Wetter in Berlin

Sturm in Berlin: Feuerwehr rückte zu 100 Einsätzen aus

| Lesedauer: 12 Minuten

Das Tief Mortimer hat am Montag für schwere Sturmböen gesorgt. Die erwarteten Orkanböen erreichten Berlin aber nicht.

  • Das Tief Mortimer sorgte am Montag für schwere Sturmböen in Berlin.
  • Der Deutsche Wetterdienst hatte eine amtliche Warnung ausgegeben. Die erwarteten Orkanböen erreichten die Hauptstadt nicht. Windböen werden noch bis Montagabend, 20 Uhr, erwartet.
  • Der S-Bahn-Verkehr war bis zum frühen Nachmittag auf vielen Linien unterbrochen. Die Geschwindigkeit der S-Bahnen wurde zwischenzeitlich auf 50 km/h gedrosselt.
  • Die Deutsche Bahn hat am Morgen Teile des Fernverkehrs im Norden Deutschlands zeitweise eingestellt. Betroffen waren auch die Verbindungen Hamburg - Berlin und Hannover - Berlin. Diese Strecken wurden mittlerweile wieder freigegeben.
  • Die Berliner Feuerwehr musste bis zum Nachmittag zu rund 100 Einsätzen ausrücken. An den Berliner Flughäfen lief alles nach Plan.
  • Die Brandenburger Polizei warnte vor Gegenständen auf den Straßen. Betroffen war der gesamte Berliner Ring.
  • Zoo und Tierpark bleiben am Montag geschlossen, der Bezirk Mitte warnt vor dem Betreten von Grünanlagen.

Berlin. Sturmböen mit Windgeschwindigkeit von bis zu 100 km/h sind am Montag über Berlin hinweggefegt. Zuvor hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine amtliche Warnung ausgegeben. Die vom DWD erwarteten Orkanböen trafen Berlin dagegen nicht: Der Wetterdienst hob die sogenannte "Vorabinformation Unwetter vor Orkanböen" am Mittag wieder auf.

Am Dienstag soll es stürmisch weitergehen. Der DWD rechnet für Dienstagnachmittag mit schauerartigen Niederschlägen, einzelnen Gewittern. Sturmböen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 80 Stundenkilometern sind den Angaben nach nicht ausgeschlossen.

Feuerwehr rückte rund 100 Mal aus

Rund 100 Mal ist die Berliner Feuerwehr bis zum Montagnachmittag zu Einsätzen wegen Sturmtief „Mortimer“ ausgerückt. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand, wie die Rettungskräfte auf Twitter mitteilten. Etwa 75 Baum- und 25 Gebäudeschäden gingen nach einer ersten Bilanz aufs Konto des ersten Herbststurms.

An der Stresemann- Ecke Köthener Straße am Potsdamer Platz in Mitte sei eine sechs Quadratmeter große Scheibe im neunten Obergeschoss eines Hauses kaputtgegangen, sagte ein Sprecher. Da die Einsatzkräfte bei den Windgeschwindigkeiten keinen Leiterwagen nutzen konnten, musste die Scheibe von Hand gesichert werden. Durch Absperrungen staute sich der Verkehr. Ein Lkw, der an einem stehenden BVG-Bus der Linie M41 vorbeifahren wollte, krachte bei dem Manöver in die Seite des Busses.

Frau unter Ast eingeklemmt

In Neuruppin ist eine Frau wegen des Sturms unter einem Ast eingeklemmt worden. Dieser sei offenbar aufgrund des Sturmes von einem großen Baum abgebrochen, teilte die Polizei am Montagvormittag mit. Rettungskräfte befreiten die Frau und brachten sie in ein Krankenhaus. Die Fehrbelliner Straße war für rund eine halbe Stunde gesperrt.

Sturm in Berlin: S-Bahn-Linie S1 gesperrt - Geschwindigkeit gedrosselt

Bei der Berliner S-Bahn kam es im gesamten Netz zu Sperrungen, Verspätungen und Ausfällen. Die Geschwindigkeit der Züge wurde am Vormittag zwischenzeitlich gedrosselt: Witterungsbedingt durften die S-Bahnen nur maximal 50 km/h statt regulär 80 km/h fahren.

Zu ersten Sperrungen kam es gegen 10.20 Uhr: Die Linie S1 fuhr nicht zwischen Frohnau und Oranienburg. Gesperrt war zwischenzeitlich außerdem die Linien S5 zwischen Strausberg Nord und Strausberg. Auch die S7 verkehrte zwischenzeitlich unregelmäßig. Probleme gab es zudem auf der S8 zwischen Birkenwerder und Grünau/Zeuthen.

