Schulen

Qualitätskommission untersucht Berliner Bildungssystem

Die Kommission wurde einberufen, weil die Berliner Ergebnisse der bundesweiten und internationalen Vergleichsstudien schlecht ausfielen

Blick in die Klasse einer Grundschule. (Symbolbild)

Blick in die Klasse einer Grundschule. (Symbolbild)

Foto: Arno Burgi / dpa

Besserer Unterricht, besser qualifizierte Lehrer und maßgeschneiderte Handlungskonzepte für jede einzelne Schule – das soll die Qualitätskommission in den kommenden Monaten leisten, die am Mittwoch zum ersten Mal tagte.

„Wir sind nicht zufrieden mit den Ergebnissen der Ländervergleiche und der hohen Abbrecherquote von Schülern“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nach der ersten Sitzung des neuen Gremiums. Im November soll die Kommission erste konkrete Ergebnisse, in neun Monaten ein Abschlussbericht vorliegen.

Dabei sollen vor allem die Deutsch- und Mathematikleistungen der Grundschüler verbessert werden, kündigte der Vorsitzende der Kommission, Olaf Köller, an. Köller ist Leiter der Abteilung Erziehungswissenschaft der Universität Kiel. Auch die Fragen, ob Grundschüler gut auf die weiterführende Schule vorbereitet oder ob Oberschüler fit für eine Ausbildung oder das Studium sind, sollen durch die Kommission analysiert werden.

Das Gremium soll konkrete Empfehlungen liefern

Einigkeit bestand auf der ersten Sitzung der Experten darin, dass vor allem die frühkindliche Bildung entscheidend für den Schulerfolg ist. „Beim Schuleintritt sind die sozialen und kulturellen Unterschiede schon vorhanden“, sagte Michael Voges, langjähriger Bildungsstaatssekretär in Hamburg, der die Arbeit der Kommission moderieren und koordinieren soll. Der Kommission gehören neben Köller und Voges sechs weitere Bildungsexperten aus ganz Deutschland an.

Kommentar: Berliner Schüler sollen besser lesen und rechnen lernen

Insgesamt hat die Kommission den Auftrag, das gesamte Berliner Bildungssystem zu untersuchen und am Ende Handlungsempfehlungen zu geben. „Das ist natürlich nur sinnvoll, wenn daraus auch konkrete Handlungen erfolgen“, sagte Kommissionschef Köller.

Erster Schwerpunkt: frühkindliche Bildung

Bildungssenatorin Scheeres hat die Kommission einberufen, weil die Berliner Ergebnisse der bundesweiten und internationalen Vergleichsstudien regelmäßig schlecht ausfallen. Vor allem in Deutsch und Mathematik hinken die Berliner Schüler hinterher. Das hat nach Angaben der Bildungsverwaltung vor allem mit der schwierigen sozialen Situation vieler Kinder zu tun. „Jedes dritte Kind wächst in Armut auf“, sagte Scheeres. „Das hat Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder und die Ansprüche an das Lehrpersonal.“

Anfang des Jahres hatte Scheeres bereits 39 Maßnahmen formuliert, die die Schulqualität verbessern sollen. Daraus machten die Bildungsexperten auf ihrer ersten Sitzung sechs Schwerpunkte, die nun nacheinander untersucht werden. Den Auftakt bildet die frühkindliche Bildung. Im Oktober treffen sich die Experten zur zweiten Sitzung. Insgesamt sind bis zu 20 Sitzungen geplant.

Mindeststandards beim Wissen nicht erreicht

Zuletzt war Berlin im Bildungsmonitor der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ vom August dieses Jahres im Bundesvergleich auf den letzten Platz gerutscht. Zwar liege die Zahl der offenen und gebundenen Ganztagsschulen mit fast 80 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt (nur 42 Prozent), doch offenbar werde an Berliner Schulen zu wenig gelernt.

Bei den Schülervergleichsarbeiten des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen erreicht zudem „ein relativ hoher Anteil der Schüler nicht die Mindeststandards“, heißt es im Bildungsmonitor. Bemängelt werden auch die Klassengrößen an Grundschulen, die höher sind als in vielen anderen Bundesländern. Auch bei der Schulabbrecherquote schneidet Berlin am schlechtesten ab. Mit 9,2 Prozent liegt sie deutlich über dem Bundesdurchschnitt (6,3 Prozent), bei ausländischen Jugendlichen erreicht diese Quote sogar 20,8 Prozent.

Deutlich mehr Geld für Bildung, aber wenig Fortschritte

Doch die Bildungsexperten der Kommission sehen weit weniger negativ auf das Berliner Bildungssystem, als die Untersuchungen erwarten lassen würden. „Wir treffen auf eine hohe Strukturqualität“, sagte Kommissionschef Köller. So habe Berlin seit Jahren das Angebot an Kitaplätzen ausgebaut, so dass der rechtliche Anspruch auf einen Kitaplatz hier besser umgesetzt werden kann als in anderen Bundesländern.

Jetzt komme es darauf an, die Bildungsergebnisse konkret zu verbessern. Geld allein spielt dabei offenbar eine untergeordnete Rolle. Als Scheeres vor acht Jahren ihr Amt antrat, standen im Bildungsetat 7400 Euro je Schulkind zur Verfügung. Jetzt sind es 9200 Euro – ohne dass sich das in den Ergebnissen der Vergleichsstudie bislang niedergeschlagen hat. Insgesamt hat sich der Bildungsetat in den vergangenen Jahren von drei auf fünf Milliarden Euro deutlich erhöht.

Für die FDP im Abgeordnetenhaus kommt die Initiative der Bildungsverwaltung zu spät. „Jede Maßnahmen sind zu begrüßen, wenn diese zur Verbesserung der Qualität an den Berliner Schulen beitragen“, sagte der bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Paul Fresdorf. „Jedoch zwei Jahre vor Ende der Legislaturperiode damit anzufangen, lässt sehr nachdenklich werden.“ Dem Senat sei der Lehrermangel, das Quer- und Seiteneinsteigerproblem, die hohe Schulabbrecherquote und die maroden Schulen seit vielen Jahren bekannt.