Vorschlag

Hertha-Stadion an der Avus? Das schreiben Morgenpost-Leser

Berliner Architekten haben eine Idee für das Hertha-Stadion: die Nordkurve der Avus. Bei Lesern schlägt der Vorschlag hohe Wellen.

So könnte das Hertha-Stadion in der Avus-Nordkurve aussehen.

So könnte das Hertha-Stadion in der Avus-Nordkurve aussehen.

Berlin. Die Idee ist den Planern in einer „kreativen Pause“ gekommen. „Wir haben mittags zusammen gesessen und darüber nachgedacht, dass die Suche nach einem neuen Platz für das Hertha-Stadion doch eigentlich in die falsche Richtung läuft“, sagt Bernd Richter.

Der Berliner Architekt, Chef der BLR Projektplan Entwicklungsgesellschaft, und seine Mitarbeiter wollten jedoch nicht nur kritisieren, sondern mit einem guten Gegenvorschlag überzeugen. Und der liegt jetzt auf dem Tisch: „Das Hertha-Stadion mit dem vom Bundesligisten gewünschten Fassungsvermögen von rund 50.000 Zuschauern passt hervorragend in die Nordkurve der Avus“, sagt der Architekt. „Und es ist hoffentlich noch nicht zu spät, die Verantwortlichen von diesem Standort zu überzeugen“, fügt er hinzu.

Tatsächlich ist der Zeitpunkt gut gewählt. So wird zwar seit gut einem Jahr über einen möglichen Standort für ein neues Hertha-Stadion gestritten. Doch eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Lediglich der von Hertha BSC favorisierte Standort am Olympiastadion ist nach einer Absage von Sportsenator Andreas Geisel (SPD) endgültig vom Tisch. Die Verwaltung lässt aktuell vier Standorte prüfen, die allesamt in Tegel liegen. In sechs Wochen soll entschieden werden, ob eine von drei ausgewiesenen Flächen auf dem derzeitigen Flughafen-Gelände oder eine weitere gleich nebenan, auf dem Zentralen Festplatz östlich der Stadtautobahn A111, das Rennen macht.

Hertha-Stadion an der Avus wäre an den ÖPNV und die Messe angebunden

„Wir halten gar nichts von den Tegel-Standorten“, sagt Richter. Und das nicht nur, weil er persönlich für die Offenhaltung des Flughafens sei. Die Tegel-Orte seien vor allem deshalb problematisch, weil ihnen die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr fehlt – und weil ein Stadion auf dem vorgeschlagenen Flughafen- beziehungsweise Festplatz-Gelände keinen erkennbaren Mehrwert hätte.

Ganz anders dagegen der vorgeschlagene Standort in der Avus-Nordkurve. Die Fläche sei geradezu ideal für ein Stadion geeignet. „Sie liegt direkt am Autobahnkreuz Funkturm und ist fußläufig hervorragend an die S-Bahnstationen Messe Süd und Westkreuz angebunden“, sagt Richter. Lediglich eine neue Fußgängerbrücke oder ein Fußgängertunnel über den Messedamm und Avus beziehungsweise ein Fußgängertunnel zum S-Bahnhof Westkreuz müssten gebaut werden.

Avus-Nordkurve wird zurzeit als Lkw-Abstellplatz genutzt

Auch mit dem Auto sei das Areal gut zu erreichen. Die Zufahrt sei ja bereits vorhanden: Die Fläche wird als Lkw-Abstellplatz genutzt. Allerdings sollen unter dem Stadion nur Flächen für die Versorgungsfahrzeuge genutzt werden, schlägt Richter vor. Besucher sollten den öffentlichen Nahverkehr nutzen – oder die großen Parkplätze auf dem Messegelände an der Jafféstraße.

