Stadtentwicklung

Berlin startet Städtebau-Wettbewerb: 300.000 Euro ausgelobt

Vor knapp 100 Jahren wurde Groß-Berlin gegründet. Die Vision „Berlin-Brandenburg 2070“ soll nun einen neuen Masterplan bekommen.

Schon 2018 hatte der Bund Deutscher Architekten einen Wettbewerb mit dem Titel „Neustadt Berlin“ ausgelobt. Hier ein Beitrag von Andrew Alberts.

Schon 2018 hatte der Bund Deutscher Architekten einen Wettbewerb mit dem Titel „Neustadt Berlin“ ausgelobt. Hier ein Beitrag von Andrew Alberts.

Foto: Andrew Alberts

Berlin. Im kommenden Jahr wird Groß-Berlin 100 Jahre alt. Vor einem Jahrhundert hatte der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (AIV) weit voraus geschaut und den historischen Zusammenschluss von acht Stadtgemeinden, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken zur Metropole Berlin zum Anlass genommen, einen Wettbewerb zur Gestaltung dieser neuen Mega-Stadt auszuloben. Nun soll der Auftrag an die Teilnehmer eines internationalen, interdisziplinären städtebaulichen Ideenwettbewerbs ähnlich revolutionär sein wie vor 100 Jahren: Gesucht wird nicht weniger als die Vision „Berlin-Brandenburg 2070“.

Ein Preisgeld von 300.000 Euro ist ausgelobt

„Wie vor 100 Jahren wollen wir einer breiten gesellschaftlichen Debatte über die Zukunft der Region weiteren Schwung zu geben“, sagte der Architekt und AIV-Vorstand Tobias Nöfer. Wie kann die stark wachsende Metropole in eine nachhaltige Zukunft geführt werden? Was sind die großen städtebaulichen Herausforderungen von Berlin-Brandenburg? Auf diese Fragen sollen die Wettbewerbsteilnehmer Antworten finden.

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Schirmherr des Wettbewerbs ist der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), in der Jury sind unter anderem Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) und Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) vertreten. Die Preisgelder betragen insgesamt 300.000 Euro. Das Vorhaben wird durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin sowie zahlreiche private und öffentliche Förderer unterstützt – darunter beispielsweise auch die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften.

Neben dem Städtebau-Wettbewerb ist auch eine Jubiläums-Ausstellung mit dem Motto „100 Jahre (Groß-)Berlin. Ein unvollendetes Projekt“ ausgelobt, zudem soll in begleitenden Kolloquien mit der Stadtöffentlichkeit über die weitere Entwicklung der stark wachsenden Stadt Berlin diskutiert werden.

Damalige Planer schauten 100 Jahre in die Zukunft

Das Ziel ist so ehrgeizig wie vor 100 Jahren: Wettbewerb, Ausstellung und Kolloquien sollen einen wichtigen Beitrag für die qualitative und nachhaltige städtebauliche Weiterentwicklung von (Groß-) Berlin liefern. „Nur auf den ersten Blick scheint das Jahr 2070 noch in weiter Ferne“, sagt Tobias Nöfer. Doch die damaligen Planer, deren Pläne die Blaupause für die Entwicklung der großstädtischen Infrastruktur, so wie wir sie heute kennen, geliefert haben, hätten sogar 100 Jahre in die Zukunft geschaut.

„Wir halten 50 Jahre für angemessen“, so Nöfer weiter. Es gehe nicht darum, Science Fiction mit Menschen in silbernen Astronautenanzügen und fliegenden Personentransportern zu zeigen, sondern Wege aufzuzeigen, wie die Stadt geregelt weiter wachsen könne. „Berlin wächst rasant, überall entstehen Wohngebiete, allerdings nicht unbedingt da, wo sie sinnvoll sind, sondern dort, wo gerade Platz und der Widerstand der Bevölkerung nicht so groß ist“, begründet er die Notwendigkeit.

Besonders froh sei er deshalb, dass der Wettbewerb die Unterstützung aller Parteien, der Bezirke und des Landes Brandenburg habe. „Denn natürlich hoffen wir, dass die Wettbewerbsergebnisse auch in die Planungen beider Länder einfließen“, ergänzte die Berliner Stadtforscherin und AIV-Mitglied Johanna Sonnenburg.

Für das Projekt haben die Initiatoren die Gesellschaft „Berlin 2020 gemeinnützige GmbH“ gegründet. „Wir sind der Überzeugung, dass wir die Großstadtregion von morgen nur mit vereinten Kräften lebenswert gestalten können: mit Berlin und Brandenburg, mit dem Senat und den Bezirken, mit der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft. Gemeinsam müssen und können wir heute die richtigen Weichen stellen“, so Tobias Nöfer.

Einfach den Speckgürtel zubauen reicht nicht

Jan Drews, Abteilungsleiter Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg, betonte, dass die Teilnehmer des Wettbewerbs zur Kenntnis nehmen müssten, dass Berlin nicht „in einem weißen Raum liegt“, sondern umgeben sei von selbstbewussten Gemeinden, die ins Boot geholt werden müssten.

„Aus unserer Sicht ist wichtig, dass der Sprung zu den sogenannten ,Städten in der zweiten Reihe’ gelingt, dass Luckenwalde, Luckau oder Eberswalde in den Fokus genommen werden“, sagte Drews. Nur den „Speckgürtel“ innerhalb des Autobahnrings einfach zuzubauen, sei kein Konzept. „Es geht darum, dass alle profitieren, das erwarte ich mir von dem Wettbewerb“, so der Abteilungsleiter.

Bis zum 27. September können sich Wettbewerbsteams registrieren, bis 11. November haben sie Zeit, ihre Entwürfe für die erste Phase des Wettbewerbs einzureichen. Die Jury wählt aus den Beiträgen die 20 besten aus, die in der zweiten Phase des Wettbewerbs bis zum 17. April 2020 ausgearbeitet werden sollen. Mit der Ausstellungseröffnung am 1. Oktober 2020 soll der Siegerentwurf präsentiert werden.

Anmeldefrist zum Wettbewerb: 27. September 2019 unter www.wettbewerbe-aktuell.de Weitere Informationen unter: www.bb2020.de.