Verkehr

Wie gut fährt meine Regionalbahn? Nun gibt es ein Ranking

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg veröffentlicht jetzt monatlich ein Ranking für alle 41 Zuglinien der Region.

Eine Regionalbahn am Bahnhof Friedrichstraße. Das Ranking mit dem Titel „Qualität im Regio“ zeigt, welche Regionalbahnen besonders zuverlässig fahren und welche nicht.

Eine Regionalbahn am Bahnhof Friedrichstraße. Das Ranking mit dem Titel „Qualität im Regio“ zeigt, welche Regionalbahnen besonders zuverlässig fahren und welche nicht.

Foto: Katrin Lange

Berlin . Der Zug kommt zu spät, der Anschluss ist weg, der Ärger wieder groß. Dies ist der Alltag für Zehntausende Nutzer des Regionalbahnverkehrs in Berlin und Brandenburg. Wird sich beschwert, verweisen die Verkehrsunternehmen gern auf Ausnahmesituationen und einzelne Störungen. Die Kritik des Fahrgastes scheint da oft ins Leere zu laufen.

Doch wie ist die Lage auf meiner Linie wirklich? Antworten auf diese Frage geben Berichte des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Die Gesellschaft, der im Auftrag von Berlin und Brandenburg Verkehrsleistungen auf der Schiene bestellt und mit zweistelligen Millionenbeträgen im Jahr auch bezahlt, stellt bereits seit Jahren Zahlen zu Zuverlässigkeit oder Pünktlichkeit im Regionalverkehr zur Verfügung. Die Werte waren indes oft veraltet und wenig differenziert.

Für mehr Durchblick soll nun ein Ranking mit dem Titel „Qualität im Regio“ sorgen, das der Verbund auf seiner Webseite (www.vbb.de) veröffentlicht. Dabei wird das Angebot auf allen 41 Regionalbahnlinien in Berlin und Brandenburg differenziert bewertet. Veröffentlicht werden Jahres-, Halbjahres- und jetzt auch monatsaktuelle Daten. Dazu die Pünktlichkeit des gesamten Regionalverkehrs vom Vortrag (am 11. September lag diese bei 94,6 Prozent). Pro Jahr befördern die Regionalzüge im VBB-Gebiet 85 Millionen Fahrgäste, täglich gibt es dafür rund 1500 Zugfahrten.

„Wir möchten den Fahrgästen einen objektiven Blick auf die Verkehrsleistung der Nahverkehrszüge ermöglichen. Das Qualitätsranking zeigt, ob die Züge auf der eigenen, täglich genutzten Linie tatsächlich so pünktlich oder unpünktlich sind, wie es sich ‚anfühlt‘. Besonders freut es mich, dass wir nun mit monatlichen Daten so zeitnah über die Qualität jeder der 41 Linien im VBB-Land informieren können“, sagte VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel der Morgenpost. Dies würde Transparenz schaffen und die Eisenbahnverkehrsunternehmen motivieren, besser zu werden.

Vier Kriterien zur Bewertung des Fahrangebots

Hauptkriterien der VBB-Bewertung sind die Pünktlichkeit und die Kundenzufriedenheit (Bewertungsanteil je 30 Prozent). Unpünktlich ist laut VBB ein Zug aber erst, wenn seine Ankunft am Zielort fünf Minuten oder mehr vom Fahrplan abweicht. Die Kundenzufriedenheit wird bei regelmäßigen Befragungen nach dem sechsstufigen Schulnotenmodell ermittelt. Abgefragt werden Einschätzungen zu Sicherheit und Sauberkeit der Züge, aber auch zur Freundlichkeit des Personals und Information im Störungsfall. Die Zuverlässigkeitsquote (Wertungsanteil 20 Prozent) verrät, wie viele der auf der Linien vorgesehenen Fahrten auch tatsächlich stattfanden. Bei der Personalbegleitung (gleichfalls 20 Prozent) wird bewertet, ob die vorgegebene Zahl an Fahrgastbetreuern an Bord war.

Um einen Vergleich aller Linien untereinander zu ermöglichen, werden mittels eines Gewichtungsfaktor die Linien mit einfachen Rahmenbedingungen (zum Beispiele eine Strecke, die nur von einem Unternehmen befahren wird) abgewertet und Linien mit anspruchsvollen Rahmenbedingungen aufgewertet. Somit sei auch linienübergreifend eine gerechte Beurteilung der Qualität gewährleistet, heißt es beim VBB.

Das aktuelle Ranking zeigt: Die Lage ist differenziert. So gibt es keinen Anbieter, der derzeit vollends seine Kunden überzeugt. So liegt etwa die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) in der Juli-Bilanz mit ihren Linien RB60 (Eberswalde–Frankfurt/O.) und RB25 (Berlin Ostkreuz–Werneuchen) einerseits ganz vorn im Qualitätsranking, belegt aber mit der RB54 (Rheinsberg – Löwenberg) zugleich den letzten Platz. Was vor allem an der Pünktlichkeit der Züge liegt: Diese differiert zwischen 97,5 Prozent (RB25) und 78 Prozent bei der RB54 erheblich.

Mehr Fahrplanänderungen durch Baustellen

Auch der größte Anbieter im Regionalverkehr, die DB Regio Nordost, ist sowohl bei den Tops als auch den Flops mit dabei. Laut VBB überzeugte das Tochterunternehmen der bundeseigenen Deutschen Bahn im Juli mit ihrem Angebot auf dem Uni-Zubringer RB22 (Berlin-Friedrichstraße–Golm), liegt mit den Linien RE10 (Leipzig–Cottbus) und RB55 (Hennigsdorf–Kremmen) zugleich mit ganz hinten. Beim Sprechtag des Deutschen Bahnkunden-Verbandes (DBV) und des Berliner Fahrgastverbandes Igeb am Mittwoch räumten Vertreter der NEB und von DB Regio teils erhebliche Probleme im aktuellen Angebot ein. Vor allem die zuletzt stark gestiegene Zahl an Baustellen im Bahnnetz mache ihnen derzeit schwer zu schaffen. „Wir haben etwa vier Mal so viel Fahrplanänderungen durch Baustellen wie im Vorjahr“, konstatierte Jörg Werner, Geschäftsführer DB Nordost. NEB-Geschäftsführer Detlef Bröcker verwies auf erhebliche Probleme, noch geeignete Mitarbeiter zu bekommen. Dringend gesucht würden Bauplaner, Mitarbeiter für die Leitstelle und Triebfahrzeugführer. „Der Markt ist aber leergefegt“, sagte er. Gleichzeitig seien aufgrund von Zusatzbestellungen erhebliche Mehrleistungen zu erbringen.

Igeb-Sprecher Jens Wieseke sieht erhebliche strukturelle Probleme, die den regionalen Bahnverkehr derzeit massiv beeinträchtigen. Dazu gehörten Engpässe in der Infrastruktur, fehlendes Personal und zu wenig Fahrzeugreserven. „So lange diese Probleme nicht gelöst werden, bringt den Fahrgästen so ein Ranking relativ wenig“, so Wieseke.

Der Verkehrsverbund will sich von seinem Weg nicht abbringen lassen. Laut VBB-Sprecherin Elke Krokowski ist ein nach Linien differenziertes Ranking für die Berliner S-Bahn in Vorbereitung. Ein Termin stehe aber noch nicht fest.