Energiewende

Berlins Hebel für den Klimaschutz ist die Wärmedämmung

Die Gebäude nutzen 60 Prozent der Energie für Heizung und Warmwasser. Dieser Verbrauch soll sich halbieren - für das Klima.

Das Kraftwerk Reuter  in Spandau: Hier wird noch mit Steinkpohle Fernwärme erzeugt. Vor 2030 soll damit Schluss sein.

Das Kraftwerk Reuter in Spandau: Hier wird noch mit Steinkpohle Fernwärme erzeugt. Vor 2030 soll damit Schluss sein.

Foto: Buddy Bartelsen

Berlin . Auch die Hauptstadt möchte ihren Beitrag zum Schutz des Klimas leisten. Bis 2050 soll der Ausstoß von Kohlendioxid gegenüber dem Stand von 1990 um 95 Prozent reduziert werden, die Stadt wäre dann „klimaneutral“. Bisher hat Berlin etwas über 31 Prozent geschafft, etwas mehr als der Rest von Deutschland. Das lag auch daran, dass die 1990 noch aktive Industrie in der DDR und auch viele Betriebe im Westteil der Stadt geschlossen wurden.

Zuletzt haben die Statistiker für Berlin aber sogar einen negativen Trend verzeichnet. Die wachsende Stadt verbrauchte auch mehr Energie und hat mehr CO2 in die Luft geblasen. Die jüngsten Zahlen von 2016, die in diesem Jahr veröffentlicht wurden, zeigen einen Anstieg um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt verursacht Berlin pro Jahr knapp 17 Millionen Tonnen Kohlendioxid.

Knapp sieben Millionen Tonnen stammen aus der Verbrennung von Mineralölprodukten, 3,5 Millionen aus Steinkohle, 1,3 Millionen aus Braunkohle, knapp fünf Millionen aus Gas und der Rest aus anderen Energieträgern. Die so genannte „Quellenbilanz“ der Kohlendipoxid-Emissionen macht schon deutlich, wo die Hebel für den Klimaschutz in Berlin liegen. Die Kohle muss als Brennstoff für die Erzeugung von Strom und Wärme ersetzt werden. Aber auch der Verkehr mit seinen fossil angetriebenen Motoren muss seine Emissionen senken. Ob das mit den Beschlüssen des Klima-Kabinetts gelingen kann, ist umstritten. Aus Sicht der Berliner Grünen springt die große Koalition auf Bundesebene deutlich zu kurz.

„Herbe Enttäuschung“ für Wirtschaftssenatorin Pop

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sprach von einer „herben Enttäuschung“. Die CO-Besteuerung sei ein Witz, in der Landwirtschaft solle alles bleiben wie es ist, dafür werde die Pendlerpauschale erhöht. „Das ist ein Schlag ins Gesicht der nachfolgenden Generationen“, sagte Pop. Diese Einschätzung teilt Professor Ottmar Edenhofer: „Das Klimapaket ist ein Dokument der politischen Mutlosigkeit. Mit dieser Entscheidung wird die Bundesregierung die selbstgesteckten Klima-Ziele für 2030 nicht erreichen“, so der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Für Berlin muss die Klimawende nach Einschätzung aller Fachleute vor allem im Gebäudesektor gelingen. 60 Prozent der Energie wird zum Heizen und für Warmwasser verbraucht. Beim Umstieg helfen könnte das von der Bundesregierung angekündigte Förderprogramm zum Austausch alter Ölheizungen. Auch Umwelt- und Klimaschutzsenatorin Regine Günther (Grüne) hatte bereits ein eigenes Förderprogramm angekündigt, auch um bisherige Versäumnisse des Bundes auszugleichen, wie sie sagte. Noch wird 20 Prozent der Berliner Wärme aus Ölheizungen gewonnen.

Meistens sind das Anlagen in Ein- oder Zweifamilienhäusern. Hier sehen Experten riesiges Potenzial, um Kohlendioxid einzusparen. Mit erneuerbaren Energien werden bisher nur weniger als drei Prozent aller Berliner Gebäude beheizt. Aber auch in den noch betriebenen fünf Kohlekraftwerken des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall gibt es erheblichen Handlungsbedarf, wenn die Klimawende ernsthaft angegangen werden soll. Sie sind für jede fünfte Tonne des in Berlin ausgestoßenen Kohlendioxids verantwortlich. Zwar hat eine Studie im Auftrag der Umweltsenatorin und Vattenfall gerade in dieser Woche aufgezeigt, dass man fossile Brennstoffe nicht schnell ersetzen kann, wenn die 1,3 Millionen Haushalte an den Fernwärmenetzen warme Wohnungen haben sollen.

Steinkohle als Brennstoff soll aus Berlin verschwinden

Aber zumindest die Steinkohle als Brennstoff soll bis 2030 aus Berlin verschwunden sein. Das wäre ein großer Schritt. Dennoch bleibt Vattenfall auf den fossilen Brennstoff Gas angewiesen, um seine Fernwärmekunden weiter zu versorgen.

Der Erfolg der Energiewende in Berlin steht und fällt aber mit einer schlichten Größe: Berlin muss seinen Energieverbrauch deutlich senken. Das ambitionierte Szenario aus der Machbarkeitsstudie zum Kohleausstieg sieht fast eine Halbierung des Wärmeabsatzes in der Stadt vor. Darauf verweist auch Christian von Hirschhausen, Leiter des Fachgebietes Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik an der Technischen Universität Berlin. Um die Klimaziele zu erreichen, müsse Deutschland zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umsteigen, so der Professor. Das sei möglich, wenn der Fokus stärker als bislang auf Energieeffizienz gerichtet würde. Das sei eine „bisher vernachlässigte Ressource“.