Polizei tötet 26-Jährigen

Nach Schüssen auf A10: Obduktion noch nicht beendet

Der Mann, der zuvor in Polen eine Frau erschoss, handelte womöglich aus verschmähter Liebe. Obduktionsergebnisse im Laufe der Woche.

Zwei Polizisten haben am Mittwochnachmittag einen 26 Jahre alten Polen auf der A10 an der Anschlussstelle Hellersdorf erschossen.  Nach bisherigen Erkenntnissen erschoss der junge Mann zuvor wohl aus verschmähter Liebe in der polnischen Stadt Gorzow eine 26 Jahre alte Ukrainerin.

Zwei Polizisten haben am Mittwochnachmittag einen 26 Jahre alten Polen auf der A10 an der Anschlussstelle Hellersdorf erschossen.  Nach bisherigen Erkenntnissen erschoss der junge Mann zuvor wohl aus verschmähter Liebe in der polnischen Stadt Gorzow eine 26 Jahre alte Ukrainerin.

Potsdam. Die Obduktion des mutmaßlichen Straftäters, der auf der A10 von Polizisten getötet wurde, ist noch nicht abgeschlossen. Mit Ergebnissen sei erst im Lauf der kommenden Woche zu rechnen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) am Mittwoch.

Mann zielte auf der A10 bei Berlin auf die Polizisten

Am 11. September 2019 hatten Beamte an der Autobahnanschlussstelle Hellersdorf einen zur Fahndung ausgeschriebenen roten Mazda mit polnischem Kennzeichen gestoppt. Der Fahrer, der allein in dem Wagen saß, soll mit einer Waffe „herumgefuchtelt“ und auf die Beamten gezielt haben, wie Polizeisprecher Herbst sagte.

Trotz mehrfacher Aufforderung habe er die Waffe nicht weggelegt. Beide Beamte haben laut Polizei daraufhin mehrfach auf den Mann geschossen und ihn tödlich verletzt. Der Mann feuerte nach bisherigen Erkenntnissen keine Schüsse ab.

Polizisten erschießen 26-Jährigen auf der A10 bei Berlin - der Fall in Kürze:

  • Zwei Polizisten haben am Mittwochnachmittag, den 11.09.2019 einen 26 Jahre alten Polen auf der A10 an der Anschlussstelle Hellersdorf erschossen.
  • Der 26-Jährige soll zuvor in der polnischen Stadt Gorzow eine 26 Jahre alte Ukrainierin per Kopfschuss getötet haben. Täter und Opfer sollen zuvor ein Paar gewesen sein.
  • Nach der Tat in Polen flüchtete der 26-Jährige in einem roten Mazda in Richtung Deutschland. Polnische Behörden hatten den Mann zur Fahndung ausgeschrieben und auch die deutschen Stellen informiert.
  • Die beiden Polizisten sind noch nicht wieder im Dienst. Gegen sie wird wegen Totschlags ermittelt - ein üblicher Vorgang, wenn Beamte im Dienst von ihren Schusswaffen Gebrauch machen und ein Mensch stirbt.
  • Im vergangenen Jahr erschossen Polizisten in Deutschland elf Menschen.

Die zwei Polizisten, die einen 26-Jährigen aus Polen auf der A 10 bei Berlin erschossen haben, sind noch nicht wieder im Einsatz. „Wir nehmen die Kollegen aus Fürsorgegründen weiter aus dem Dienst“, sagte Polizeisprecher Torsten Herbst am Freitag.

Ein Einsatznachsorgeteam betreue die Polizisten bei der Verarbeitung. Eine Situation wie am Mittwoch sei selten. „Wir setzen die Kollegen erst wieder ein, wenn eingeschätzt werden kann, dass sie die Geschehnisse verarbeitet haben.“ Für die Beamten sei der Schusswaffengebrauch im Dienst eine der schwierigsten Entscheidungen überhaupt. Den Waffeneinsatz durch die Polizisten auf der A10 bezeichnete Herbst als „absolut gerechtfertigt“.

26-Jähriger soll zuvor Ukrainerin in Polen erschossen haben

Nach bisherigen Erkenntnissen erschoss der junge Mann am Mittwoch zuvor wohl aus verschmähter Liebe in der polnischen Stadt Gorzow in einer Wäscherei eine 26 Jahre alte Ukrainerin. Vorläufige Ermittlungen zu dem Tötungsdelikt in Polen hätten ergeben, dass sich Täter und Opfer kannten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Gorzow. „Es gab wohl einen emotionalen Hintergrund für die Tat.“

Am Freitag wurde der Tote in der Gerichtsmedizin Potsdam obduziert, sagte Ricarda Böhme, stellvertretende Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), die die Ermittlungen übernommen hat. Das Ergebnis dauere in der Regel.

