10. Geburtstag

Warum Ebay Kleinanzeigen inzwischen Kult sind

Millionen Deutsche nutzen Ebay Kleinanzeigen. Die mitunter skurrilen Konversationen sind inzwischen Internet-Hits.

Ebay-Kleinanzeigen-Chef Paul Heimann plant, dass die Nutzer Angebote künftig noch besser nach ihren Wünschen filtern können.

Ebay-Kleinanzeigen-Chef Paul Heimann plant, dass die Nutzer Angebote künftig noch besser nach ihren Wünschen filtern können.

Foto: Reto Klar / Funke Foto Service

Kleinmachnow. Wenn Ebay-Kleinanzeigen-Chef Paul Heimann (33) Besuchern seinen Arbeitsplatz zeigt, bleibt er in einem der Büros gerne mal vor dem großen, gelben Plastikbären stehen. Heimann erzählt dann auch die Geschichte, wie er und noch ein paar andere Kollegen vor zwei Jahren die Figur kauften. Das lief so: Während eines Events sollten unterschiedliche Teams möglichst kuriose Gegenstände über Ebay Kleinanzeigen kaufen. Das Budget betrug 30 Euro.

Heimann erwarb zusammen mit ein paar anderen Mitarbeitern den Goldbären-Aufsteller von einem Kiosk-Besitzer aus Prenzlauer Berg, der gerade seinen Laden auflöste. In Sachen Skurrilität wurden Heimann und sein Team damals allerdings überboten: Denn einigen Ebay-Mitarbeitern gelang es ein Skelett in Frauenkleidern zu ergattern. Die Gummibärenfigur hat Paul Heimann inzwischen in dem Großraumbüro aufgestellt, indem er selbst auch seinen Schreibtisch hat – gewissermaßen als persönliche Trophäe.

17 Millionen Fahrräder in zehn Jahren angeboten

Zum zehnten Unternehmensjubiläum, das an diesem Montag gefeiert wird, hat Ebay Kleinanzeigen selbst weitere Zahlen zum Kauf angebotener Artikel zusammengetragen: So wurden in zehn Jahren unter anderem 491 Pferdesolarien und 680.700 sprungbereite Trampoline offeriert.

Auf der Plattform konnten Fans der Filmreihe Star-Wars auch 4.455 Darth-Vader-Masken kaufen und fast 17 Millionen Fahrräder. Das Wort „Fahrrad“ zählt bei Ebay Kleinanzeigen übrigens zu den am häufigsten gesuchten Begriffen. Täglich stehen etwa 30 Millionen Artikel zum Verkauf. Vor sieben Jahren, als Paul Heimann als Entwickler bei Ebay Kleinanzeigen in Kleinmachnow anfing, lag die Zahl der täglich verfügbaren Anzeigen noch bei lediglich 400.000.

Heimann kann die Entwicklung des Portals auch an der Größe der Belegschaft an dem Standort nahe Berlin festmachen. „Ich war Mitarbeiter Nummer zwölf“, sagt er. Heute seien 120 Menschen bei Ebay Kleinanzeigen tätig. Mittlerweile werde darüber nachgedacht, wo die Beschäftigten auf dem Ebay-Campus im Gewerbegebiet Europarc Dreilinden noch untergebracht werden könnten, sagt Heimann bei einem Rundgang durch die vierte Etage des Gebäudes.

Hier, ganz oben sitzt Ebay Kleinanzeigen. Die Konferenzräume sind nach Erhebungen benannt, heißen Mont Blanc, Zugspitze oder auch Mont Klamott – wie der Trümmerberg im Volkspark Friedrichshain. Kleinanzeigen teilt sich das Gebäude mit der deutschen Ebay-Muttergesellschaft, die seit dem Jahr 2000 von Kleinmachnow aus ihre Geschäfte tätigt.

Ebay Kleinanzeigen auch in anderen Ländern

Der US-amerikanische Internetkonzern betreibt in mehreren Ländern Kleinanzeigen-Portale im Internet: In Australien, Großbritannien und Südafrika heißt ein ähnliches Angebot „Gumtree“, in Dänemark „BilBasen“ und in den Niederlanden schlicht „marktplaats“. Der deutsche Kleinanzeigenmarkt ging am 9. September 2009 aus dem Angebot „Kijiji“ hervor. Mittlerweile ist das Portal Deutschlands größter Marktplatz für gebrauchte Waren: Laut Ebay Kleinanzeigen besuche jeder zweite deutsche Internet-Nutzer das Portal regelmäßig.

Vor allem in den vergangen drei Jahren sei das Geschäft deutlich gewachsen, sagt Paul Heimann, der Ebay Kleinanzeigen seit Anfang des Jahres führt. „Die Bereitschaft der Muttergesellschaft zu investieren, ist gestiegen, weil man gesehen hat, dass wir als Business fest im Sattel sitzen“, erzählt Heimann. Dennoch gibt es immer wieder Gerüchte, dass der Ebay-Konzern nach einem Käufer für das Kleinanzeigenportal sucht. Ein Großunternehmen wie Ebay überprüfe regelmäßig sein Portfolio, sagt Heimann. Erst im vergangenen Monat hatte sich Ebay deswegen von dem Berliner Shopping-Club Brands4friends getrennt. Grund: Das Unternehmen passte nicht mehr zum Kerngeschäft von Ebay.

