Prozess

Unternehmer misshandelte Billiglohnkräfte - Bewährung

Juniorchef von Handwerksbetrieb bezahlte Billiglohnkräfte nicht. Stattdessen gab es Misshandlungen und Drohungen.

Eine Justitia mit verbundenen Augen vor dem Eingang des Kriminalgerichts Moabit.

Eine Justitia mit verbundenen Augen vor dem Eingang des Kriminalgerichts Moabit.

Foto: Taylan Gökalp / dpa

Berlin. Die Anklage, mit der sich das Berliner Landgericht am Dienstag befassen musste, zeichnet ein düsteres Bild von Teilen des Baugewerbes. Ein Unternehmer soll Mitarbeiter, allesamt Billiglohnkräfte aus Osteuropa, misshandelt und ihnen ihren Lohn vorenthalten haben. Nach einem im Wortsinn kurzen Prozess verhängten die Richter gegen den Angeklagten eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Das Urteil ist das Ergebnis eines Deals zwischen allen Prozessbeteiligten: Bewährung gegen Geständnis.

Bernard M. ist so etwas wie der Juniorchef im Handwerksbetrieb seines Vaters in Spandau. Für das Unternehmen waren zeitweise auch drei Männer aus Polen tätig. Als die nach Beendigung ihres Auftrages immer drängender ihren vereinbarten Lohn forderten, wurde der 28-Jährige aktiv. Laut Anklage lockte er die Arbeiter mit der Ankündigung, ihre Löhne auszuzahlen in den Keller eines Gebäudes am Paul-Gerhard-Ring in Spandau.

Angeklagter drohte, den Männern die Ohren abzuschneiden

Dort warteten neben dem Angeklagten noch sieben weitere Männer auf das Trio. Gegen die Übermacht hatten die polnischen Arbeiter keine Chance, sie wurden direkt und brutal misshandelt. Dabei soll M. solange auf die von seinen Komplizen in Schach gehaltenen Opfer eingeschlagen haben, bis die bereit waren, Bescheinigungen über den Erhalt des Geldes zu unterzeichnen, das sie tatsächlich gar nicht erhalten hatten. Zu guter Letzt drohte der Angeklagte den Männern, sollten sie ihm noch einmal über den Weg laufen, würde er ihnen die Ohren abschneiden.

Die Tat ereignete sich bereits 2014. Eine erste Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Erpressung landete vor dem Amtsgericht Tiergarten. Das betrachtete sich angesichts der Schwere der Vorwürfe für nicht zuständig und verwies den Fall ans Landgericht. Dort bestritt Bernhard M. am Dienstag zunächst die Vorwürfe, räumte sie dann aber doch ein.

Der Angeklagte sprach von nächtlichen Anrufen und Bedrohungen gegen seine Familie, das habe er abstellen wollen. In dem Keller in Spandau sei es zum Streit und zu Handgreiflichkeiten gekommen, das Ganze sei schließlich eskaliert, ursprünglich hätte er den Arbeitern nur einen Schrecken einjagen wollen. Das Gericht sah das ähnlich wie auch die Staatsanwaltschaft etwas anders. Dem Angeklagten sei es darum gegangen, den Geschädigten „nicht unerhebliche“ Schmerzen zuzufügen, hieß es in der Urteilsbegründung.