Kinderpressekonferenz

Berlins Polizeipräsidentin gibt Schülern Karrieretipps

Barbara Slowik ist die erste Frau an der Spitze der Berliner Polizei. 220 Schülerreporter interviewten sie - auch über ihr Privatleben.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik bei der Kinderpressekonferenz im Zoo Palast.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik bei der Kinderpressekonferenz im Zoo Palast.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE FOTO SERVICE

Wie faszinierend der Beruf des Polizisten für Kinder ist, zeigte sich bei der Kinderpressekonferenz der Berliner Morgenpost im Zoo Palast. 220 Schüler kamen am Freitag, um Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik zu interviewen. Mit einem Riesenapplaus begrüßten sie die ausgebildete Juristin, die seit April 2018 das Amt als erste Frau innehat. Von Klischees über Polizeibeamte und knifflige Fälle bis hin zur Karriere und zum Privatleben der Chefin: Keine Frage wurde ausgelassen. Moderiert wurde die Fragestunde von Morgenpost-Chefredakteurin Christine Richter. Hier eine Auswahl der Fragen und Antworten.

Arda aus Kreuzberg: Warum haben Sie uns am Eingang zum Zoo Palast eigentlich nicht kontrolliert?

Barbara Slowik: Ich bewege mich viel in der Stadt und da finden oft keine Kontrollen statt. Wenn ich irgendwohin gehe, gibt es im Vorfeld eine Gefährdungsbewertung und danach wird entschieden, ob Kontrollen notwendig sind. Euch als Schülern hat man offenbar vertraut.

Nader aus Kreuzberg: Was motiviert Sie für Ihre Arbeit als Polizeipräsidentin?

Berlin ist meine Heimatstadt. Hier etwas mit zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen gefällt mir. Und die Arbeit ist wichtig für die Demokratie: Damit Demokratie funktioniert, muss man sich sicher fühlen.

Dominik aus Steglitz: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Es gibt keinen typischen Alltag. Meistens stehe ich zwischen 5.15 und 5.30 Uhr auf, damit ich genug Zeit habe, um wach zu werden. Die ersten Termine finden zwischen 7 und 7.30 Uhr statt. Um 8.30 Uhr besprechen wir dann die Morgenlage, also was in den vergangenen 24 Stunden passiert ist und was in der Stadt los ist. Ab dann sieht jeder Tag anders aus. Abends steht meistens Schreibtischarbeit an.

Jakob aus Wilmersdorf: Essen Polizisten wirklich so viele Donuts?

Ich glaube, dass das ein Vorurteil ist. Es stimmt allerdings, dass sich Beamte, die im Funkwagen unterwegs sind, öfters mal Fast Food holen. Und tatsächlich beobachte ich, dass Polizisten gerne Süßes essen. Das liegt wohl daran, dass sie zu ungewöhnlichen Zeiten arbeiten, auch nachts. Knabbern beruhigt die Nerven.

Wiebke aus Kreuzberg: Was unterscheidet Ihre Arbeit als Polizeipräsidentin von der Arbeit einer normalen Polizistin?

Ich bin dafür zuständig, dass die Polizeiarbeit in Berlin reibungslos funktioniert. Außerdem sorge ich dafür, dass genug Geld für die Ausstattung da ist und unsere Arbeit transparent gemacht wird - durch Gespräche mit der Politik und der Presse.

Adrian aus Kreuzberg: Tragen Sie eine große Verantwortung?

In meiner Verantwortung liegen alle Bereiche der Polizei, die Personalabteilung genauso wie die Kripo und die Wasserschutzpolizei. Wenn die Polizei mal nicht gut reagiert hat, muss ich das rechtfertigen und dafür geradestehen. Im Extremfall kann ich sogar meinen Job verlieren.

Henri aus Rudow: Müssen Sie rund um die Uhr erreichbar sein?

Ja, das ist wichtig. Aber dass ich nachts angerufen werde, passiert äußerst selten. Die Polizisten in Berlin wissen eigenständig, was in welcher Situation zu tun ist.

Jonah aus Neukölln: Darf man als Polizist seine Waffe mit nach Hause nehmen?

Ja, wenn man die Polizeiakademie absolviert hat, darf man das.

Muhammad Ali aus Kreuzberg: Wie alt muss man sein, um Polizist zu werden?

Man braucht den Mittleren Schulabschluss, damit kannst du dich dann auf der Polizeiakademie bewerben.

Um zur Kripo zu kommen, ist das Abitur notwendig. Dann geht man an die Hochschule für Wirtschaft und Recht und studiert drei Jahre lang.

Ella aus Steglitz: Was lernt man auf der Polizeiakademie?

Das ist so ähnlich wie Schule. Wir haben Fächer wie Deutsch, Ethik und Strafrecht. Es gibt auch Tests. Sport ist sehr wichtig. Zur praktischen Ausbildung gehören das Einsatztraining und Verhaltenstraining. Da lernt man zum Beispiel den Umgang mit Waffen.