Beim Standort Nordkurve müssten zudem, anderes als beim Olympiastadion, keine Wohnhäuser abgerissen werden, und der Anschluss an die S-Bahn sei auch bereits vorhanden. „Zudem wird kein Anwohner vom Veranstaltungslärm gestört, denn hier wohnt keiner und es ist ohnehin laut“, resümiert Richter. Zudem gebe es hervorragende Synergieeffekte für die Messe Berlin. Mit einer Stadionüberdachung könnte die Arena, die ja lediglich an rund 20 Spieltagen von Hertha BSC genutzt werde, von der Messe für Großveranstaltungen genutzt werden.

Hertha-Stadion in der Nordkurve - Idee hat den Charme zu funktionieren

Auch städtebaulich habe ein Stadion in der Nordkurve Vorteile – es wäre weithin sichtbar und könnte so zu einem neuen Wahrzeichen Berlins werden. „Die Idee, die Arena in die Nordkurve zu bauen, erscheint auf den ersten Blick vielleicht schlicht – aber es hätte den Charme, dass es tatsächlich funktioniert“, ist Richter überzeugt.

Auch beim Landessportbund Berlin (LSB) zeigt man sich dem Vorschlag der Architekten gegenüber offen. „Der Senator hat ja gerade die Vorschläge Flughafen Tegel und Festplatz eingebracht“, so LSB-Präsident Thomas Härtel. Der Präsident des Landessportbundes hatte kürzlich selbst die Idee ins Rennen geworfen, die Fußballarena an Stelle des Kongresszentrums ICC zu errichten. Begründet hatte er dies mit der guten verkehrlichen Erschließung – und der Anbindung an die Messe.

Vergangene Woche jedoch hatte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) das ICC unter Denkmalschutz gestellt. „Damit hat sich dieser Standort erledigt“, sagt Härtel. Aber die Nordkurve ein paar Meter neben dem ICC sei eine interessante Idee. „Wenn die Nordkurve tatsächlich eine Option sein könnte, sollen wir das prüfen“, sagt Härtel.

Hertha-Stadion an der Avus-Tribüne: Das schreiben Morgenpost-Leser

Die Idee von Bernd Richter hat die Morgenpost-Leser zu etlichen Zuschriften angeregt. Eine Auswahl:

