Funkausstellung

IFA Berlin: Zuhause ist da, wo mein Roboter ist

Die Internationale Funkausstellung zeigt, wie automatische Helfer jetzt auch den Haushalt erobern.

Besucher der IFA begutachten den Roboter „Pibo“. Die Schau findet noch bis zum 11. September auf dem Berliner Messegelände statt.

Besucher der IFA begutachten den Roboter „Pibo“. Die Schau findet noch bis zum 11. September auf dem Berliner Messegelände statt.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin. Kurz vor Beginn der IFA feierte die Bayer AG auf dem einstigen Schering-Gelände den Baustart einer 100 Millionen Euro teuren neuen Produktionsanlage. Darin sollen die sechsarmigen Roboterarme der japanischen Firma Denso Arzneimittel vollautomatisch keimfrei abfüllen. „Diese bahnbrechende Technologie wird in Zukunft der Industriestandard bei der Herstellung aseptischer Produkte, sie ermöglicht uns, innovative Medikamente schneller zum Patienten zu bringen“, so Bayers Pressesprecherin Lisa Hennig.

Robotisierte Produktionsanlagen gehören in der Industrie mittlerweile zum Arbeitsalltag. Doch auch zu Hause halten immer mehr Arbeitsroboter Einzug. Die Aufmerksamkeit der Messebesucher erregte der „iGlassbot W120-T“ der chinesischen Firma Mamibot aus Shanghai, ein etwa DIN-A4-Blatt-großer Scheibenreinigungsroboter. Für etwa 230 Euro über das Internet zu beziehen, saugt sich die dritte Generation des elektronischen Scheibenreinigers am Glas fest und reinigt es ohne weiteres Zutun.

Bekannt und besonders bei jungen, besser verdienenden Singles beliebt sind Staubsaugrobotoren. Über 25 Jahre Erfahrung verfügt die Firma iRobot aus den USA, die auf der IFA ihr neues Top-Produkt, den kreisrunden „iRobot Roomba 9 S+“ vorstellte. Ausgestattet mit zwei breiten Gummibürsten, verfügen die Geräte nicht nur über eine enorme Saugkraft. Eine Vielzahl an Kameras und Sensoren sorgen zudem mit der eigens entwickelten Software dafür, dass das Gerät binnen kurzer Zeit das Zuhause kennenlernt.

Mithilfe einer App kann man den Sauger auch von unterwegs steuern. Mit einer Reinigungsstation, in der sich der Sauger bis zu 30-mal leert und bei niedrigem Akkustand wieder auflädt, hat die Bodenreinigung durchaus ihren Preis: 1499 Euro. Für noch einmal 699 Euro bietet die Firma den viereckigen Wischroboter „iRobot Braava jet m6“ an. Die Saug- und Wischroboter arbeiten selbstständig zusammen – sie saugen und wischen nacheinander und automatisch, ohne dass der Nutzer eingreifen muss.

Geplant sind unterstützende Lehrkräfte für Hochschulen

Auch im Kinderzimmer halten Roboter Einzug, weniger zum Spielen als vielmehr im Bereich didaktische Helfer. Die spanische Firma Ebotics stellt zum zweiten Mal auf der IFA ihre Baukastensysteme vor, mit denen Kinder und Jugendliche schrittweise kleine Roboter bauen, die mit immer neuen Teilen zu komplizierteren Maschinen erweitert werden können. „Wir verbinden bei unseren Produkten die Arduino-Bauteile mit unserer Software“, sagt Verkaufsleiter Lluis Molas. Er betont die niedrigen Kosten des Systems, sie beginnen bei 25 Euro und gehen bis maximal 200 Euro.

Ebenfalls im Bildungsbereich werden die kleinen Roboter von Leju Robot aus dem chinesischen Shenzhen eingesetzt. Beim ersten Besuch vor drei Jahren stellte Allen Zhao das etwa 40 Zentimeter große Modell „Pando“ vor. „Damit können Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 13 Jahren lernen, wie man kleine Programme erstellt, das Smartphone optimal nutzt und vieles mehr“, führt der 32-Jährige aus. Vergangenes Jahr kam der 50-Zentimeter große Roboter „Aelos“ dazu, der für die Mittelstufe von 13 bis 17 Jahren gedacht ist. Nächstes Jahr will Zhao mit seinem Team in Berlin oder in Las Vegas, je nachdem wie schnell die Entwickler arbeiten, den menschgroßen Roboter „Tolas“ vorstellen. „Der kann als helfende Lehrkraft an Hochschulen und Universitäten eingesetzt werden“, so Allen Zhao. Die kleinen Modelle kosten um 400 und 500 Euro.

Einige Androiden tun Körper und Seele von Senioren gut

Ein vergleichsweise preiswertes und für Menschen, die viel im Sitzen arbeiten, nützliches Gerät entwickelte die Ulmer Firma beurer zusammen mit dem Berliner Start-up 8sense. Der am Kragen befestigte „PC 110“ Clip stellt mittels Mikroscanning fest, wenn man zu lange in eintöniger Sitzposition verharrt. Dann vibriert der Clip. Eine App auf dem Smartphone hilft mit einem Haltungstrainer, ein dynamisches Sitzverhalten zu erlernen, Preis: rund 100 Euro.

Das Unternehmen medisana aus Neuss stellte auf der IFA den „Home Care Robot“ vor. Der etwa 110 Zentimeter große Roboter soll das Leben einfacher, sicherer und bequemer machen, laut Projektmanager André Lehnen stellt er „eine große Hilfe für ältere Menschen und deren Angehörige dar“.

Der Roboter kann den Menschen nicht nur in der Wohnung folgen, solange keine Treppen oder Stufen überwunden werden müssen, er bietet auch wichtige Funktionen für die Gesundheitsvorsorge. So sammelt die integrierte VitaDock+ App gemessene Werte wie Blutdruck, Blutzucker, Gewicht, Puls oder Sauerstoffsättigung, erinnert an ihre Messung und sendet diese auf Wunsch an den Hausarzt. Im Frühjahr 2020 soll der fürsorgliche Roboter für rund 3000 Euro auf den Markt kommen.

Exotisch wird es am Stand der japanischen Firma Yukai aus Tokyo. Der kreisrunde „Qoobo“-Roboter hat nicht nur ein weiches Fell, sondern wackelt bei Berührung auch mit dem Schwanz. Irgendwie traurig, aber wenn man sonst niemand zum Streicheln hat.