Ermittlungen

Falsche Polizistin verschaffte sich mit Härte mehr Respekt

K. sagt in Interview mit dem Ex-Polizisten Nick Hein, dass sie Zugriff auf einen Polizei-PC hatte.

So posierte die falsche Polizistin für ein Selfie.

So posierte die falsche Polizistin für ein Selfie.

Foto: Privat

Sie ist die bekannteste „Polizistin“ Deutschlands. Lara K. war jahrelang in Berlin als falsche Beamtin unterwegs, nahm an echten Einsätzen teil, fuhr in Streifenwagen mit. Anfang August dieses Jahres wurde sie Am U-Bahnhof Pankstraße in Gesundbrunnen von echten Beamten festgenommen und aus dem Verkehr gezogen. Nachdem die Berliner Morgenpost über den kuriosen Fall berichtet hatte, wurde er bundesweit zum Thema.

Nun hat Lara K. dem Ex-Polizisten und Kampfsportler Nick Hain ein ausführliches Interview gegeben, dass dieser auf seinem Youtube-Kanal veröffentlichte. In dem Beitrag nennt sich Lara K. nun Shirin K. Das Interview gab sie in Zivil in einem Straßencafé. Der Inhalt, sollten die Angaben stimmen, dürften für K. und einige Polizisten weitreichende Konsequenzen haben. Eine Polizeisprecherin sagte der Berliner Morgenpost, dass man bereits in Kontakt mit der Staatsanwaltschaft sei und das Video auswerte.

Youtube Falsche Polizistin

In dem Interview berichtet K. wie sie am S- und U-Bahnhof Neukölln einen Jugendlichen gepackt und „an die Wand geklatscht und angeschrien“ habe, nachdem er ihr auf den Po gefasst habe. Am Kottbusser Tor habe sie einem anderen Mann eine ganze Flasche Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Durch ihre harte Vorgehensweise habe sie sich mehr Respekt verschafft. Ein echter Kollege hätte bei diesem Vorgehen Disziplinarverfahren bekommen, sagte sie Hein in dem Interview.

K. berichtet, dass sie am Anfang Schiss gehabt habe, als Polizistin verkleidet durch Berlin zu laufen. Ihre Sachen habe sie sich über Kontakte und Webshops besorgt. Zu Einsätzen sei sie gekommen, weil man wisse, wo die „Hotspots“ in Berlin seien. Dazu zählten etwa der Alexanderplatz, der Bahnhof Zoo und Neukölln. Sie habe aber auch „Direktionsfunk“ mitgehört. Was genau sie damit meint, wollte K. in dem Interview nicht weiter ausführen.

K. war nach eigenen Angaben sogar auf der Schießanlage

Sie selbst habe sich immer als Beamtin aus dem Abschnitt 53 oder 56 ausgegeben. Sie sei auch mal auf der Schießanlage Wannsee gewesen. Ein guter Bekannter, der bei der Polizei ist, habe sie mitgenommen. Sie sei auch auf einem Abschnitt gewesen und habe an einem Polizeicomputer ins System gucken können. Sie bekräftigte auch, dass sie sogar Polizeiauto gefahren sei – obwohl sie keinen Führerschein habe. Das sei möglich gewesen, weil zwei Beamte mit ihr geflirtet hätten. Mit einem Berliner Polizisten habe sie auch ein Techtelmechtel gehabt, sagt sie. Sie sagt auch, dass sie schon Menschen festgenommen habe.

Für die Polizei, die immer noch an der Aufklärung des Falles arbeitet, ist das alles höchst unangenehm. Nicht nur muss die Behörde gegen K. ermitteln, sondern nun offensichtlich auch gegen mehrere Beamte aus den eigenen Reihen.