  • Eine gute, innovative und intelligente Idee ohne Verdrängungszwang anderer Projekte. Prüfen und machen. Ein Kompliment den Initiatoren und viel Glück. Gudrun Jahn
  • Als ich zuerst in einer kleinen Meldung davon gehört hatte, vermutete ich einen Witz. Nach jahrzehntelangen schlechten Erfahrungen mit dem BLR war mir alles, was mit Planung im Zusammenhang mit dem BLR zu tun hatte, suspekt. Doch diesen Vorschlag finde ich richtig gut. Ein Detail möchte ich aber noch anmerken: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“ Könnte man nicht auch noch die Parkplätze im danebenliegenden ICC für die Nutzung durch die Besucher des Stadions ertüchtigen? Zumindest so lange, bis eine an­dere Planung für dieses Areal baulich umgesetzt wird. Andreas Engel
  • Die Idee, ein Stadion an der Avus-Kurve zu bauen, ist sehr gut. Was wäre anson-sten mit dem Tempelhofer Feld? Die Zeit drängt, und eine Entscheidung wäre sinnvoll. Ernst Most
  • Wozu wieder Steuergelder für ein Stadion verplempern? Das Olympiastadion reicht und ist gut genug für Hertha. In Berlin gibt es wichtigere Dinge, die angepackt werden müssen. Wolf-Dietrich Braun
  • Ein sehr guter Vorschlag. Ein Stadion ohne ÖPNV-Schienenanbindung ist indiskutabel. Tegel hat diese nicht und wird sie aus planungsrechtlichen und Kostengründen auch in zehn oder mehr Jahren nicht haben. Der rot-rot-grüne Senat und der Regierende Bürgermeister Michael Müller müssen deshalb endlich aufwachen. Thomas Gertler
  • Die Idee ist wegen der Verkehrsanbindung besser als Tegel. Das sollte ernsthaft geprüft werden. Was ich nicht verstehe: Das Maifeld wäre doch ideal, Denkmalschutz hin oder her. Ein überwiegend ungenutzter großer Platz. Ansonsten wäre vielleicht auch der ehemalige Truppenübungsplatz in Lichterfelde Süd eine Alternative. Christian Krüger
  • Ich wäre über den Standort sehr erfreut, zumal Hertha auch seine Mitgliederversammlung früher im ICC veranstaltete und heute auf dem Messegelände stattfinden lässt. Also besteht eine Beziehung zu diesem Areal. Robert Stöcker
  • Das ist doch mal eine wirklich interessante Idee. Flutlichtspiele mit Blick auf den Funkturm an der zentralen Stelle. Man fährt auf der Avus rein nach Berlin und sieht bereits von Weitem den Funkturm links und das blaue Hertha-Stadion rechts: „Berliner, wat willste mehr.“ Uwe Schäfer
  • Der Standort wäre aus meiner Sicht ideal. Beim Lesen Ihres Artikels konnte ich gar nicht fassen, dass in Berlin jemand auf eine so intelligente Idee kommt. Leider kann ich mir aus genau diesem Grund (intelligente Idee, perfekter Standort) auch nicht vorstellen, dass der Senat sich für diese Variante entscheidet. Die vorgeschlagenen Standorte in Tegel haben mich allesamt schockiert: sinnloser Flächenverbrauch am ungeeigneten Standort. Daher schätze ich, dass sich diese Idiotie durchsetzen wird. Matthias Günther
  • Der Standort ist umsetzbar, erschlossen und ein Mehrwert für alle Beteiligten. Sebastian Schmidt
  • Hertha in Berlin zu halten und vor allem in Charlottenburg wäre eine gute Lösung. Idealerweise gibt es dort nur wenig Streitpotenzial. Nach dem Olympiagelände ist das der perfekte Standort. Justin Förster
  • Super Vorschlag. Mal sehen, was der Senat diesmal dagegen hat. Dirk Pätzold
  • Eine geniale Idee. Das ergibt viele Syn-ergieeffekte mit der Messe und ist in der Tat ein neues Wahrzeichen. Stefan Rosenkranz
  • Hertha BSC hat ein tolles Stadion, um das wir national und international beneidet werden. Die Stimmung im Stadion ist genauso gut wie in anderen Bundesligastadien, wenn nicht noch besser. Wenn Herr Preetz beklagt, dass das Stadion meistens nur zur Hälfte gefüllt ist, sollte er sich darum bemühen, zwei Dinge zu ändern: Erstens sollte Hertha einen attraktiveren Fußball spielen. Das heißt nicht, dass jedes Spiel gewonnen werden muss. Zweitens sollte sich Herr Preetz über die Eintrittspreise Gedanken machen. Wenn ich bei einem Spiel gegen Freiburg oder Mainz für einen vernünftigen Sitzplatz 50 Euro pro Person zahlen muss und dazu eventuell noch Getränke und eine Wurst kommen, ist das schon richtig teuer. Der eine oder andere wird dadurch abgeschreckt. Peter Fischbach
  • Eine hervorragende Idee, mit dieser innerstädtischen Brache ein Signalzeichen für die Stadt zu setzten. Und jetzt bitte noch ein guter Vorschlag für die Avus-Tribüne. Jonny Pienkny

Was halten Sie von der Idee? Oder haben Sie einen eigenen Vorschlag, wo Platz wäre für ein Fußballstadion? Schreiben Sie uns bis 20. September unter dem Stichwort „Hertha-Stadion“: Per E-Mail an aktionen@morgenpost.de, per Fax an die Nummer (030)8872 77967 oder per Brief/Postkarte an die Berliner Morgenpost, Redaktion Lokales, Kurfürstendamm 21, 10719 Berlin.