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen gegen seine Kündigung.

Das Berliner Arbeitsgericht verhandelt die Klage des früheren Vize-Direktors der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen gegen seine Kündigung.

Foto: Paul Zinken / dpa

Im Rechtsstreit zwischen dem Stiftungsrat der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen und ihrem ehemaligen Vize-Direktor Helmuth Frauendorfer bleiben die Fronten verhärtet. Auch der für Montag anberaumte Prozess vor dem Berliner Arbeitsgericht blieb ohne Ergebnis.

Frauendorfer hatte Kündigungsschutzklage erhoben, nachdem er im Herbst vergangenen Jahres entlassen worden war. Mehrere Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte hatten dem 59-Jährigen sexuelle Belästigungen vorgeworfen, was dieser bis heute bestreitet.

Richter Arne Boyer setzte einen weiteren Termin für den 6. November an. Den Parteien gab er auf, bis dahin zu einer Einigung zu gelangen. Andernfalls werde er das Verfahren durch Urteil beenden oder aber weitere Zeugen laden. Das würde bedeuten, dass zumindest einige der neun Frauen, die den damaligen Vize-Chef beschuldigt hatten, vor Gericht aussagen müssten. Die Argumente für die erfolgte Kündigung Frauendorfers , die die Anwältin des Stiftungsrates vortrug, reichten dem Gericht ganz offensichtlich nicht aus.

Ein Gütetermin scheiterte Anfang des Jahres

In der Verhandlung am Montag räumte der Kläger ein, er habe einmal eine Praktikantin zu Hause empfangen, zu Übergriffen sei es dabei allerdings nicht gekommen, beteuerte der 59-Jährige. Die junge Frau habe über ihre schwere Kindheit gesprochen, er selbst habe sich bei den Gesprächen als eine Art Beichtvater empfunden, erklärte Frauendorfer dem Gericht. In der Sache gab es bereits Anfang des Jahres einen Gütetermin, auch dort scheiterte trotz aller Bemühungen des Richters der Versuch einer gütlichen Einigung.

Nachdem die Vorwürfe im Sommer 2018 bekannt geworden waren, wurde nicht nur Frauendorfer entlassen, sondern auch der langjährige Direktor der Gedenkstätte, Hubertus Knabe, mit der Begründung, er habe nichts gegen die sexuellen Belästigungen seines Stellvertreters unternommen. Auch Knabe hatte zunächst Klage eingereicht, sich dann aber mit dem Stiftungsrat außergerichtlich geeinigt.