CDU-Fraktionschef

Ralph Brinkhaus sieht Autoindustrie vor „gewaltigem Wandel“

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus spricht beim Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) über die Zukunft der Mobilität.

Ralph Brinkhaus (CDU), Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Ralph Brinkhaus (CDU), Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Foto: Carsten Rehder / dpa

Draußen toste der frühmorgendliche Verkehr am Landwehrkanal vorbei, drinnen im Hotel Esplanade ging es genau darum: um die Autos auf den Straßen und den Klimaschutz. Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) hatte Ralph Brinkhaus, CDU/CSU-Fraktionschef im Bundestag, ins Esplanade geladen. Der Politiker sprach Klartext.

Autoindustrie steht vor großem Wandel

Die Autoindustrie müsse sich in den nächsten Jahren auf einen gewaltigen Wandel einstellen. Größer als all das, was es in den vergangenen 50 Jahren zusammen gegeben habe, so Brinkhaus. Damit meine er nicht nur die Veränderung vom Verbrennungsmotor hin zum Elektroantrieb. Es gehe um einen grundsätzlichen Wandel bei den Kunden. „Früher war es ja so, dass das Auto mit 250 PS und einer Sitzheizung sexy waren“, so Brinkhaus. Aber das sei offenbar vorbei. Seine Mitarbeiter in Berlin – städtisch geprägt – wollten mobil sein. Aber sie bräuchten dafür kein eigenes Auto mehr. Es reiche eine App für den Ausflug mit einem Leihwagen am Wochenende. Da ändere sich gerade in den Ballungszentren die Einstellung zum Auto.

„Ohne Führerschein bist du Opfer in Rietberg“

Auf dem Lande könnte das noch etwas dauern, so der Politiker, der aus Ostwestfalen stammt. „In Rietberg bist du ohne Führerschein ein Opfer“, so Brinkhaus. Dann komme man nämlich vom Dorf nicht mehr weg. In Berlin frage man sich als 18-Jähriger dagegen, ob man überhaupt einen Führerschein brauche.

Er finde den Protest der Jugend zum Klimaschutz richtig, sagte Brinkhaus. Allerdings seien viele Forderungen nicht erfüllbar. Das gehöre aber zur Jugend dazu, dass man antreibe und weitgehende Ziele einfordere. Er zähle sich aber zu den Politikern, die auf Technologie und Innovation setzen, statt auf eine Ordnungspolitik mit Verboten. Das sei auch wichtig, weil Deutschland nicht allein auf der Welt sei. Mit neuen Technologien und Konzepten müsse man „vor die Welle kommen“, um so die deutsche Wirtschaft im internationalen Wettbewerb nach vorn zu bringen.

Brinkhaus warnte auch vor einem neuen Protektionismus. Eine wirtschaftliche Abschottung schade langfristig einer Nation, so Brinkhaus. Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende hatte allerdings an diesem Morgen nur wenig Zeit für eine Diskussion mit den Berliner Kaufleuten und Industriellen. Denn er musste sich noch vorbereiten: auf den Klimagipfel der Koalition am Abend. Der Dienstwagen wartete schon vor der Tür.