Alter

Wie finde ich in Berlin das richtige Seniorenheim?

In Berlin gibt es mehr als 340 Einrichtungen für alte Menschen. Doch das richtige zu finden, ist schwer. Das sollten Sie beachten.

Eine Pflegeschwester kümmert sich liebevoll um zwei Bewohnerinnen: Ein wichtiges Kriterium für die Wahl des richtigen Heimes ist das Personal.

Eine Pflegeschwester kümmert sich liebevoll um zwei Bewohnerinnen: Ein wichtiges Kriterium für die Wahl des richtigen Heimes ist das Personal.

Foto: imago stock&people / imago/imagebroker

Berlin. In höherem Alter stehen Menschen vor der Entscheidung, in ein Heim zu ziehen, weil sie nicht mehr allein zuhause zurechtkommen. Doch welches Heim ist das Richtige? Ratsam ist, diese Überlegung frühzeitig anzustellen, und nicht erst dann, wenn der Umzug nicht mehr aufzuschieben ist.

In Berlin gibt es 347 Pflegeheime für ältere Menschen (Stand Dezember 2017) mit 32.880 Plätzen. Rund die Hälfte der Einrichtungen wird von freigemeinnützigen Trägern wie Caritas, Diakonie und Volkssolidarität und von der öffentlichen Hand betrieben. Die übrigen haben private Betreiber. Es stehe eine ausreichende Zahl an freien Plätzen zur Verfügung, teilt die Senatsverwaltung für Pflege mit. Die durchschnittliche Auslastung der Heime liege bei 89 Prozent.

Eine individuelle Auswahl unter verschiedenen Angeboten sei möglich, sagt Lena Högemann, Sprecherin der Behörde. Jeder, der sich auf die Suche nach einem geeigneten Heimplatz macht, hat eigene Wünsche und Erwartungen. Experten empfehlen deshalb, eine persönliche Checkliste zu erstellen. Hier zehn Kriterien für das künftige Zuhause.

1. Besuch vor Ort

Die Atmosphäre im Heim ist wichtig – darauf weist Margarete May hin, Fachreferentin Altenhilfe und Pflege bei der Berliner Caritas. „Wenn man die Einrichtung betritt, sollte man sich willkommen fühlen.“ Sicherheit könne es geben, wenn man von einem Freund oder einem nahen Angehörigen begleitet wird. „Vier Augen sehen mehr als zwei“, sagt die Fachreferentin.

Auch darauf sollten man achten: Wie sauber ist die Einrichtung? Riecht es angenehm? Ist es möglich, für ein paar Tage zur Probe im Heim zu wohnen? Eine gute Möglichkeit, das Haus kennenzulernen, sei auch die so genannte Verhinderungspflege, wenn ein pflegender Angehöriger krank oder im Urlaub ist, sagt Helga Kray vom Berliner Landesverband der Volkssolidarität.

2. Gibt es noch freie Plätze?

„Viele Wünsche und Ansprüche treten hinter dem Problem zurück, überhaupt eine Einrichtung zu finden, die noch einen freien Platz anbieten kann“, sagt Caritas-Fachreferentin May. „Häufig wird ein Pflegeheimplatz kurzfristig gesucht, weil eine Versorgung in der Häuslichkeit nicht mehr möglich ist. Dann ist es oft nicht möglich, zwischen mehreren Einrichtungen frei zu wählen, sondern der Umzug findet in die Einrichtung statt, die zuerst ein freies Zimmer zur Verfügung stellen kann.“ Wer sich für ein bestimmtes Heim interessiert, sollte sich nach den Wartezeiten erkundigen.

3. Wie hoch sind die Kosten?

Zu klären ist, welchen Betrag die Pflegekasse übernimmt und wie hoch der Eigenanteil des Betreffenden an der Heimunterbringung ist. „Sofern dieser Anteil seine finanziellen Möglichkeiten übersteigt, unterstützt der Sozialhilfeträger“, sagt Caritas-Fachreferentin May. Zu klären ist auch, ob sich im Notfall die eigenen Kinder finanziell beteiligen müssen.

Man sollte sich auch darüber informieren, welche weiteren Ausgaben mit dem Heimplatz verbunden sind: etwa für Essen, Getränke, Telefon und Internetanschluss. Die Volkssolidarität rät, Preise zu vergleichen und herauszufinden, was man alles für die vereinbarten Kosten erhält.

