Transport

Test: Bald autonome Boote auf der Spree

Ziel des Projekts ist es, Güterverkehr auf Spree und Kanäle zu verlagern und die Straßen zu entlasten.

Der Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal ist ein Teil der Route, auf der die Prototypen fahren und Güter transportieren sollen.

Der Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal ist ein Teil der Route, auf der die Prototypen fahren und Güter transportieren sollen.

Foto: Schoening / pa / Arco Images

Auf der Spree und mehreren Kanälen der Berliner Innenstadt sollen ab Mitte 2021 autonom fahrende Boote erprobt werden. Das ist das Ziel eines Projekts, das mehrere Partner nun begonnen haben, darunter die Schiffbau-Versuchsanstalt Potsdam GmbH, die Technische Universität Berlin und die Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft (Behala). Das neue Transportsystem soll mehr Güterverkehr aufs Wasser verlegen und so die Straßen der Stadt entlasten, wie am Freitag bekannt gegeben wurde. Damit fiel auch der Startschuss für das Projekt „A-SWARM“ (Autonome elektrische Schifffahrt auf Wasserstraßen in Metropolregionen).

Die Spree in Charlottenburg wird zum Versuchslabor

Aus diesem Grund sollen die Wasserwege rund um die Mierendorff-Insel in Charlottenburg zu einem Reallabor werden. Die Prototypen der schwimmenden Einheiten mit Elektroantrieb sollen in der Nähe des Westhafens auf der Spree, dem Charlottenburger Verbindungskanal, dem Westhafenkanal und im Norden auf dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal getestet werden. „Mit dem Vorhaben soll auf Basis autonomer, koppelbarer und elektrisch betriebener Wasserfahrzeuge ein Beitrag zur modernen Citylogistik geleistet werden“, heißt es in einer Mitteilung. Die Fahrzeuge sollen ihre Routen selbst berechnen, sich auch zu Schwärmen zusammenkoppeln und ihre Ladung an Umschlagpunkten eigenständig auf- und abladen.

„Wir werden das Projekt voraussichtlich mit zwei Prototypen Mitte 2021 beginnen“, erklärt Klaus Lichtfuß. Der Diplom-Ingenieur betreut das Vorhaben für die Behala. „Die schwimmenden Einheiten werden im Original etwa Containergröße haben, für den Beginn der ersten Versuche werden kleinere, maßstabsgetreue Modelle eingesetzt.“ Diese sollen kleinere Gütereinheiten, etwa Europaletten, ohne großen Aufwand auf dem Wasser transportieren, sagt Lichtfuß. Zudem soll die Fracht auch ohne großen Aufwand an Land gebracht werden können. „Die Grundidee ist es, dass jede schwimmende Einheit für sich autonom fahren kann“, erklärt Lichtfuß. „Sie können aber auch miteinander gekoppelt werden und dann als größerer Verband Güter transportieren.“

Mit dem Schiff zum Hub, von dort auf dem Landweg weiter

Bevor die Prototypen auf dem Wasser in den Testbetrieb gehen, werden die Modelle vorab im Strömungsumlaufkanal der Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau der Technischen Universität Berlin (in der sogenannten Rosa Röhre) und in der Versuchsanstalt Potsdam auf ihre Tauglichkeit getestet. Hintergrund für das Forschungsprojekt ist es, dem stetigen Anstieg des Straßenverkehrs und den negativen Folgen wie etwa Verkehrsüberlastungen, Verspätungen und Umweltverschmutzungen entgegenzuwirken. Dazu würden freie Kapazitäten auf den Binnenwasserstraßen zahlreiche Möglichkeiten für die Verlagerung von Güterverkehren von den überlasteten Straßen auf das Wasser bieten.

Ziel soll sein, ein Transportsystem zu entwickeln, dass die Güter nach Berlin bringt, um von dortigen dezentralen Knotenpunkten („Hubs“) aus mit landgestützten Transportmitteln die letzte Meile des Verteilverkehrs zu gewährleisten, heißt es. Für die Belieferung von derartigen Hubs bieten sich kleine schwimmende Einheiten an, deren Antrieb elektrisch und damit lokal emissionsfrei erfolgt. Das Projekt mit einer Laufzeit bis 31. August 2022 wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen Maritime Forschungsstrategie 2025 gefördert.