Forschung

Sanierungsstau bei Hochschulen wächst auf fünf Milliarden

Vor allem die Universitäten haben hohen Bedarf an Investitionen. Regierender Bürgermeister: Investitionspakt Wissenschaft wird weiter entwickelt.

Die sogenannte Rostlaube der FU Berlin (Archivbild).

Die sogenannte Rostlaube der FU Berlin (Archivbild).

Foto: Bildagentur-online/Schoening / picture alliance / Bildagentur-o

Berlin. Der Sanierungsstau an den Berliner Hochschulen wird sich in den kommenden Jahren von derzeit 3,2 Milliarden Euro noch deutlich erhöhen. „Der planerische Gesamtbedarf für die elf Berliner Hochschulen wird sich nach derzeitiger grober Schätzung nicht unter 5,4 Milliarden Euro bewegen“, heißt es im Bericht „Baumaßnahmen Hochschulen“ des Wissenschaftsstaatssekretärs Steffen Krach an den Hauptausschuss.

Die Hochschulen hatten erst im Frühjahr den aktuellen Sanierungsbedarf ihrer Gebäude ermitteln lassen – und festgestellt, dass er deutlich höher liegt als erwartet. Sie fordern schon lange einen verbindlichen Entwicklungsplan, um Planungssicherheit zu haben. Bis zum kommenden Jahr sind die Hochschulen jetzt aufgerufen, für ihre Gebäude Sanierungspläne zu erstellen, die dann abgearbeitet werden.

Berlin bis 2036 insgesamt 4,9 Milliarden Euro bereitstellen

Als erstes Bundesland hat Berlin nun eine langfristige Planung für die Sanierung der insgesamt mehr als 400 Hochschulgebäude vorgelegt. Demnach will das Land bis zum Jahr 2036 insgesamt 4,9 Milliarden Euro für die Sanierung bereitstellen. „Wir entwickeln unseren 2017 aufgesetzten Investitionspakt Wissenschaft jetzt deutlich weiter“, sagt der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD). „Mit über zwei Milliarden Euro und aktuell über 100 laufenden Bauprojekten ist das bereits ein Riesenprogramm, das nun bis 2036 verlängert und auf gut fünf Milliarden erweitert wird.“

Hinzukommen sollen weitere Mittel aus dem Sonderinvestitionsprogramm Siwana und Bundesmittel. „Damit entsteht das umfassendste Bau- und Sanierungsprogramm am Wissenschaftsstandort Berlin seit der Wiedervereinigung“, sagt Müller

Sanierungen für 260 Millionen Euro in kommenden vier Jahren

Acht dringend notwendige Sanierungen mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 260 Millionen Euro sollen in den kommenden vier Jahren erfolgen. Dazu zählen an der Freien Universität (FU) die Grundsanierung des Chemie-Instituts (30 Millionen Euro), die Grundsanierung des Botanischen Gartens (18 Millionen Euro) und die Sanierung des Hauses L auf dem Campus Lankwitz an der Malteserstraße (acht Millionen Euro).

An der Technischen Universität (TU) erhält die Nanophysik einen Neubau (82 Millionen Euro), an der Humboldt-Universität wird die Sanierung des Hauptgebäudes angegangen (26 Millionen Euro), und der Fachbereich Optobiologie erhält ein neues Gebäude (55 Millionen Euro).

Auch die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) erhält einen Neubau (11,6 Millionen Euro). Für die Alice-Solomon-Hochschule ist ein Erweiterungsbau vorgesehen (20,6 Millionen Euro), das Verwaltungsgebäude der Universität der Künste wird saniert (sieben Millionen Euro).

FU hat mit 810 Millionen Euro höchsten Sanierungsbedarf

Den mit Abstand höchsten mittelfristigen Sanierungsbedarf weisen laut Gutachten die FU mit 810 Millionen Euro und die TU mit 757 Millionen Euro auf. Beide haben auch die höchsten Anteile an der untersuchten Nutzfläche, zusammen fast 600.000 Quadratmeter. Mit deutlichem Abstand folgen die Humboldt-Universität mit 320 Millionen Euro sowie die Universität der Künste mit 134 Millionen Euro.

Der geringste Bedarf wird der Kunsthochschule Weißensee (acht Millionen Euro) und der Hochschule für Wirtschaft und Recht (sieben Millionen Euro) attestiert. „Das ist natürlich ein richtiger Kraftakt für das Land, aber als Investition in unsere Innovationsfähigkeit und auch als Beitrag für die klimaneutrale Stadt absolut notwendig “, sagt Müller.

Charité hat eigenen Sanierungsetat

Wissenschaftsverwaltung und Hochschulen haben zudem einen „Sechs-Punkte-Sofortplan“ erarbeitet. Er soll den bis 2026 laufenden „Investitionspakt Wissenschaftsbauten“ des Senats ergänzen. In diesem Pakt sind bereits 223 Projekte im Umfang von 2,3 Milliarden Euro erfasst. Darin werden allerdings auch Neubauten und die Charité aufgeführt, die im Sanierungsgutachten nicht berücksichtigt wurden.

Für die Charité gibt es einen eigenen Sanierungsplan, ihren Investitionsstau in Höhe von 1,7 Milliarden Euro abzuarbeiten. Nach der Integration des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung in das Universitätsklinikum beteiligt sich der Bund an der Finanzierung und Sanierung der Charité mit jährlich 75 Millionen Euro.