Prozess

Mordfall Georgine: Jetzt reden die verdeckten Ermittler

Im Mordfall Georgine Krüger beginnen jetzt die Befragungen der Beamten, mit deren Zeugenaussagen die gesamte Anklage steht und fällt.

Ali K. soll Georgine Krüger vergewaltigt und erwürgt haben.

Ali K. soll Georgine Krüger vergewaltigt und erwürgt haben.

Foto: Davids/privat/BM Montage / BM

Im Prozess um den Mordfall Georgine Krüger sind bislang vor allem Polizei­beamte und Angehörige des Opfers als Zeugen gehört worden. Am Montag begann die mit Spannung erwartete Befragung des Beamten, der im Landeskriminalamt für die verdeckten Ermittler zuständig ist, denen der Angeklagte die Vergewaltigung und den Mord an Georgine Krüger gestanden haben soll. Mit den Aussagen dieser Ermittler steht und fällt im Wesentlichen die gesamte Anklage in dem Prozess

Detaillierte Beschreibung des Beamten

Detailliert schilderte der 51-Jährige Beamte, wie die Beamten vorsichtig, aber gezielt die Nähe zu Ali K. suchten, und es ihnen schließlich gelang, ein enges und vertrauensvolles Verhältnis zu dem Angeklagten aufzubauen. Für die Beamten wurde eine Wohnung in unmittelbarer Nähe der Wohnung von Ali K. angemietet, dann nahm der erste der verdeckten Ermittler Kontakt zu K. in dessen Stammcafé auf. Es dauerte nicht lange, dann war man per du, tauschte Handy-Nummern aus und verbrachte viel Zeit miteinander, unter anderem bei gemeinsamen Ausflügen und Grillabenden.

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In einem weiteren Schritt präsentierte der für den Erstkontakt zuständige Ermittler seine Freundin und Verwandte, die ebenfalls zu Freunden von K. wurden. Dass es sich bei all den Menschen, die plötzlich im Leben des Deutsch-Türken auftauchten um verdeckte Ermittler handelte, ahnte K. offenbar nicht, berichtet der „Tagesspiegel“.

Ali K. soll angeboten haben, die Freundin zu beseitigen

Im April 2018 startete die Polizei wieder einmal eine große Suchaktion nach der immer noch als vermisst geltenden Georgine Krüger. Für die Ermittler war das eine gute Gelegenheit, mit Ali K. über den Fall zu sprechen und „mal etwas auf den Busch zu klopfen“, wie es ein Beamter nannte. Dann, etwa drei Monate später nahmen die Ermittlungen Züge an, wie der Normalbürger sie eher aus dem Fernsehen kennt.

Einer der verdeckten Ermittler schilderte Ali K. im Vertrauen, seine Freundin gehe ihm gewaltig auf die Nerven, er könne sie aber nicht einfach abservieren, die Frau habe wegen einer alten Sache etwas gegen ihn in der Hand. Daraufhin soll Ali K. angeboten haben, die Freundin umzubringen, gegen entsprechende Bezahlung versteht sich. Es dauerte danach noch einige Wochen, dann wurde dieser Plan konkreter. Einer der Ermittler bot Ali K. 100.000 Euro für den Mord, ein Angebot das K. schließlich angenommen haben soll.

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Der Moment, in dem sich die beiden Männer „handelseinig“ wurden, war dem Zeugen zufolge auch der Moment, in dem Ali K. endlich über das sprach, was die Beamten als einziges interessierte. Menschen zu töten sei für ihn nicht neu, soll Ali K. gesagt und dann geschildert haben, wie er Jahre zuvor ein Mädchen aus der Nachbarschaft vergewaltigt und ermordet habe. Und wie er die Leiche entsorgt habe. Das Mädchen war Geor­gine Krüger.

Es klang ungeheuer spannend, was der Beamte am Montag als Zeuge aus­sagte. Das Gericht urteilt allerdings nicht danach, wie spannend, sondern wie glaubwürdig eine Aussage ist. Ali K. soll nach seiner Festnahme gegenüber Beamten der Mordkommission gesagt habe, die Geschichte über die Ermordung ­Georgine Krügers habe er erfunden, sie sei nichts weiter gewesen als ein Spaß. Es ist Sache der Staatsanwaltschaft und der Polizei, das Gegenteil zu beweisen.

Weiterer Beamter sollen aussagen

Die Befragung des ersten der in dem Fall eingesetzten verdeckten Ermittler war am Montag nur der Anfang einer Vielzahl weiterer Befragungen. Bereits am Mittwoch soll der nächste Beamte aussagen, voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wann die ­Audiomitschnitte präsentiert werden, in denen zu hören sein soll, wie Ali K. den Mord an Georgine Krüger gesteht, ist noch unklar.

Wie an jedem Verhandlungstag war auch am Montag Vesna Krüger, Georgines Mutter anwesend. Die Aussagen des verdeckten Ermittlers, die letztlich über den Ausgang des Prozesses entscheiden, verfolgte sie ohne erkennbare Regung.