Bauarbeiten

Keine Regionalbahnen zwischen Zoo und Hauptbahnhof

Der Fern- und Regionalzugverkehr ist ab heute wegen Bauarbeiten unterbrochen. Einen Ersatzverkehr mit Bussen gibt es nicht.

Ab heute fahren keine Regionalbahnen zwischen Hauptbahnhof und Zoologischer Garten.

Ab heute fahren keine Regionalbahnen zwischen Hauptbahnhof und Zoologischer Garten.

Foto: Jessica Hanack

Berlin. Zehntausende Bahnpendler müssen sich wochenlang an neue Reisewege gewöhnen und teilweise deutlich mehr Fahrzeit einplanen. Auch für viele Berliner wird es eng. Denn vom heutigen Dienstag an ist die Stadtbahntrasse zwischen Hauptbahnhof und Bahnhof Zoologischer Garten wegen Brückenbauarbeiten für Fern- und Regionalzüge gesperrt. Und das bis zum 14. Oktober.

Während die Fernzüge mit geänderten Fahrtzeiten in die Tiefebene des Hauptbahnhofs umgeleitet werden, können die Regionalzüge nicht mehr durchfahren. Betroffen von der Sperrung sind mehr als zehn Verbindungen, darunter auch die beiden wichtigsten Regionalexpresslinien der Hauptstadtregion, der RE1 und RE2, sowie der Airport-Express zum Flughafen Schönefeld. Die Zugfahrten enden im Osten bereits im Hauptbahnhof (RE1, RE2, RE7) sowie im Bahnhof Friedrichstraße (RB14). Im Westen werden die Bahnhöfe Zoologischer Garten (RE1 und RE7) sowie Charlottenburg (RE2, RB14, RB21/22) zu Endstationen.

Die Sperrungen in Berlin im Überblick:

  • RE1 Magdeburg – Brandenburg – Potsdam – Berlin – Frankfurt (Oder) –Eisenhüttenstadt
  • RE2 Wismar – Wittenberge – Berlin – Cottbus
  • RE7 Dessau – Belzig – Berlin – Wünsdorf-Waldstadt
  • RB14 Nauen – Berlin – Berlin-Schönefeld Flughafen
  • RB21/22 Wustermark/Königs Wusterhausen – Golm – Potsdam – Berlin Friedrichstraße

Stadtbahntrasse für Fern- und Regionalzüge gesperrt - die Infos der Deutschen Bahn

Deutsche Bahn will keinen Ersatzverkehr mit Bussen einrichten

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Einen Ersatzverkehr mit Bussen will die Deutsche Bahn wegen der ungünstigen Straßensituation nicht einrichten. Einzig die S-Bahn kann auf der wichtigen Ost-West-Verbindung noch durchfahren. Bis zum 14. Oktober müssen die Reisenden dann sehen, wie sie in den schon unter normalen Bedingungen oft überfüllten Zügen mitkommen. Zusatzfahrten sind nicht geplant. „Wir fahren auf der Stadtbahn im Abstand von wenigen Minuten, mehr geht nicht“, sagte S-Bahn-Sprecherin Sandra Spieker der Berliner Morgenpost.

Die große Frage für viele Nahverkehrskunden wird allerdings sein, ob die Berliner S-Bahn ihr reguläres Angebot auch zuverlässig auf die Schiene bringen kann. Erst am Montagmorgen hatte es auf der Stadtbahn stundenlang Zugausfälle und Verspätungen gegeben. Auslöser war eine Stellwerksstörung im Bereich des Berliner Hauptbahnhofs. Zeitweise musste die S-Bahn ihren Zugverkehr zwischen Friedrichstraße und dem Bahnhof Tiergarten einstellen. Betroffen davon waren die Linien S3, S5, S7 und S9.

Da auch ein Ersatzverkehr nur sehr schleppend anlief, blieb vielen Reisenden nichts anderes übrig, als in die Regionalzüge umzusteigen. Eben in jene Züge, die ab Dienstag nicht mehr durchfahren können.

Kaum Betrieb an Infoschaltern - Pendler genervt

An den Informationsschaltern der Deutschen Bahn herrschte am Dienstagmorgen kaum Betrieb. Pendler zeigten sich genervt. "Die Regionalbahnen sind sowieso schon problematisch und jetzt noch die Umsteigerei, das ist absolut ätzend", sagt Frank P., der aus Beelitz kommt. Der Pendler muss nach Schönholz und dafür nun von der RE1 zur S-Bahn umsteigen, weiter bis Friedrichstraße und dann erneut umsteigen. Erst neulich hatte er Probleme damit, als die S-Bahnen zwischen Potsdam und Berlin nicht gefahren sind. Die Regionalbahnen, sagt er, seien vollkommen überfüllt gewesen, teilweise auch noch mit einem Waggon weniger gefahren. "Aber die Verspätungen und Zugausfälle ziehen sich das ganze Jahr durch", sagt er.

Bei Fahrgästen, die in Charlottenburg auf die Regionalbahn warten, herrscht derweil Verwirrung. Überall steht "Bitte nicht einsteigen!" Petra Nagel will nach Paulinenaue, muss dort auf ihre Enkelin aufpassen. Als schließlich eine Ansage für den RE2 in Richtung Wismar kommt, heißt es: 55 Minuten Verspätung. Nagel ist wegen der Sperrung bereits mit der S-Bahn von Ostkreuz nach Charlottenburg gefahren. "Eine Verspätung kommt ja öfter vor, aber an so einem Tag dann auch noch 55 Minuten. Das hatte ich noch nie", sagt sie.

Lage am Bahnhof Zoo ruhig

Am Bahnhof Zoologischer Garten war die Situation am frühen Morgen ruhig. Die Gleise der Fern- und Regionalzüge waren weitestgehend leer. Fahrgäste, die von der Sperrung überrascht wurden, schien es kaum zu geben. Einige Bauarbeiter begannen damit, erstes Material und Werkzeuge für die anstehenden Bauarbeiten auf die Bahnsteige zu bringen. Auch auf den Gleisen waren bereits Arbeiter unterwegs, die Vorbereitungen trafen.

Grund für die Sperrungen sind Arbeiten an den Brücken

Grund für die Sperrung der wichtigen Ost-West-Verbindung sind notwendige Arbeiten an den Brückenkonstruktionen im Bereich des Hauptbahnhofs. Diese sind zwar noch nicht einmal 15 Jahre alt, aber dennoch schon reparaturbedürftig.

Bereits kurz nach der Eröffnung der Strecke stellte sich heraus, dass die Konstruktionen, die die einzelnen, oft in Kurvenlage errichteten Brücken verbinden, den dort wirkenden Kräften nicht gewachsen sind. In den Fugen zwischen den Brücken brachen Schrauben ab, der Beton bröckelte.

Prototypen sollen östlich und westlich vom Hauptbahnhof eingebaut werden

Gemeinsam mit Experten der TU München hat die Bahn nun zwei Prototypen zum Ersatz der defektanfälligen „Fahrbahnübergangskonstruktionen“ entwickelt. Sie sollen während der fünfwöchigen Sperrpause an zwei Stellen östlich und westlich vom Hauptbahnhof eingebaut werden. Bewähren sie sich, sollen auch die übrigen 36 maroden „Fahrbahnübergangskonstruktionen“ schrittweise erneuert werden. Baubeginn dafür werde aber nicht vor 2023 sein, versicherten die Projektverantwortlichen der Bahn.