Innere Sicherheit

In Berlin übernehmen Sicherheitsdienste immer mehr Aufgaben

70 Dienstleister waren für Behörden tätig. SPD-Innenexperte Tom Schreiber fordert mehr Personal für Polizei und Objektschutz.

Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma 2015 vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales in Moabit. Nicht immer ging es dort geordnet zu.

Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma 2015 vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales in Moabit. Nicht immer ging es dort geordnet zu.

Foto: dpa Picture-Alliance / Michael Kappeler / picture alliance / dpa

Berlin.  Die private Sicherheitsbranche boomt und das nirgendwo in einem Ausmaß wie in der deutschen Hauptstadt. Nirgendwo ist allerdings auch die Liste der Peinlichkeiten im Zusammenhang mit den privaten Security-Firmen so lang wie in Berlin. Und das liegt, wie könnte es in der Hauptstadt anders sein, am Geld. Gefragt sind die Unternehmen nicht nur bei Privatkunden, auch das Land Berlin bedient sich regelmäßig ihrer Dienste. Aus Unterlagen des Senats, die der Berliner Morgenpost vorliegen, hat das Land in den vergangenen zehn Jahren etwa 70 Millionen Euro für die Dienste privater Sicherheitsdienstleister ausgegeben. Die Firmen sichern Veranstaltungen, bewachen Gebäude oder sind für Kontrollmaßnahmen zuständig.

Dass die Branche dabei gewünschte Qualität geboten hätte, lässt sich bei oft nicht sagen. Vor allem in Bereichen, in denen nicht einfach nur Objekte bewacht werden, sondern mit Menschen umgegangen werden muss, ist es mehrfach zu Pannen und Skandalen gekommen. Die Liste ist lang. Auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) im vergangenen Jahr beispielsweise zogen mehrere arabischstämmige Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes grölend zum Stand des israelischen Tourismusverbandes, beschimpften deren Mitarbeiter und skandierten Schlachtrufe palästinensischer Terrororganisationen.

Unangenehme Szenen spielten sich auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 auch vor dem Gebäude auch vor dem Gebäude des Landesamtes für Gesundheit und Soziales in Moabit ab, wo ankommende Flüchtlinge registriert wurden. Mehrfach tauchten Videos auf, die zeigten, wie Security-Mitarbeiter Flüchtlinge misshandelten. Politiker und Branchenvertreter schieben sich nach solchen Vorkommnissen dann oft gegenseitig die Verantwortung zu.

In der Tat erfolgt die Auftragsvergabe durch Berliner Behörden oder landeseigene Betriebe auf der Basis des günstigsten Angebotes. Es ist mithin der Preis, der über den Auftrag entscheidet. Und da, so der BDSW-Sprecher, entscheide sich gerade das notorisch klamme Berlin zumeist für den günstigsten Anbieter. Die hätten dann aber oft keine Mitarbeiter, die zum Beispiel „Sicherheitsmanagement“ studiert haben, sondern meist nur welche, die eine kurze Schulung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) ohne Prüfung absolvierten. „Die sind am günstigsten, man darf aber auch nicht zu viel von ihnen erwarten“, sagte der BDSW-Sprecher dazu.

Security-Mitarbeiter beschimpften Israelis bei ITB

Knapp 70 Firmen waren in den vergangenen Jahren für landeseigene Behörden und Firmen tätig. Darunter große Unternehmen, deren Namen für Qualität und Zuverlässigkeit stehen. Das nütze allerdings wenig, berichtet ein Insider, wenn diese seriösen Firmen die Aufträge zwar erhalten, sie dann aber nicht selbst ausführen sondern an andere Firmen weitergeben, mit deren Seriosität es nicht weit her sei.

Das wurde auch in dem Fall deutlich, bei dem auf der ITB Israelis beschimpft und attackiert wurden. Die verantwortlichen Security-Mitarbeiter wurden fristlos entlassen, das Unternehmen entschuldigte sich ebenso wie die Verantwortlichen der ITB vielmals, der Imageschaden war trotzdem da.

Für den den SPD-Sicherheitsexperten Tom Schreiber, der sich seit Jahren mit diesem Thema befasst, gibt es eine ganz einfache Lösung. Sensible Objekte müsse Berlin wieder selbst sichern, fordert Schreiber. „Alles was wir dazu brauchen, sind mehr Personal und mehr Befugnisse für den Zentralen Objektschutz (ZOS) der Polizei“, sagte der Innenpolitiker der Berliner Morgenpost. Unterstützung erhält er dafür auch von den Polizei-Gewerkschaften.