4. Personal

Beim Besuch vor Ort sollte man darauf achten, ob die Mitarbeiter gestresst wirken, ob sie Zeit haben, auf einzelne Bewohner einzugehen, und wie der Umgangston ist. Im Gespräch mit der Heimleitung kann man erfragen, wie viele Vollzeit-Pflegekräfte beschäftigt werden. Sind die Mitarbeiter ausgebildet für den Umgang mit Krankheiten wie Diabetes, Schlaganfall oder Demenz?

5. Zimmer

Wichtig ist, ob das Zimmer genügend groß ist für den eigenen Anspruch, ob es hell und freundlich ist und über einen Balkon verfügt oder eine Terrasse. Auch eine eigene Toilette, Dusche oder Bad sollten dazu gehören. Oft besteht der Wunsch, eigene Möbel mitzubringen – ist das möglich?

Im Zimmer sollten Anschlüsse für Telefon, TV und Internet vorhanden sein. Wichtig sind Notrufsysteme im Bad und im Wohnbereich. Dem Bewohner sollte ein eigener Schlüssel für das Zimmer und das Haus zur Verfügung stehen.

6. Ausstattung und Service

Man sollte sich informieren, wie viele Bewohner das Heim hat. Ob es Aufenthaltsräume, eine Bibliothek und eine Cafeteria gibt. Günstig ist, wenn Friseur und Fußpflege im Haus ihre Dienste anbieten. Gehört ein Park oder ein Garten zur Einrichtung? Erkundigen sollte man sich danach, ob feste Besuchszeiten einzuhalten sind und ob Angehörige auch ein Gästezimmer mieten können.

Bietet die Heimleitung und die Pflegedienstleitung Sprechstunden an? Auch auf das Freizeitangebot des Heims sollte man achten: ob Spiele, Lesestunden, Gymnastik oder Gedächtnistraining angeboten werden, und ob es Ausflüge ins Theater, ins Kino oder in die Umgebung gibt.

7. Lage

Soll das Heim eher in einer ruhigen Gegend mit grüner Umgebung liegen? Oder in der Nähe der bisherigen Wohnung? Ist die Nähe zur City wichtig? Wie gut ist es mit Bus, U- oder S-Bahn zu erreichen, auch für Angehörige und Freunde? Wichtig kann auch die Frage sein, ob es Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe gibt.

8. Verpflegung

Hat das Heim eine eigene Küche, die auch die Wünsche der Bewohner berücksichtigt? Ist das Auswahl vielfältig? Kann das Essen auch auf dem Zimmer eingenommen werden? Gibt es feste Essenszeiten? Hat man auch außerhalb dieser Zeiten die Möglichkeit, etwas zu essen und zu trinken zu bekommen? Werden Lebensmittelallergien berücksichtigt?

9. Bewertung

Zwar gibt es Pflegenoten für Heime. „Die Noten, die aktuell vergeben werden, sind leider wenig aussagekräftig“, sagt Margarete May. Ein neues Bewertungssystem für Pflegeeinrichtungen sei in Vorbereitung. 2021 sollen erste Bewertungen zur Verfügung stehen.

Auch die Verbraucherzentrale rät davon ab, die aktuellen Pflegenoten bei der Suche einzubeziehen. Schlechte Noten bei wichtigen Kriterien würden durch gute Noten bei unwichtigen Kriterien ausgeglichen, so dass die meisten Heime auf Bewertungen zwischen 1 und 2 bekommen, „unabhängig davon, wie es um die Qualität der Pflege tatsächlich steht.“

10. Beratung

Im nahe gelegenen Pflegestützpunkt kann man sich beraten lassen. Die Mitarbeiter können Heime in der Umgebung nennen. Die Verbraucherzentrale rät dazu, Internetportale bei der Suche nach einem geeigneten Heim zu nutzen.

Sie empfiehlt als seriösen Anbieter das Heimverzeichnis der Gesellschaft zur Förderung der Lebensqualität im Alter und bei Behinderung (gruener-haken.org). Viele Hinweise dazu, woran man ein gutes Pflegeheim erkennt, sind auf der Internetseite www.pflege-durch-angehoerige.de zu finden.