An den Berliner Flughäfen in Tegel (TXL) und Schönefeld (SXF) gab es keine Probleme. Bei Twitter hieß es, Passagiere sollten das stürmische Wetter beachten. In Tegel wurde die Besucherterrasse geschlossen.

Die Brandenburger Polizei teilte am Vormittag mit, es gebe vermehrt Gefahr durch Gegenstände im Straßenverehr. "Betroffen ist der gesamte Berliner Ring (A10). Bitte vorsichtig fahren!"

Deutsche Bahn: Fernverkehr im Norden läuft wieder

Wegen des Sturmtiefs war der Verkehr bei der Deutschen Bahn am Montagmorgen in ganz Deutschland eingeschränkt. Am Morgen wurde der Fernverkehr in Norddeutschland in Teilen eingestellt, die meisten Strecken wurden aber mittlerweile wieder freigegeben, darunter auch die Strecken Berlin - Hamburg und Berlin Hannover. Die Deutsche Bahn twitterte: "Für den Norden dürfte das Gröbste überstanden sein."

Die Bahn schrieb, dass Fahrgäste, die von den Störungen im Fernverkehr betroffen sind, ihre Tickets bis zum 7. Oktober flexibel nutzen können. "Die Zugbindung ist für diese Fahrkarten aufgehoben. Diese Fahrkarten können auch kostenlos storniert werden", teilte die Bahn mit.

Sturm über Deutschland - So verlagert sich das Starkwindfeld

Sturm in Berlin: Baum stürzt auf Auto in Schulzendorf

Auf dem ehemaligen Kasernengelände im Reinickendorfer Ortsteil Schulzendorf stürzte am Vormittag ein Baum auf ein Auto, in dem sich eine Person befand. Sie blieb unverletzt. Auf dem Gelände hat auch die Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst Akademie (BFRA) ihren Sitz.

In Neuruppin ist ein Mensch wegen des Sturms unter einem umgestürzten Baum eingeklemmt worden. Die Person sei ansprechbar und werde behandelt, sagte eine Polizeisprecherin am Montagvormittag. Rettungskräfte seien vor Ort.

Bezirk Mitte warnt vor dem Betreten von Grünanlage - Zoo und Tierpark geschlossen

Das Straßen- und Grünflächenamt Mitte warnt am Montagvormittag ausdrücklich und dringend vor dem Betreten der öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen.

"Aufgrund der sehr langanhaltenden Trockenheit der vergangenen beiden Jahre sind die Bäume sehr geschwächt; zudem sind sie besonders gefährdet, da sie noch voll belaubt sind. Auch aus der Erfahrung mit Sturm Xavier im Jahr 2017 wird vor dem Betreten der Grünanlagen gewarnt. Es kann zum Umsturz ganzer Bäume und Abbruch von Starkästen kommen", schreibt das Bezirksamt.

Der Berliner Zoo und der Tierpark bleiben am Montag aufgrund des Unwetters geschlossen, hieß es beim Kurznachrichtendienst Twitter. Die Tiere würden vorsorglich in Häusern, Stallungen und Unterständen untergebracht. Das Aquarium im Berliner Zoo bleibe regulär bis 18 Uhr geöffnet.

Berliner Hauptbahnhof: Kurz-Info-Stand informiert Reisende

Viele Fahrgäste der Deutschen Bahn strandeten am Vormittag am Berliner Hauptbahnhof. Unter ihnen auch Dorothea und Werner Bär aus Flensburg, die das Wochenende in Berlin verbracht haben, um den Marathon zu sehen – und jetzt länger als erwartet in der Hauptstadt gastieren. „Sowas ist uns noch nie passiert und wir fragen uns jetzt einfach, wie wir nach Hause kommen“, sagt die Flensburgerin.

Das Ehepaar reiht sich in eine etwa zehn Meter lange Schlange ein, die sich mittlerweile vor dem Bahnschalter am Nordeingang des Bahnhofes gebildet hat. Neben den beiden regulär besetzten Schaltern hat die Deutsche Bahn dort auch einen Kurz-Info-Stand installiert, an dem Mitarbeiter Auskünfte rund um die Frage geben, die das Treiben am Hauptbahnhof bestimmt: Fährt mein Zug oder fällt er aus? Und was ist meine Alternative? Indes verteilen die rund 50 Mitarbeiter der DB-Zentrale, die in roten Westen als „Servicehilfen“ deklariert sind, Tee, Kaffee und Wasser an die Wartenden.

