Konzertkritik

Ariana Grande bringt mit gewaltiger Stimme alle zum Jubeln

Ariana Grande, die schon früh als Wunderkind bezeichnet wurde, präsentierte in der Mercedes-Benz Arena ein Showspektakel.

Ariana Grande machte die Fans glücklich (Archivbild).

Ariana Grande machte die Fans glücklich (Archivbild).

Foto: Mario Anzuoni / REUTERS

Das kollektive Kreischen all dieser Menschen in der Arena führt fort, was man bei der Anfahrt bereits spüren konnte: Aufregung. Absolut. Die Spannung nämlich begann schon bei der verzweifelten Suche eines Parkplatzes. Man hätte bei den strikten Regeln bei Eintritt (keine Tasche, bloß Frischhaltebeutel erlaubt), die vorauseilten, erahnen können, dass für das Konzert von Ariana Grande weiträumig um die Mercedes-Benz Arena abgesperrt wird. Seitdem sich vor zwei Jahren nach einem ihrer Konzerte im Foyer des Veranstaltungsortes in Manchester ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt hatte, wird Sicherheit groß geschrieben. Zurecht.

Aber zurück zur Aufregung im positivsten Sinne: Das Warten auf den Auftritt der 25-Jährigen zieht sich. Es ist kaum auszuhalten, zu beobachten, wie viel Erwartungen auf diesem Abend liegen. Man möchte mit den überwiegend jungen Menschen (manche kleine Ariana-Verschnitte) und den dazugehörigen Erziehungsberechtigten vor Energie fast platzen. Die Lust, die Ungeduld sind am Limit. Auch die Smartphones, die mehr als 30 Minuten Richtung Bühne gehalten werden, um ja nicht den entscheidenden ersten Moment zu verpassen.

Ariana Grande - Fotografieren und Filmen erlaubt

Zum Fotografieren und Filmen übrigens wird ausdrücklich aufgefordert, nur bitte ohne Blitz. Gut, okay. Würde Ariana Grande anderes sagen, würde man sich auch wirklich wundern. Ihre Fans, alle Kinder der Digitalisierung, sie selbst mit 165 Millionen Abonnenten auf Instagram eine der Frauen mit den meisten Followern weltweit.

Um Punkt 21.35 Uhr geht die Sonne dann endlich auf. Im wahrsten Sinne. Oder ist es ein in Flammen stehender Planet, der da in der Mitte der Leinwand erscheint? Jedenfalls bringt Ariana Grande hier gerade mit ihrer gewaltigen Stimme alle zum Jubeln.

Ariana Grande räkelt sich auf einem langen Tisch

Gewohnt lasziv sieht man sie sich kurz darauf auf einem langen Tisch mitten auf der riesigen Bühne räkeln, singend, ganz selbstverständlich irgendwo in ihrer Vier-Oktaven-Sopranstimme. Kleiner Exkurs: Ein normaler Mensch erreicht gerade mal gut eine Oktave. Eine ausgebildete Stimme ungefähr zweieinhalb, nur selten drei. Ariana Grande schafft vier, das Wunderkind, das schon mit 15 am Broadway spielte, danach bei Nickelodeon TV-Star wurde und 2013 ihr Debütalbum rausbrachte, seitdem Hits wie „Break Up with your Girlfriend“ oder „Thank you, Next“ raushaut, als wäre das alles ganz einfach.

Zurück zur Bühne in der Arena an diesem Abend, wo das tatsächlich alles so elfengleich leicht aussieht: Um sie herum Tänzer, zwölf an der Zahl. Das letzte Abendmahl? Nach dem dritten Song mit Performances auf den Punkt möchte man sich verabschieden von irgendwelchen größeren Denkansätzen, sich einfach berieseln lassen von all dieser poppigen Superstar-Perfektion, die einem da geboten wird.

Die Euphorie von Ariana Grande überträgt sich

Fan-Sein, so richtig jung sein – man hat vergessen, wie viel Kraft darin steckt. Man will das wieder spüren und sich anstecken lassen von der uneingeschränkten Fähigkeit, sich voll und ganz auf das da vor seinen Augen einzulassen. Nicht an morgen denken, nur seine Tränen vor Freude wegwischen und dann unaufhaltsam jede einzelne Silbe mitsingen. Die Euphorie überträgt sich schon ein bisschen. „Oh mein Gott“-Schreie, als würde für jeden einzelnen hier ein Lebenstraum in Erfüllung gehen, dass nun tatsächlich dieser Song auch noch gespielt wird.

Wer gedacht hat, dass das irgendwann abebbt, hat sich getäuscht. Da geht sogar noch mehr. Ariana Grande trippelt kokett mit ihren Tänzern im Arm zwischen den Songs, das Mikro in die Höhe haltend, von einer zur anderen Seite - und die Fans kreischen um ihr Leben, geben ihr alles.

Ein Vorbild für junge Mädchen, als starke Frau

So wie sie. Ein Profi, der alles gibt. Mit Sicherheit ein Vorbild für junge Mädchen, als starke Frau, die sexy sein will, wie sie das möchte. Die zeigt, dass niemand für einen entscheiden darf, wie man als Frau zu sein hat.

Nach einer guten Handvoll Outfit-Wechsel, einer in Teilen epischen Show, statt Feuerzeugen natürlich Handy-Taschenlampen und dem Spielen von weit über 20 Songs ist es vorbei. Das dürstende Teenie-Herz gestillt (für kurz). Und für einen Moment war das eigene ehemalige Teenie-Herz sogar zurück.