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Homeoffice: Berlin ist Vorreiter im mobilen Arbeiten

In der Hauptstadt erlauben besonders viele Unternehmen ihren Angestellten, von zu Hause aus zu praktizieren.

Foto: Sigrid Gombert / imago/Westend61

Berlin. Deutschlands Silicon Valley, Start-up-Metropole, Co-Working-Hauptstadt. Es gibt viele Wort-Ungetüme, die für die Entwicklung Berlins der letzten Jahre stehen: hin zum Magneten für erfolgshungrige Gründer, Programmierer und Techies aus der ganzen Welt. Daher verwundert es kaum, dass in Berlin der Anteil jener, die ihre Arbeit von Unterwegs oder Zuhause machen, besonders hoch ist.

Mobiles Arbeiten. So nennt das die Senatsverwaltung für Arbeit. Im sogenannten Betriebspanel 2018, einer repräsentativen Umfrage in Berlin und im gesamten Bundesgebiet, hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit erhoben, wie viele Betriebe ihren Angestellten die Möglichkeit geben, mit Laptop oder Handy abseits ihres Arbeitsplatzes zu arbeiten.

38 Prozent der Berliner Unternehmen machen ein Homeoffice-Angebot

Ergebnis: Berlin ist laut der Arbeitssenatorin Elke Breitenbach ein „Vorreiter beim mobilen Arbeiten“. 38 Prozent der Berliner Unternehmen machen ihrer Belegschaft das Angebot, im Homeoffice oder anderweitig mobil zu arbeiten. Der bundesweite Schnitt liegt bei 26 Prozent der Unternehmen. Insgesamt kann laut der Erhebung rund ein Fünftel aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Berlin im Homeoffice arbeiten. Das ist fast doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt.

Besonders verbreitet ist das Homeoffice-Modell in der öffentlichen Verwaltung. 92 Prozent der Arbeitgeber ermöglichen dort das mobile Arbeiten. Im Bereich Verkehr und Information sind es 86 Prozent der Betriebe. Weit verbreitet ist das Homeoffice auch im Non-Profit-Bereich. Zudem gilt: Je höher die Qualifikation, die der Beschäftigte vorweisen muss, desto verbreiteter die Möglichkeit des Arbeitens von Zuhause.

„Homeoffice kann Segen und Fluch sein“

Rund jeder vierte Berliner Betrieb mit mobilem Arbeiten gab an, den Beschäftigten mehr Flexibilität ermöglichen zu wollen, jeder fünfte will eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Eine wichtige Motivation für Arbeitgeber ist es laut dem Bericht der Senatsverwaltung auch, attraktiver für potenzielle Beschäftigte zu werden um so trotz Fachkräftemangels Stellen besetzen zu können.

„Homeoffice kann Segen und Fluch sein“, sagt Andreas Splanemann vom Berliner Landesverband der Gewerkschaft Verdi. Gerade Beschäftigte in Start-ups seien anfällig für die negativen Seiten flexibler Arbeitsmodelle. Splanemann sagt: „In diesen Unternehmen arbeiten Menschen, die zur Selbstausbeutung neigen. Als Gewerkschaft ist es sehr schwer, dort für Risiken zu sensibilisieren.“ Entscheidend ist laut Verdi, dass es klar ausformulierte Dienstvereinbarungen in den Betrieben gibt. Welche digitalen Endgeräte werden genutzt? Wer haftet bei Unfällen? Wie wird Datenschutz gewährleistet? „All das mus dezidiert in Dienst- und Betriebsvereinbarungen geregelt sein.“

Doch genau an solchen Reglements mangelt es. Laut dem Betriebspanel der Arbeitssenatsverwaltung hat nur ein Fünftel der Betriebe mit Homeoffice Regeln zum Umgang damit erlassen. Mit 16 Prozent ist der Anteil solcher unternehmen im Bundesdurchschnitt allerdings noch geringer als in Berlin.

Bei einem Großteil der Firmen gebe es keine Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten. Dabei spielt die Größe des Unternehmens und demnach die Existenz eines Betriebsrats keine Rolle. Gefahren seien unter anderem ständige Erreichbarkeit und sich verlängernde Arbeitszeiten. Auch der Berliner Bericht warnt vor möglichen gesundheitlichen Risiken.

Senatorin warnt vor Verschleiß der Arbeitnehmer

„Das Thema mobiles Arbeiten zeigt beispielhaft, vor welchen Herausforderungen wir bei der Gestaltung der digitalen Arbeitswelt stehen“, sagt Breitenbach. Durch die fehlenden Regelungen steige die Gefahr, dass Beschäftigte „auf Verschleiß arbeiten.“ Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Fachkräften sehe laut Breitenbach anders aus.

Im öffentlichen Dienst gelten seit August diesen Jahres entsprechende Rahmenvereinbarungen. Verdi appelliert auch an Privatunternehmen, Regelwerke für die Arbeit im Homeoffice einzuführen.