Ukrainerin starb durch Schuss in den Kopf

Bei der Waffe der Tat in Polen handele es sich um eine Vorderladerpistole, die sich der Mann in einem Laden besorgt habe. Diese Nachbauten historischer Handfeuerwaffen sind in Polen frei verkäuflich. Ob der Täter aus der Waffe einen oder mehrere Schüsse abgegeben habe, sei noch Gegenstand der Ermittlungen, hieß es.

Die Obduktion der toten Frau habe gezeigt, dass sie durch einen Schuss in den Kopf starb. Die Frage, warum der Mann nach der Tat Richtung Deutschland gefahren sei, sei noch nicht geklärt. Ob der Täter zuvor der Polizei bekannt war, konnte der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht sagen. Gorzow liegt etwa 80 Kilometer nordwestlich von Frankfurt (Oder).

Nach Angaben der polnischen Polizei hatte der bewaffnete Mann gegen 13 Uhr die Wäscherei in Gorzow in der polnischen Woiwodschaft Lebus betreten. Dort feuerte er auf die 26-jährige Ukrainerin. Wegen der Fahndung habe man alle umliegenden Polizeiwachen und auch die deutsche Seite informiert, zitierte die polnische Nachrichtenagentur PAP einen Sprecher der Lebuser Polizei.

Nach Stalking: Bezirksgericht Gorzow verurteilte den Mann zu Geldstrafe

Wie das Internetportal des Senders TVN24 unter Berufung auf eine Sprecherin des Bezirksgerichts in Gorzow am Donnerstag berichtete, hat der Täter sein späteres Opfer schon Monate vor der Tat massiv bedrängt. Demnach kannten sich die beiden schon länger und waren zwischenzeitlich auch ein Paar. Nach einigen Monaten habe die Frau die Beziehung abgebrochen. Anfang September habe das Bezirksgericht Gorzow dem Mann eine Geldstrafe in Höhe von 500 Zloty (115 Euro) auferlegt, weil er die junge Frau in sozialen Netzwerken belästigt habe, sagte die Gerichtssprecherin.

Der polnischen Zeitung "Gorzow Wyborcza" zufolge hat sich das Paar vor einigen Wochen getrennt. "Mitte Juni machte die Frau aus Angst um ihr Leben eine Anzeige bei der Polizei, weil der Mann sie schikanierte", heißt es in dem Bericht. Der Mann habe ihr diverse Nachrichten gesendet. Wie polnische Medien weiter berichten, soll es sich bei der Tat in der Wäscherei um eine gezielte Hinrichtung gehandelt haben: Der Mann habe die Wäscherei betreten und der Frau ohne Vorwarnung in den Kopf geschossen. Laut einem Sprecher der polnischen Polizei kannte der Mann die Räumlichkeiten der Wäscherei gut. Zeugen der Tat versuchten noch, die Frau zu reanimieren – vergeblich. Der Mann habe sofort die Flucht ergriffen.

In Brandenburg liefen am Donnerstag zunächst noch die Ermittlungen, um die Identität des Mannes zweifelsfrei festzustellen. Kriminaltechniker waren am Tatort bis etwa 3 Uhr in der Nacht im Einsatz gewesen. Die Waffen wurden untersucht und 3-D-Videografiken angefertigt, um das Geschehen rekonstruieren zu können. Der Wagen des Mannes wurde beschlagnahmt.

Polizisten erschossen im vergangenen Jahr elf Menschen

Im vergangenen Jahr erschossen Polizisten in Deutschland elf Menschen, wie aus Zahlen der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster hervorgeht. Für 2017 hatte die Hochschule noch 14 Fälle von tödlichem Schusswaffengebrauch gezählt.

Kriminalisten stellten an dem Fahrzeug des Verdächtigen drei Einschusslöcher fest. Die Ermittler suchen auch nach Zeugen des Vorfalls an der Autobahnanschlussstelle.

Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen gegen die Beamten ein

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) Ermittlungen wegen Totschlags gegen die beiden Beamten eingeleitet. Staatsanwältin Ricarda Böhme erklärte gegenüber der Berliner Morgenpost, dass dies ein üblicher Vorgang sei, wenn Polizisten im Dienst von ihren Schusswaffen Gebrauch machten und dabei ein Mensch ums Leben käme. Böhme erklärte weiter, dass die weiteren Untersuchungen eng mit den polnischen Behörden abgestimmt würden.