Arbeitsmarkt

Fachkräftemangel in Berlin spitzt sich zu

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Dominik Bath
Die Arbeitslosigkeit ist in Berlin weiter zurückgegangen. Dennoch sorgt sich die Berliner Wirtschaft. Vor allem die gestiegene Jugendarbeitslosigkeit verschärft den Fachkräftemangel weiter.

Die Arbeitslosigkeit ist in Berlin weiter zurückgegangen. Dennoch sorgt sich die Berliner Wirtschaft. Vor allem die gestiegene Jugendarbeitslosigkeit verschärft den Fachkräftemangel weiter.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Unternehmen suchen weiter Personal. Sorgen macht der Wirtschaft die steigende Jugendarbeitslosigkeit.

Berlin. Trotz der weiter sinkenden Arbeitslosigkeit in der deutschen Hauptstadt hat die Berliner Wirtschaft stärkere Anstrengungen gefordert, um dem fortschreitenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Der Geschäftsführer Wirtschaft und Politik der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, Jörg Nolte, sagte am Montag, vor allem mit Blick auf die gestiegene Jugendarbeitslosigkeit müssten alle Akteure der Stadt unzufrieden sein.

Laut aktuellen Zahlen war die Zahl der Arbeitslosen in Berlin im Alter zwischen 15 und 25 Jahren von September 2018 bis 2019 um 0,9 Prozent angewachsen. Insgesamt waren knapp 12.500 Menschen in dieser Altersgruppe ohne Job.

„Gemeinsam müssen nun die Anstrengungen verstärkt werden, um die erfolgreiche Vermittlung in Ausbildung zu fokussieren und die Ausbildungsbetriebe bei ihrer Suche nach geeigneten Auszubildenden zu unterstützen“, forderte Nolte.

Zuletzt waren vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres noch 5553 unbesetzte Ausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Demgegenüber standen allerdings auch zigtausend unversorgte Bewerber. Laut IHK-Umfrage geht inzwischen jedes dritte Unternehmen in der Hauptstadt davon aus, freie Lehrstellen nicht mehr besetzen zu können.

Arbeitssenatorin fordert mehr Engagement der Unternehmen

Bereits in den vergangenen Monaten hatte die Kammer immer wieder angemahnt, dass in den Schulen weiter die Ausbildungsreife der jungen Menschen verbessert werden müsse. Zudem sollte die Berufsorientierung gestärkt werden.

Berlins Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) hatte bereits im Sommer mit Blick auf die hohe Zahl der unversorgten Bewerber auch mehr Engagement von der Wirtschaft gefordert. „Ausbildung ist eine durch nichts zu ersetzende Investition in die Zukunft. Die Betriebe sollten auch jungen Menschen, die keinen so guten Schulabschluss haben, eine Chance auf eine Ausbildung geben“, sagte Breitenbach. Insbesondere kleine und mittlere Betriebe seien gefordert, mehr auszubilden.

Insgesamt präsentierte sich der Arbeitsmarkt im September stabil. Wie die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit am Montag mitteilte, war die Zahl der Arbeitslosen in Berlin wie zu Beginn des Herbsts üblich zurückgegangen.

152.366 Menschen in der Hauptstadt waren im September ohne Job. Das waren 3882 Menschen weniger als im August und 189 weniger als im September des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum August um 0,2 Prozentpunkte auf 7,8 Prozent. Verglichen mit dem Vorjahresmonat ging sie leicht um 0,1 Prozentpunkte zurück.

Unternehmen melden fast 27.000 freie Stellen

„Entgegen der bundesweiten Anzeichen für eine Konjunkturschwäche zeigt sich der Arbeitsmarkt in Berlin und Brandenburg mit der zu beobachtenden Herbstbelebung alles in allem stabil und robust“, teilte der Chef der Regionaldirektion, Bernd Becking, mit. Zudem suchten die Unternehmen weiterhin Personal. 26.956 freie Stellen waren im September in Berlin gemeldet. Das waren 1084 Stellen mehr als noch im September 2018.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sieht in den Zahlen vor allem einen Beleg für die gute Arbeit der Regierungskoalition. „Der wirtschaftliche Erfolg kommt bei den Menschen an. Seit Amtsantritt dieser Regierung wurden in der Stadt mehr als 130.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, jedes Jahr kamen 50.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse dazu. Dieser Trend ist ungebrochen“, sagte Pop am Montag.

Sowohl im Jahr 2017 als auch 2018 habe es in Berlin zudem die höchsten Lohnzuwächse bundesweit gegeben, so die Senatorin weiter. Eine gute Entwicklung gebe es auch mit Blick auf die Langzeitarbeitslosigkeit. „Wir können ganz selbstbewusst sagen: Es geht den Berlinerinnen und Berlinern wirtschaftlich so gut wie nie zuvor in der Geschichte unserer Stadt“, erklärte die Politikerin.

UVB: Arbeitslosenquote in Berlin bundesweit nicht spitze

Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) nannten die Arbeitslosenquote von 7,8 Prozent in Berlin „respektabel, aber im Bundesländer-Vergleich nicht spitze“. Und weiter: „Trotz der konjunkturellen Unwägbarkeiten suchen viele Unternehmen weiterhin Personal, vor allem in Berlin. Hier wächst die Beschäftigung nach wie vor so stark wie nirgends sonst in Deutschland“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Christian Amsinck.

In Brandenburg hingegen würden derzeit kaum noch neue Jobs entstehen. Die neue Regierung in dem Bundesland müsse den Fokus unbedingt auf mehr Wachstum und auf eine Modernisierung der Infrastruktur legen. Zusätzliche und hochwertige Jobs entstünden nur, wenn das Land attraktivere Rahmenbedingungen für Investitionen schaffe, so Amsinck.