Klimaschutz

Gasag-Gruppe zieht auf Euref-Campus in Schöneberg

Bald sollen 5000 Mitarbeiter auf dem Euref-Campus Schöneberg forschen und arbeiten. Am Donnerstag wurde Richtfest und Grundsteinlegung gefeiert.

Der Rohbau für die neue Gasag-Firmenzentrale neben dem Gasomater steht. Nur wenige Schritte entfernt entsteht der Neubau für die NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg.

Der Rohbau für die neue Gasag-Firmenzentrale neben dem Gasomater steht. Nur wenige Schritte entfernt entsteht der Neubau für die NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE FOTO SERVICE

Berlin. Ein Termin, zwei Anlässe: Auf dem Euref-Campus in Schöneberg ist am Donnerstag Richtfest für die neue Gasag-Unternehmenszentrale gefeiert worden. Zuvor wurde der Grundstein für den Neubau der NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg gelegt. Das nennt man Effizienz.

Dieses Ziel gilt auch für den Bau der derzeit entstehenden Gebäude auf dem innovativen Campus, der bereits seit 2014 die CO2-Klimaziele der Bundesregierung für das Jahr 2050 erfüllt.

Die beiden neuen Häuser sollen nach höchsten energetischen und ökologischen Standards errichtet und betrieben werden. Sie werden vom Stuttgarter Unternehmen Wolff & Müller gebaut, dem ersten CO2-neutralen Bauunternehmen Deutschlands.

Gasag kehrt an den historischen Standort zurück

Der Gründer des Euref-Campus, Architekt und Stadtplaner Reinhard Müller, sagte anlässlich des Richtfestes und der Grundsteinlegung: „Ich freue mich, dass die Gasag an den Gasometer Schöneberg und damit an ihren historischen Standort zurückkehrt.“

Das Energieunternehmen hat seinen Firmensitz derzeit am Hackeschen Markt. 1847 waren die „Städtischen Gaswerke“ mit eigenem Netz gegründet worden. 1871 entstand das Gaswerk auf dem Gelände. Der neue, heute noch erhaltene Gasometer mit seiner 78 Meter hohen Stahlkonstruktion wurde bis 1910 errichtet, 1946 wurde das Werk abgeschaltet, der Gasometer blieb aber noch bis zur Stilllegung 1995 als Gasspeicher in Betrieb. Die 2006 gegründete NBB, ein Unternehmen der Gasag, plant, baut und betreibt Gasnetze in Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

„Sie haben sich den spannendsten Ort in Berlin ausgesucht“

Mit der Ansiedlung der neuen Gasag-Zentrale und der NBB Netzgesellschaft werde die Position des Euref-Campus als führendes Energiequartier gestärkt, sagte Müller. „Sie haben sich den spannendsten Ort in Berlin ausgesucht“, betonte er.

Am Tag zuvor hatte Müller vor der großen Klimademonstration an diesem Freitag in Berlin das Bündnis Fridays for Future zu Gast, deren Protest er nur unterstützen könne, wie er in seiner Rede hervorhob. „Dies ist ein deutlicher Fingerzeig für die Politik“, sagte der Euref-Campus-Chef.

5000 Menschen werden dann auf dem Campus arbeiten

Auf dem 5,5 Hektar großen Gelände zwischen S-Bahnhof Schöneberg und Südkreuz arbeiten derzeit rund 3500 Mitarbeiter in mehr als 150 Firmen und Forschungseinrichtungen, Start-Ups und etablierte Firmen forschen und arbeiten daran, Energie einzusparen.

Bezirkspolitiker zeigen sich begeistert

Die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler (SPD) und Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) hoben das einzigartige Engagement auf dem Campus hervor. Es strahle nicht nur auf Berlin, sondern weit darüber hinaus aus, sagte Schöttler. Oltmann betonte, dass sich der Standort großartig entwickelt habe. Er erinnerte daran, dass es nicht immer konfliktfrei zwischen den Behörden in Tempelhof-Schöneberg und dem Euref-Gründer Müller zugegangen sei.

Nach dem geplanten Einzug der Gasag-Unternehmenszentrale im „Gasag Energiequartier“ im nächsten Jahr und des Tochterunternehmens ins „NBB-Netzquartier“ Mitte 2021 werden es 5000 Menschen sein. Die Gasag-Gruppe kommt mit rund 1200 Mitarbeitern nach Schöneberg.

Vorgesehen ist, dass die Gasag bereits im Herbst 2020 und damit einige Monate früher als geplant, ihren Sitz hierher verlegt. Die NBB Netzgesellschaft soll Mitte 2021 umsiedeln.

Der Vorstandsvorsitzende der Gasag AG, Gerhard Holtmeier, nannte den Euref-Campus in seiner Rede „den idealen Standort für uns“. Denn hier belege die Gasag mit ihrem Energiekonzept bereits seit Jahren, dass schon heute eine CO2-neutrale Energieversorgung möglich sein.

Als Energiedienstleister entwickele die Gasag nicht nur innovative Energiekonzepte für ganze Quartiere oder produziere Ökostrom, sondern biete auch Mobilitätskonzepte. Auf dem Campus gebe es beste Bedingungen, um dem Ziel einer CO2 neutralen Zukunft für Berlin näher zu kommen. Beide Neubauten sollen den höchsten energetischen Standard KfW 55 erfüllen. Vorgesehen ist der Bau eines zusätzlich mit Biomethan betriebenen Blockheizkraftwerks sowie neue Photovoltaikanlagen auf dem Dach. Beide technische Systeme würden in das campusweite Micro-Smart-Grid integriert. Dieses Stromnetz speist sich aus mehreren Energiequellen.

83 Millionen Euro Kosten veranschlagt

Der im Rohbau fertiggestellte Neubau, für den Richtfest gefeiert wurde, ist mit seinen rund 18.000 Quadratmetern Bürofläche bereits vermietet. Die Gasag will 12.500 Quadratmeter selbst nutzen. Das vom Architekturbüro der Euref-Gruppe unter Architekt Johannes Tücks entworfene Gebäude wird für etwa 83 Millionen Euro gebaut.

Im Erdgeschoss ist ein Showroom der Energiewende vorgesehen. Außerdem wird das Restaurant „Cord“ einziehen, das auch abends geöffnet haben soll. Meisterkoch Thomas Kammeier, seit 2015 gastronomischer Leiter auf dem Campus, wird es betreiben. In der Tiefgarage soll es 144 Stellplätze geben, davon mehr als 60 mit Elektroladestation.

Im Gebäude der Netzgesellschaft, das für rund 40 Millionen Euro am Eingang des Euref-Campus entsteht, soll Platz für etwa 450 Arbeitsplätze sein.

Bei der Grundsteinlegung kam auch eine Berliner Morgenpost mit in die eingelassene Rolle. Darin veröffentlicht: die am Mittwoch von Fridays for Future am Gasometer angebrachte Installation einer interaktiven CO2-Uhr.