Letizia aus Neukölln: Viele Menschen haben Angst in öffentlichen Verkehrsmitteln. Was tun Sie dagegen?

Fakt ist, dass die Zahl der Straftaten in öffentlichen Verkehrsmitteln stark zurückgegangen ist. Man muss sich in der Bahn und im Bus also gar nicht so viele Sorgen machen.

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Ilker aus Kreuzberg: Haben Polizisten auch mal Angst?

Wir haben in Berlin rund 17.700 Polizisten auf den Straßen. Davon haben mit Sicherheit einige in bestimmten Situationen auch mal Angst. Aber Polizisten lernen in der Ausbildung damit umzugehen. Sie werden sehr gut vorbereitet und ausgestattet und sind immer im Team unterwegs.

Rahim aus Wedding: Hatten Sie Angst, als neulich ein Dieb bei Ihnen im Haus war?

Das war ein versuchter Einbruch. Das kennen viele Menschen in Berlin. Die Anonymität in einer Großstadt lockt viele Einbrecher an. Mich hat es nicht besonders erschreckt. Als ich bemerkt habe, dass dort jemand war, habe ich sofort die Kollegen geholt.

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Karoline aus Tegel: Wie viele Menschen gehen pro Jahr in Berlin ins Gefängnis?

Nicht alle Straftäter kommen gleich ins Gefängnis. Bei leichten Straftaten nehmen wir die Menschen erst einmal vorläufig für ein paar Stunden fest, um ihre persönlichen Daten und Fingerabdrücke zu registrieren. Im Jahr 2018 waren das 20.000 Personen. Von diesen sind 2000 im Justizvollzug verblieben. Darüber entscheiden aber nicht wir, das müssen Richter machen.

Coco aus Kreuzberg: Wie viele Polizeiwachen gibt es in Berlin?

Die Polizei in Berlin ist in sechs große Direktionen und 37 Abschnitte unterteilt. Die Abschnitte sind die Wachen, zu denen ihr gehen könnt, wenn ihr Anzeige erstatten wollt. In einem Abschnitt arbeiten etwa 200 Kollegen.

Rico aus Neukölln: Warum erhalten Mobbingopfer so wenig Unterstützung?

Damit es erst gar nicht zu Mobbingvorfällen an der Schule kommt, sind Präventionsbeauftragte in den Schulen unterwegs. Sie kommen zum Aufklären in die Klassenzimmer und zu Elternversammlungen. Wenn Hasstweets oder andere Formen von Mobbing auftreten, muss das angezeigt werden. Erst dann kann die Polizei ermitteln.

Martha aus Kreuzberg: Schießt man als Polizist oft?

Polizisten schießen nur äußerst selten - das ist auch unser Ziel. Polizisten sind Helfer, und unser erstes Mittel ist die Sprache. Damit versuchen wir die Menschen zu beruhigen. Nur wenn es gar nicht anders geht und Menschenleben in Gefahr sind, ist der Einsatz der Waffe unser letztes Mittel.

Kemal aus Kreuzberg: Was passiert, wenn ein Polizist jemanden erschießt?

Wenn ein Mensch zu Tode kommt, gibt es erst einmal Ermittlungen gegen den Polizisten selbst. Wir müssen wissen, ob er aus Notwehr gehandelt hat oder jemand anderen aus Lebensgefahr gerettet hat. Das wird juristisch geprüft. Wenn das so war, geht der Polizist natürlich straffrei aus.

Marie aus Neukölln: Haben Sie Ihre Waffe schon mal benutzt? Und wann schalten Sie das Blaulicht an?

Da ich keine ausgebildete Polizistin bin, habe ich keinen Waffenschein und somit auch keine Waffe. Als Präsidentin fahre ich auch nicht mit Blaulicht. Der Einsatz von Blaulicht und Martinshorn wird vom Lagezentrum angeordnet, das darf man nicht einfach so einschalten. Wenn ich ich einmal schnell vor Ort sein muss, kann ich von einem Wagen mit Blaulicht begleitet werden.

Jasper aus Tempelhof: Kriegen Polizisten auch Strafzettel?

Ja natürlich, da gibt es keine Ausnahme - außer wenn sie mit Blaulicht unterwegs sind.

Jette aus Kreuzberg: Gibt es Polizisten, die schon mal böse Sachen gemacht haben?

Ja. Bei so vielen Menschen, die für die Polizei arbeiten, gibt es welche, die Dinge tun, die nicht gut sind.

Serafina aus Neukölln: Was mögen Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Besonders mag ich den Kontakt mit Menschen. Ich bin mit ganz vielen unterschiedlichen Menschen in der Stadt unterwegs und im Gespräch.

Jeremy aus Tempelhof: Müssen Sie viel Papierkram machen?

Absolut, die Berge aus Papier sind unglaublich hoch. Manchmal mache ich sogar Fotos davon und schicke sie nach Hause, weil ich es kaum fassen kann.

Nati aus Tempelhof: Wie gehen Sie mit Stress um?

