Klimaschutz

„Wir erleben ein beginnendes Waldsterben“

Die Gewerkschaft fordert, Einnahmen aus dem Entgelt für die Entnahme von Grundwasser für die Aufforstung zu nutzen.

Die „Dicke Marie“ im Tegeler Forst soll im Jahr 1107 gekeimt sein und gilt als der älteste Baum der Stadt. Viele Bäume sterben deutlich früher.

Die „Dicke Marie“ im Tegeler Forst soll im Jahr 1107 gekeimt sein und gilt als der älteste Baum der Stadt. Viele Bäume sterben deutlich früher.

Foto: Reto Klar

Berlin. Die Gewerkschaft „Bauen-Agrar-Umwelt“ (IG Bau) hat an die Berliner Politik appelliert, sich stärker für die Wälder zu engagieren. „Durch das zweite Trockenjahr in Folge erleben wir auch im Berliner Wald ein beginnendes Waldsterben, das das Waldsterben der 1980er-Jahre weit in den Schatten stellt“, heißt es in einem Schreiben, das der für die Berliner Forsten zuständige IG-Bau-Funktionär Wolfgang Korn an die umweltpolitischen Sprecher und die Fraktionsvorsitzenden des Abgeordnetenhauses verschickte.

Erhebliche Schäden durch die Hitzesommer 2018 und 2019

Um die Schäden der Trockenjahre 2018 und 2019 zu kompensieren und die Wälder für den Klimawandel stabiler zu machen, seien erhebliche finanzielle Mittel erforderlich. Der Vorschlag der IG Bau: Ein Teil der Einnahmen durch das sogenannte Grundwasserentnahmeentgelt solle künftig direkt den Berliner Forsten zugute kommen. Diese könnten damit Maßnahmen ergreifen, um den Zustand des Waldes zu verbessern.

Das Grundwasserentnahmeentgelt – umgangssprachlich auch als „Wasserpfennig“ bezeichnet – müssen Unternehmen und Einzelpersonen entrichten, die Wasser aus dem Berliner Grundwasser entnehmen. Das Land Berlin nimmt dadurch jährlich rund 55 Millionen Euro ein. Der Großteil wird durch die Berliner Wasserbetriebe entrichtet.

„Wasserpfennig“ muss dem Grundwasser zugute kommen

Die Einnahmen aus dem Grundwasserentnahmeentgelt fließen in den Landeshaushalt. Laut Wassergesetz müssen die Mittel für Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers genutzt werden. Die Ausgaben für solche Maßnahmen waren zuletzt mit rund 110 Millionen Euro sogar höher als die Einnahmen durch das Grundwasserentnahmeentgelt.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Burkard Dregger unterstützt den Vorschlag der IG Bau, einen Teil der Einnahmen den Berliner Forsten zukommen zu lassen. Der Wald erfülle eine wichtige Funktion für den Klimaschutz. „Wenn wir von Klimapolitik reden, sollten wir vor allem über Dinge sprechen, die wir selbst beeinflussen können“, sagte Dregger der Berliner Morgenpost. Er werde sich mit Vertretern der Berliner Forsten treffen, um sich selbst ein Bild vom Zustand des Waldes zu machen. „Die rot-rot-grüne Koalition hat das Thema überhaupt nicht im Blick“, sagte Dregger. Nach Ansicht des Gewerkschafters Wolfgang Korn, der auch Förster im Forstamt Tegel ist, sind „erhebliche Aufforstungsmaßnahmen“ erforderlich. Das Programm zum Waldumbau für mehr Mischwaldbestände müsse erheblich aufgestockt werden. Außerdem fehle den Berliner Forsten Personal. Der Sturm vom 5. Oktober 2017, der vor allem Wälder im Bereich des Forstamts Tegel traf, habe zudem gezeigt, dass auch eine bessere technische Ausstattung benötigt werde. So gebe es nur ein Fahrzeug, das besonders schwere Starkholzstämme aus dem Weg räumen könnte, so Korn.

Senat will mehr Geld für die Berliner Forsten bereitstellen

Die Senatsverwaltung für Umwelt verwies darauf, dass für die Berliner Forsten im Entwurf für den Doppelhaushalt 2020/21 mehr Mittel vorgesehen seien als bisher. „Angesichts der Erfahrungen dieses Sommers mit der zweiten Extremhitze in Folge und auch der wachsenden Waldbrandgefahr ist der Haushalt der Forsten zur Zeit Gegenstand intensiver Beratungen in den Haushaltsverhandlungen des Abgeordnetenhauses“, sagte der Sprecher der Umweltverwaltung, Jan Thomsen. Das 2012 gestartete Programm für eine Umwandlung zu Mischwäldern werde fortgeführt. Bis Ende 2018 seien auf 700 Hektar Waldfläche etwa 2,3 Millionen Laubbäume gepflanzt worden. Der Wald habe für die Bildung von Grundwasser und wegen der Speicherung von Kohlendioxid auch für den Klimaschutz eine wichtige Bedeutung. Dass dies „offenbar parteiübergreifend“ als existenziell wahrgenommen werden, sei „erfreulich“.

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