Vielleicht könnte auch die gestiegene öffentliche Wahrnehmung von Ebay Kleinanzeigen dazu führen, dass das deutsche Second-Hand-Waren-Portal im Konzern verbleibt. Denn Ebay Kleinanzeigen ist mittlerweile gewissermaßen Teil der deutschen Pop-Kultur. Im sozialen Netzwerk Facebook gibt es diverse Gruppen, die kuriose Chatverläufe zwischen Anbietern und Interessenten sammeln. Hunderttausende Nutzer reagieren mitunter auf die Postings. In unregelmäßigen Abständen schaffen es die lustigen, aber auch zum Kopfschütteln anregenden Konversationen sogar ins Fernsehen: Late-Night-Talker Klaas Heufer-Umlauf lässt Prominente in seiner Sendung gerne mal die Chatverläufe nachspielen. Kleinanzeigen Karaoke heißt die Rubrik, mit der Heufer-Umlauf dann die Sendeminuten füllt.

Ebay-Kleinanzeigen-Chef Heimann freut die Aufmerksamkeit. „Ich betrachte das als Auszeichnung für uns, gesellschaftlich so relevant zu werden, dass man in so vielen Formen aufgegriffen wird“, sagt er. Vor dem Hintergrund der Diskussionen um Klimaschutz und Nachhaltigkeit habe Ebay Kleinanzeigen aber auch eine ernsthafte Komponente. Es sei nicht nötig, stets alles neu zu kaufen, so der Kleinanzeigen-Chef mit Blick auf die zahlreichen gebrauchten Produkte, die auf dem Portal angeboten werden. „Second Hand ist nicht zweite, sondern erste Wahl. Das ist für uns der Kern unserer Vision. Den Rückenwind, den wir medial bekommen nehmen wir natürlich gerne mit“, sagt Heimann.

Kriminelle nutzen Ebay für ihre Geschäfte

Doch die gestiegene Reichweite von Ebay Kleinanzeigen bringt neue Gefahren mit sich. Auch Kriminelle nutzen das Portal verstärkt für ihre Geschäfte. Konkrete Zahlen nennt Ebay Kleinanzeigen zwar nicht. Aber immer mehr Nutzer melden verdächtige Anzeigen. Inzwischen hat sich die Zahl der Verdachtsmeldungen auf mehrere Tausend am Tag erhöht, bestätigt Paul Heimann. Die gemeldeten Inserate werden von Ebay-Mitarbeitern überprüft. Das Unternehmen hat aber auch technisch aufgerüstet, um mögliche kriminelle Anzeigen herauszufiltern und schnell zu löschen. „Wir stecken sehr viel Energie in das automatisierte Erkennen von potenziell kriminellen Angeboten“, sagt Heimann. Organisierte Kriminalität bringe das Portal auch zur Anzeige.

Der Ebay-Kleinanzeigen-Chef plant, nicht nur in Sachen Kriminalitätsbekämpfung weiter aufzurüsten. Heimann will auch, dass seine Nutzer Angebote künftig noch besser nach ihren Wünschen filtern können. Im Blick hat er vor allem die Immobilien auf dem Portal. Schon heute sei Ebay Kleinanzeigen mit etwa 160.000 Angeboten in dem Bereich die Nummer zwei in Deutschland, sagt Heimann. Nur auf Immobilienscout24 gibt es derzeit mehr Anzeigen für Häuser und Wohnungen.

„Wir professionalen unser Angebot immer mehr in Richtung des Immobiliengeschäfts“, sagt Heimann. Dabei sei es Ebay Kleinanzeigen auch wichtig, ein verlässlicher Partner für Makler zu sein. Das hat auch monetäre Gründe. Neben Werbung ist es vor allem das Geschäft mit der Vermittlung von Immobilien, das dem Portal verlässliche Einnahmen bringt. Denn professionelle Immobilienvermittler zahlen für die Anzeigen und auch die Reichweite auf Ebay Kleinanzeigen.

Kernbestandteil für den Erfolg von Ebay Kleinanzeigen blieben aber die Geschäfte zwischen den Nutzern, so Heimann. „Der Handel zwischen dir und mir ist elementarer Schwerpunkt auf Ebay Kleinanzeigen“, betont der Unternehmenschef. Paul Heimann verkauft das Produkt so gut, dass er auch seine Familie mit dem Kleinanzeigen-Virus angesteckt hat: Heimanns Vater habe sein Hobby Modelleisenbahn wiederentdeckt. Und sein Neffe kauft und verkauft dort vor allem kleine Spielzeugautos.