Stadtentwicklung

Milliarden-Investitionen: Signa kämpft um Karstadt-Häuser

3,5 Milliarden Euro will die Signa-Gruppe in Berlin investieren. Das größte Bauvorhaben soll am Herrmannplatz entstehen.

So soll die Rekonstruktion der historischen Karstadt-Filiale am Herrmannplatz einmal aussehen. (Simulation)

So soll die Rekonstruktion der historischen Karstadt-Filiale am Herrmannplatz einmal aussehen. (Simulation)

Foto: ChipperfieldArchitects

Berlin. Die Signa-Gruppe des österreichischen Unternehmers René Benko will in den kommenden Jahren 3,5 Milliarden Euro in Berliner Immobilien investieren. Das sagte der Chef von Signa Deutschland, Timo Herzberg, im Interview mit der Berliner Morgenpost. Die größten Vorhaben sind der Neubau von Karstadt am Hermannplatz, die Aufwertung des Karstadt-Gebäudes am Kurfürstendamm inklusive Hochhäusern und der Bau weiterer Wolkenkratzer am Kaufhof am Alexanderplatz.

Signa gehören europaweit Immobilien im Wert von 20 Milliarden Euro. Im Bestand befinden sich nach der Übernahme der Karstadt-Warenhäuser und der Fusion mit Kaufhof auch viele Einzelhandelsimmobilien in zentralen Lagen in Berlin, darunter das KaDeWe.

Deutschland-Chef Herzberg sagte, im Mittelpunkt stünden die Interessen der Warenhäuser, denen man eine möglichst langfristige Perspektive bieten wolle. Er sprach eine Bestandsgarantie für alle Kaufhäuser der Gruppe in Berlin aus. Auch während des Baus eines Hochhauses solle der Warenhausbetrieb weiterlaufen. „Der Kaufhof am Alexanderplatz ist zu 100 Prozent gesetzt, wie auch alle anderen Berliner Standorte“, sagte der Manager.

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Signa-Projekte in Friedrichshain: Hochhaus „Stream“ und Umbau für Zalando

Neben den drei Kaufhaus-Projekten ist Signa auch bei weiteren Bauvorhaben aktiv. So baut das Unternehmen den früheren Kaufhof am Ostbahnhof für den Online-Händler Zalando um. Für denselben Nutzer entsteht neben der Mercedes-Benz Arena das Hochhaus „Stream“. An der Schönhauser Allee entwickelt Signa ein neues Bürogebäude: „Wir wollen an der Entwicklung der Stadt mit bauen“, sagte Herzberg.

Um das Projekt für ein neues Karstadt-Haus am Hermannplatz hatte es zuletzt öffentliche Debatten gegeben. Der grüne Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt, hatte den Signa-Plänen eine Absage erteilt. Inzwischen ruderte Schmidt ein Stück zurück und ließ wissen, man werde weiter mit dem Investor reden. Signa legt nach den Worten seines Deutschland-Chefs Wert darauf, ein Projekt wie das am Hermannplatz gemeinsam mit Bürgern und dem Bezirk zu entwickeln.

Das derzeitige Warenhaus sei „überdimensioniert“ und halte modernen Anforderungen an ein kundenfreundliches Einkaufserlebnis nicht stand“. Die Energieeffizienz des Gebäudes aus den 70er-Jahren sei miserabel, sagte Herzberg: „Aber es bietet ein erkennbares Potenzial an dieser Stelle mit einem Neubau ein funktionierendes, gemischt genutztes, nachhaltiges Quartier entstehen zu lassen.“ Gedacht wird an ein Hotel, Büros, Wohnen, eine Kita, kleinteiliges Gewerbe, öffentlich zugängliche Flächen, eine Markthalle und andere Angebote.

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Signa spricht sich für Dialog mit den Bürgern aus

Herzberg sprach sich ausdrücklich für das auch vom Senat für Projekte dieser Größenordnung geforderte Dialogverfahren mit den Bürgern aus. Allerdings müssten solche Verfahren in einem überschaubaren Zeitraum stattfinden und dürften Projekte nicht unwirtschaftlich machen.

Signa bietet sich Berlin und anderen Städten als Partner für die Belebung der Innenstädte an. Mit ihren Projekten leiste die Firma dazu einen wichtigen Beitrag. Man wolle die Zentren, wo oft „Einkaufswüsten entstanden seien, wieder zu „Lieblingsorten“ machen. „Das gelingt nur durch Nutzungsvielfalt“, sagte Herzberg. Der Signa-Chef warb auch dafür, die Innenstadt stärker zu verdichten und Hochhäuser zu bauen. Leider finde die Diskussion um das Hochhausleitbild ohne die Investoren statt, kritisierte der Manager. Hochhäuser passten dorthin, wo auch die infrastrukturellen Voraussetzungen gegeben seien. Dazu zähle insbesondere eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Die wirtschaftlichen Perspektiven Berlins schätzt man bei Signa positiv ein. Es gebe viele Potenziale. Aber der Berliner Herzberg sieht auch Risiken in der Stadtentwicklung. Man müsse „den Charme und die Identität unserer Kieze bewahren“. Deshalb seien „die Leute schließlich irgendwann mal hierher gezogen. Alles kaputt zu gentrifizieren, kann nicht die Antwort sein“.