Vor dem Reisezentrum der Deutschen Bahn im ersten Geschoss des Bahnhofes stehen mittlerweile etwa 150 Leute, die Filiale selbst ist voll. „Ich bin gestern den Marathon gelaufen, heute wollte ich zurück in den Süden und nicht rumstehen“, sagt Andrea Wieczorek, die in Augsburg studiert. Dass niemand etwas für das Wetter kann, sei ihr bewusst – die gegenwärtige Situation störe sie dennoch. „Ich schreibe in dieser Woche Klausuren und sollte eigentlich schon in der Bibliothek sitzen“, so die 24-Jährige weiter.

Auch Tom Schild und Lukas Haudegen sind Studenten – sehen die Situation allerdings gelassener: „Wir sind ganz entspannt, es gibt ja Kaffee“, sagt Haudegen. An der Uni Hamburg, an der beide studieren, geht das Semester zwar morgen los. Lehrveranstaltungen beginnen für beide allerdings erst in der kommenden Woche. In Berlin haben die beiden eine gemeinsame Freundin besucht. „Ärgerlich ist nur, dass wir noch in Ruhe hätten frühstücken können“, sagt Schild.

Servicehelfer werden zum Hauptbahnhof geholt

Servicehelfer Wolfgang Seufert ist spontan von der Zentrale mitten ins Geschehen beordert worden. Er helfe hauptsächlich dabei, den Leuten ihren Weg nach Hause zu zeigen, sagt er. Das bedeute in den meisten Fällen: In der App nachschauen, ob ein Zug fährt – und wenn ja, wann. „Vor allem ältere Leute stehen da häufig auf dem Schlauch“, weiß der Helfer. Wie viele Leute gerade konkret fest sitzen würden, wisse er nicht, er schätze aber einige Hundert.

Eine von ihnen ist auch Katie Winston, die ihren Freund in Berlin besucht hat und jetzt nach Hannover muss. Sie fragt Servicehelfer Seufert, wo sie ihr neues Ticket ausdrucken könne. Der verweist sie ins Reisezentrum. Im nächsten Moment tippt ihm Jaspreet Singh auf die Schulter, der seine neue Verbindung nach Hamburg nicht kenne, wie er sagt. Seufert hilft auch ihm. „Ist mal eine schöne Abwechslung zur Arbeit am Telefon“, berichtet der DB-Mitarbeiter.

Wetter in Berlin: Sturmtief Mortimer sorgt für regnerisches und windiges Wetter

Grund für das Wetter ist ein kleinräumiges, aber kräftiges Tief über Dänemark, das bis zum Abend ins Baltikum zieht. Sein Sturmfeld beeinflusst vor allem den Norden und Nordosten Deutschlands. Aber auch in der Region Berlin und Brandenburg ist es deutlich zu spüren.

Wie die Wetterexperten berichten, soll am Vormittag der Wind rasch und deutlich zunehmen. Bis in die Vormittagsstunden werden für die Region Berlin und Brandenburg einzelne Gewitter erwartet. Im Norden prognostizieren sie vereinzelt Starkregen mit Mengen zwischen 15 und 30 Litern pro Quadratmeter in sechs Stunden. Die Temperaturen erreichen Höchstwerte um 17 Grad.

Am Nachmittag nimmt der Wind dann allmählich ab. In der Nacht soll sich das Wetter deutlich beruhigen. Die Wolken lockern sich auf, verdichten sich allerdings später erneut und es kommt in der zweiten Nachthälfte zu Regen bei Tiefstwerten zwischen 12 und 7 Grad. Auch in den nächsten Tagen gestalte der Tiefdruckeinfluss das Wetter unbeständig, heißt es.

Das Wetter für Berlin immer aktuell

Auch zum Start in den Oktober dichte Wolken in Berlin und Brandenburg

Am Dienstag, zum Start in den Oktober, hängen laut DWD weiter dichte Wolken über großen Teilen Deutschlands. Auch in Berlin und Brandenburg bleibt es demnach bedeckt und regnerisch. Am Nachmittag kommt es zu teils schauerartig verstärkten Niederschlägen und vereinzelten Gewittern. Die Höchstwerte liegen zwischen 15 Grad im Norden und 20 Grad im Süden Brandenburgs. Es weht ein mäßiger Wind aus Südwest.

Für Mittwoch prognostizieren die Experten einen Wechsel von Wolken und heiteren Abschnitten. Im Süden herrscht zunächst dichte Bewölkung und etwas Regen, der zum Nachmittag abzieht. Es weht ein mäßiger Wind aus Südwest und kommt zu einzelnen Windböen bei Temperaturen bis maximal 14 Grad.

Am Donnerstag beherrschen laut DWD weiterhin Wolken das Wetterbild bei Höchsttemperaturen um 14 Grad und schwachem bis mäßigem West- bis Nordwestwind.

( BM )