Auf der Teststrecke

Testfahrt: Im Selbstversuch unterwegs im autonomen Auto

Morgenpost-Redakteur ist im autonom fahrenden Auto unterwegs gewesen. Das System hat noch so einige Tücken.

Jens Anker Autonomes Fahren

Jens Anker Autonomes Fahren

Foto: Jens Anker

Es geht alles ganz schnell: Eine rote ­Signallampe leuchtet auf und die Warnung „Achtung scharfe Bremsung“. Dann wird der Körper auch schon in den Sicherheitsgurt gedrückt, und wenige Momente später steht der Wagen. Mit einem menschlichen Fahrer hätte es womöglich einen Auffahrunfall gegeben. Hier ist es noch einmal gut gegangen – weil der Wagen ein digitales Warnsignal erhalten hat.

So konnte das Bremsma­növer eingeleitet werden, bevor ein echter Fahrer das hätte machen können. „Ein Mensch sieht nur die Bremslichter aufleuchten“, sagt Marcus Witzke, einer der Ingenieure des Pilotprojektes zum automatisierten Fahren auf dem 17. Juni. Der digitale Wagen erhält dagegen genaue Angaben darüber, wie stark das Auto vor ihm bremst und kann entsprechend reagieren.

Mit einem autonom fahrenden Wagen zu fahren, ist ungewohnt. Grundsätzlich bewegt er sich vorsichtiger und langsamer im Verkehr – auch weil er weiß, wie schnell er fahren muss, um die nächste grüne Ampel zu erwischen.

Aber die Tücken werden schon kurze Zeit später deutlich. Als der Wagen eine 180-Grad-Kurve bewältigen soll, bleibt er plötzlich mitten auf der Teststrecke stehen. „Vermutlich ein Lokalisierungssprung“, sagt der Beifahrer. Das Auto wusste einen Moment lang nicht, wo genau es sich befindet, und hat angehalten.

Die Datenmenge ist riesig

Die Datenmengen, die notwendig sind, damit sich das Fahrzeug sicher im Verkehr bewegt, sind riesig. Wie schwer das ist, wird bei einem Blick auf den ­Monitor deutlich. Manchmal blinken Vierecke auf, die parkende Wagen zeigen sollen, manchmal nicht. Die an der Straße und im Auto angebrachten Sensoren schaffen es noch nicht, alle Details in der Nähe zu erkennen.

Nach 20 Minuten ist die Testfahrt beendet, und der Leiter des Projekts hat noch einen Ratschlag parat. „Wenn Sie einen Unfall mit einem unserer Wagen verursachen, fahren sie an der Seite oder vorn rein“, sagt Sahin Albayrak. „Hinten steckt die Technik drin. Da entsteht bei einem kleinen Auffahrunfall schon mal ein Schaden von 150.000 Euro.“