Hansaplatz

Herde blökender Schafe zieht durch Berlin

Rund 250 Schafe sind am Sonntagnachmittag Richtung Hansaplatz gezogen. Darum ist die Herde in Berlin.

Die Schafe am Sonntagnachmittag im Tiergarten.

Die Schafe am Sonntagnachmittag im Tiergarten.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Mit einem Schafspaziergang durch Berlin haben Wanderschäfer am Sonntag auf ihre prekäre Situation aufmerksam gemacht. Knut Kucznik, Vorsitzender des Schafzuchtverbands Berlin Brandenburg, ließ rund 250 seiner Schafe im Tiergarten weiden, ab 14.30 Uhr zog er dann zum Hansaplatz.

Dort stellten Schäfer aus ganz Deutschland bei einer Kundgebung die positive Wirkung ihrer Arbeit vor, wie Kucznik erklärte. Fünf Schafe aus der Herde sollen nach der Kundgebung einen Monat auf dem Hansaplatz bleiben und von Schafpaten versorgt werden.

Viele Schäfer können nicht von ihrer Arbeit leben

Durch den sinkenden Wollpreis und fehlende staatliche Unterstützung können laut Kucznik viele Schäfer kaum von ihrer Arbeit leben. Schafherden werden in Deutschland vor allem zur Landschaftspflege von rund 430 000 Hektar Fläche eingesetzt. Sie erhalten dadurch Lebensräume für besondere Pflanzen und Insekten und verhindern eine Verwilderung der Flächen.

Auch für den Küsten- und Hochwasserschutz sind Schafe nützlich, etwa indem sie auf Deichen den Boden festtreten. Laut Kucznik verbinden die Schafe Biotope miteinander. Kleine Tiere wie Grashüpfer oder Schnecken, die sonst nicht auf andere Wiesen kommen, werden durch die Schafe verbreitet. Auch Pflanzensamen würden so verteilt. So werde die Artenvielfalt erhalten.

Wollkilopreis ist stark gesunken

Die Schur der Schafe, die früher eine große Einnahmequelle der Schäfer war, bringt inzwischen kein Geld mehr ein. Der Wollkilopreis sei so stark gesunken, dass die Schur mehr koste, als die Wolle einbringe, heißt es in der Mitteilung zu der Aktion. Laut Kucznik könnte die Wolle - neben der Textilproduktion - jedoch auch als ökologischer Dämmstoff, Pflanzsubstrat oder als Filter verwendet werden. Neben einem besseren Preis für ihre Produkte würde den Schäfern auch eine staatliche Kopf-Prämie für Schafe helfen, sagte Kucznik.