Ich glaube, Stress haben fast alle Berufstätigen. Die Frage ist, welche Art von Stress - ob positiv oder negativ. Ich erlebe meistens positiven Stress. Häufig jagt ein Termin den nächsten, aber mir macht meine Arbeit Spaß und daher kann ich gut mit dem Stress umgehen. Außerdem mache ich zum Ausgleich viel Sport, beim Laufen kann ich gut abschalten.

Finn aus Tempelhof: Was war Ihre schlechteste Schulnote?

Ich war eine brave Schülerin und es hat mir immer Spaß gemacht. Meine schlechteste Note war eine 3.

Lena aus Neukölln: Wollten Sie schon immer Polizistin werden?

Ja, das wollte ich schon nach dem Abi. Allerdings wurde mir davon abgeraten. Dann habe ich Jura studiert und zunächst in der Innenverwaltung von Berlin gearbeitet, später im Bundesinnenministerium. 2018 wurde ich gefragt, ob ich Polizeipräsidentin werden möchte, weil ich mich mit wichtigen Themen auskenne. Ich habe zugesagt und es so doch noch zur Polizei geschafft.

Ezim aus Kreuzberg: Beeinflusst Ihr Berufsleben Ihr soziales Umfeld?

Mein Freundeskreis hat sich nicht verändert, seit ich Polizeipräsidentin bin. Ich werde jetzt aber häufiger als vorher zu Veranstaltungen eingeladen.

Lina aus Steglitz: Welche Hobbys haben Sie?

Ich treibe gerne Sport, am liebsten Laufen und Schwimmen. Außerdem gehe ich sehr gerne auf Reisen.

Johann aus Tempelhof: Wie viele Morde werden jährlich in Berlin begangen?

Im vergangenen Jahr gab es knapp 100 Delikte, wo Menschen durch andere Menschen zu Tode gekommen sind. Vor 20 Jahren waren es noch doppelt so viele. Ich bin sehr stolz auf unsere Mordkommission: 93 bis 98 Prozent der Fälle werden aufgeklärt.

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Baturay aus Tempelhof: Haben Sie schon mal Leute im Gefängnis gesehen?

Ja, in meiner Ausbildung zur Juristin habe ich mich einmal mit Strafgefangenen unterhalten. Ich weiß also, wie es in einer Justizvollzugsanstalt aussieht. Ich habe mir vorgenommen, demnächst die JVA Tegel zu besuchen.

Seda aus Kreuzberg: Wie sind Sie so erfolgreich geworden?

Man muss Spaß an der Arbeit haben und möglichst neugierig und interessiert an vielen Dingen sein. Außerdem muss man in einer Führungsposition Menschen mögen.

Emma aus Tegel: Was können Frauen besser als Männer?

Ich finde, dass Frauen häufig diplomatischer und kompromissbereiter sind. Sie arbeiten mehr miteinander statt gegeneinander.

Henri aus Wedding: Standen auch andere Frau für Ihr Amt zur Wahl?

Die Polizeipräsidentin wird gar nicht gewählt, sondern wird vom Senat ernannt. Ich fühle mich geehrt, als erste Frau dieses Amt ausüben zu dürfen.

Dana aus Steglitz: Steht noch jemand im Rang über Ihnen?

Bei der Polizei nicht. Es gibt aber noch einen Senator: Andreas Geisel, Innensenator von Berlin. Er ist mein Chef.

Lotti aus Steglitz: Was war Ihr schwierigster Fall?

In letzter Zeit hat mich der Unfall in der Invalidenstraße in Mitte, bei dem vier Menschen zu Tode kamen, sehr beschäftigt.

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Max aus Steglitz: Was waren die Fehler der Polizei beim Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz?

Direkte Fehler haben wir nicht gemacht. Aber wir haben Dinge festgestellt, die wir verbessern können. Zum Beispiel haben wir jetzt eine psychosoziale Notfallversorgung, um Angehörige von Opfern besser zu informieren und zu betreuen. Und wir haben unsere Polizisten mit schusssicheren Helmen und anderen Waffen besser ausgestattet.

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Ida aus Tegel: Was macht die Polizei, um das Klima zu schützen?

Auch für die Polizei ist Klimaschutz wichtig. Wir achten darauf, dass Polizeiautos wenig Co2 ausstoßen. Außerdem haben wir eine Fahrradstaffel. Auch unsere Technik ist so umwelt- und ressourcenschonend wie möglich.

Janna aus Kreuzberg: Arbeitet die Polizei auch mit der Feuerwehr zusammen?

Ja, das ist sogar ganz wichtig. Wir arbeiten sehr eng zusammen, vor allem, wenn es brennt und wenn Menschen gerettet werden müssen.

Elif aus Kreuzberg: Was sind die Vorteile und Nachteile als Frau in Ihrem Job?

Ich habe nie besondere Vor- oder Nachteile erlebt. Es liegt an einem selbst. Man muss sich was trauen, das ist wichtig. Und man muss als Frau überzeugt davon sein, dass man gut ist, bei dem, was man tut - und das auch nach außen hin zeigen.

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