Geburtstag

Festakt für Alexander von Humboldt auf der Schlossbaustelle

Vor 250 Jahren wurde Alexander von Humboldt geboren. Auf der Schlossbaustelle feierte man ihn mit einem Festakt.

Am Freitag und am Sonnabend waren Teilbereiche des Humboldt Forums, hier das Foyer auf der Westseite, für die Öffentlichkeit zugänglich.

Am Freitag und am Sonnabend waren Teilbereiche des Humboldt Forums, hier das Foyer auf der Westseite, für die Öffentlichkeit zugänglich.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Vor etwas mehr als vier Jahren, am
12. Juni 2015, wurde an der Großbaustelle in Berlins historischer Mitte Richtfest gefeiert. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) verteidigte seine Idee, im Humboldt Forum eine Berlin-Ausstellung unterzubringen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sprach von einem neuen „Schloss zur Welt“. Manfred Rettig, damals Vorstand der Stiftung Berliner Schloss, verkündete, „Deutschlands prominentestes Kulturbauvorhaben“ sei „im Kosten- und Terminplan“. Und alle waren zuversichtlich: Pünktlich zu Alexander von Humboldts 250. Geburtstag, am 14. September 2019, würde das Haus der Öffentlichkeit übergeben werden können.

Im Schlüterhof werden die Wände verputzt

Daraus ist bekanntlich nichts geworden. Das Humboldt Forum kann – wenn denn alles gut geht – wegen verschiedener Probleme auf der Baustelle erst im kommenden Jahr und nur stufenweise eröffnen. Und so blieb es am Sonnabend bei einem vergleichsweise überschaubaren Festakt, den Hartmut Dorgerloh, der Generalintendant des Humboldt Forums, ausdrücklich nicht mit einer Eröffnungsveranstaltung verwechselt wissen wollte.

Um das zu glauben, reichte ein kurzer Gang durch die Räume: Im Rahmen der Feierlichkeiten zu Humboldts Ehrentag waren nur das große Foyer unterhalb der Schlosskuppel mitsamt den angrenzenden Ausstellungsräumen und das dahinter liegende Treppenhaus für Besucher zugänglich. Im Schlüterhof wurde immer noch verputzt, auch der Durchgang vom Schloßplatz zur Breiten Straße, eine kluge Idee des Architekten Franco Stella, durfte nicht betreten werden. Aber im Rahmen der Festtage gab es auch so genug zu sehen: In Kooperation mit dem Goethe-Institut waren für Freitag und Sonnabend rund 60 internationale Künstler und Experten eingeladen, der Schwerpunkt war Lateinamerika. Es gab Ausstellungen, Performances, Installationen, Musik, Vorträge, Gespräche und auch ein Familienprogramm.

Und eben den etwa einstündigen Festakt, dessen Rednerliste Überschneidungen mit dem Richtfest vor vier Jahren aufwies. Monika Grütters hob die Neugier des großen Forschungsreisenden Alexander von Humboldt hervor und seine Bereitschaft, sich dem Fremden, Unvertrauten vorbehaltlos zu nähern. Michael Müller würdigte Humboldt als „Denker und Vordenker der Globalisierung“, der trotz seiner universellen Bildung weder Dünkel noch Berührungsängste kannte. Mit Blick auf das nach ihm und seinem Bruder Wilhelm benannte Forum sagte Müller: „Wir laden die Welt in die Mitte unserer Stadt ein, mit uns zu lernen und zu staunen.“

Miruna Achim, die als Außerordentliche Professorin an der Universidad Autónomia Metropolitana in Mexiko-City unter anderem die Archäologie- und Wissenschaftsgeschichte Lateinamerikas erforscht, ließ ausgewählte Stationen von Humboldts Forschungsreise durch Amerika (1799–1804) Revue passieren und machte anhand verschiedener Objekte darauf aufmerksam, dass Humboldt nicht nur als Entdecker, sondern auch als begnadeter Netzwerker im beginnenden Wissenschaftsbetrieb verstanden werden muss – und so von bereits vorhandenen Sammlungen erheblich profitierte.

Hartmut Dorgerloh sprach auf dem Podium mit Anna Mallmann, die zu den Humboldt-Nachfahren gehört, im Schloss Tegel aufwuchs und mit ihrer Familie unter einem großen Gemälde mit Alexander von Humboldt ihr Frühstück einzunehmen pflegte. Sie plädierte dafür, „mutig zu sein, sich auszuprobieren, experimentelle Ideen zuzulassen“ und wünschte sich vom Humboldt Forum vor allem auch ein Angebot für junge Menschen – eine „zentrale Zielgruppe“, wie Dorgerloh mit Verweis auf die salsa- und sambatanzende Festtagsfraktion in der Nacht zuvor entgegnete. Und was würde Alexander von Humboldt heute tun? Dorgerloh vermutet, er würde twittern. Seine Nachfahrin Anna Mallmann fragte sich, ob er angesichts der weltweiten CO2-Belastung überhaupt noch auf Reisen gehen würde, vielleicht stattdessen ja in virtuellen Räumen. Mit der Präsentation einer vom Bundesfinanzministerium herausgegebenen 20-Euro-Gedenkmünze und einem Gruppenfoto endete die Veranstaltung.

Ein Ort des Austausches und der Entdeckungen

Wer sich rechtzeitig angemeldet oder Glück beim Einlass hatte, konnte am Sonnabend noch die Ausstellung im Schloss besichtigen, darunter das „Archivo Alexander von Humboldt“ des ecuadorianischen Multimediakünstlers Fabiano Kueva, der sich mit nachgestellten Fotos oder Dokumenten und auch mit viel Humor Fragen zur europäischen Erinnerungsfolklore und zum Kolonialismus widmet. Unter dem Motto „Die Natur der Dinge: Humboldt, Kommen und Gehen“ konnte man sich einen Eindruck machen, wie Humboldts Erbe in der zeitgenössischen Kunst Lateinamerikas fortwirkt. 360-Grad-Filme und Virtual-Reality-Projekte beschäftigten sich mit Humboldts Ehrgeiz, die Welt zu vermessen - und mit den Folgen.

Ein Ort des internationalen Austausches, der Entdeckungen über Kulturgrenzen hinweg – das, so haben es die vergangenen beiden Tage gezeigt, könnte das Humboldt Forum einmal sein. Wenn es denn wie geplant im Herbst kommenden Jahres klappt mit der Eröffnung. Aber da ist man ja zuversichtlich.