Veranstaltung

Taschenlampenkonzert: Großes Leuchten in der Waldbühne

Rumpelstil und US-Rapper Jacob Washington schaffen ein Konzert-Event für Familien.

Sie studierte Kunst, ist aber viel lieber Sängerin und Frontfrau der Berliner Band Rumpelstil:  Blanche Elliz.

Sie studierte Kunst, ist aber viel lieber Sängerin und Frontfrau der Berliner Band Rumpelstil: Blanche Elliz.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Das Taschenlampenkonzert ist Kult. Einmal im Jahr wird das große Leuchten in der Waldbühne zelebriert. Am Sonnabend ist es wieder so weit. Dann lädt die Berliner Band Rumpelstil zum 21. Mal dazu ein. Und Jörn Brumme wird wieder zum fröhlichen Funzeln auffordern, bis der Nachthimmel hell erstrahlt. „Jetzt viereckig! Achtung kreisrund“, heißt es dann. Die Zuschauer schwenken dazu die mitgebrachten Taschen, Fahrrad- und Stirnlampen in alle erdenklichen Richtungen.

Schon jetzt fiebern nicht nur die kleinen und großen Fans dem Event entgegen, sondern auch die Band. „Das kann man nicht erklären. Man muss es erleben, es ist galaktisch“, schwärmt Blanche Elliz. Sie ist die Frontfrau von Rumpelstil. Eine Schönheit mit knallrotem Haar und strahlendem Lächeln. Geboren in Amsterdam, hat sie ursprünglich Kunst studiert. „Eigentlich komme ich aber aus einer Sängerfamilie“, gesteht sie. Mit knapp 20 wurde sie bei einem Auftritt mit ihrer Band entdeckt, tourte danach unter anderem mit der niederländischen Gruppo Sportivo. 1996 zog sie nach Berlin, kam schnell zu Rumpelstil. Ist seither Sängerin der Band, spielt Akkordeon und komponiert Songs.

„Taschenlampen leuchten schöner als Handys“

Man spürt, dass sie sich gut aufgehoben fühlt bei ihren Mitstreitern Brumme, Max und Peter. Gitarrist Micha Ritter und Saxofonist René Decker kommen zu den Auftritten dazu. Aktuell sind Rumpelstil auf ausgedehnter Tournee, freuen sich aber schon sehr auf die Waldbühne. „Dort wollen wir mit einem Foto von uns und dem Publikum beweisen, dass Taschenlampen schöner leuchten als Handys“, verrät Blanche Elliz vorab. Für sie verbinden sich dabei Popkonzert und Taschenlampen-Lichtermeer zu einem Konzert-Event für Familien. Gespielt werden zu einem Drittel neue Songs, vor allem die Hits wie „Tansania“, „Wir sind hier“, „Max in Mexiko“ und selbstredend „Tausend kleine Taschenlampen“. In Berlin wird auch Jacob Washington mit dabei sein.

Den jungen US-Rapper haben Rumpelstil im letzten Herbst kennengelernt, als sie auf Einladung des Auswärtigen Amtes ein „Flashlight Concert“ in Los Angeles gaben. Und zwar im Greek Theatre, einer Freiluft-Arena, die kleiner ist als die Waldbühne, aber einen ähnlich hohen Stellenwert als Veranstaltungsort hat. „Das war ein Ritterschlag für uns. Wir haben auf Deutsch, Englisch und Spanisch gesungen“, sagt Blanche Elliz.

Die Songs auf Spanisch hatte die Band noch von einem Auftritt in Mexiko City im Repertoire. Viele ihrer Lieder haben sie allerdings eigens ins Englische übertragen. Wie den „Feuerwehr Song“. Für „Fire Fighters“ haben Rumpelstil jemanden in der Stadt der Engel gesucht, der mit ihnen auftritt. Und fanden Jacob Washington. „Eine Woche nach unserem Auftritt kam das Inferno nach L. A.. Die verheerenden Brände, denen auch das Haus von Thomas Gottschalk zum Opfer gefallen ist“, sag Blanche Elliz. Der Song ist für sie eine Ode an die tapferen Männer der Feuerwehr. Hier in Berlin und in den USA. Jacob Washington hat die gestandenen Musiker mit seiner Performance überzeugt. Dabei ist er eigentlich noch Student. „Aber auch ein fantastischer Rapper“, verrät die Sängerin.

Die Reise nach Kalifornien hatte noch einen kreativen Nebeneffekt: Die Band litt unter einem veritablen Jetlag und hat irgendwann angefangen, neue Songs zu schreiben. Das Ergebnis kann man sich auf dem aktuellen Album mit dem beredten Titel „Schlaflos in Los Angeles“ anhören. Darauf sind auch die Songs, die Rumpelstil im Greek Theatre gesungen haben.

Gleich zwei der Lieder setzen sich übrigens mit ungebremstem Medienkonsum auseinander. Durchaus kritisch, aber ohne moralisch erhobenen Zeigefinger, sondern mit einem gewitzten Augenzwinkern. „Das war für uns ein spannendes Thema, als wir nach Amerika kamen. In den USA kann man nicht von TV-Gewohnheiten sprechen. Dort läuft der Fernseher ständig. Kalifornien ist allerdings nicht repräsentativ. Dort leben viele gesundheits- und umweltbewusste Menschen. Ähnlich wie in europäischen Großstädten“, sagt Blanche Elliz.

„Seriengucken? Man wird asozial“

Das Serienjunkie-Phänomen ist ihr nicht unbekannt, obwohl sie ihm nichts abzugewinnen vermag: „Man wird gepackt von einer Serie, will alle Folgen sehen, schließt sich damit ein und wird asozial“, kommentiert sie lakonisch. Ein Dasein als Couch-Potato vor der Glotze war nie ihr Ding. „Ich habe eine Tochter, die mittlerweile 22 Jahre alt ist. Ihr wollte ich nie auf die Frage, was ich im Leben gemacht habe, antworten: Serien gucken. Das war für mich keine Option“, sagt sie. Ihrer Tochter hat sie nie verboten, Fernsehen zu gucken. Sie hat ihr aber von klein auf gute Alternativen geboten. „Wir haben viel gemacht. Waren in verschiedenen Museen, haben Freunde besucht, gebastelt und gemalt. Als Teenager war das TV nicht mehr so interessant für sie. Dann kam das Internet“, erzählt Blanche Elliz lachend. Also, auf keinen Fall vor der Glotze hocken, sondern lieber in die Waldbühne gehen und mit der Taschenlampe funzeln.

Waldbühne, Glockenturmstr. 1, Charlottenburg, 14.9. um 19 Uhr, Tickethotline 01806-777 111,Tickets Kinder bis 3 Jahre 6; Kinder von 4 bis 13 Jahren 21, ab 14 Jahren 28 Euro.