Vier Tote bei SUV-Unfall

Unfall Invalidenstraße: "Es hätte auch uns treffen können"

Nach dem tödlichen SUV-Unfall in Mitte ist die Anteilnahme groß. Auch Kinder kommen zum Unfallort und trauern um ihren Spielkameraden.

Berlin. Am Vormittag nach dem Unfall eines SUV in Mitte mit vier Toten kniet vor den Blumen an der Acker-, Ecke Invalidenstraße ein Mann in grauer Windjacke. Seine Augen blicken starr auf den umgerissenen Ampelmast, dann auf die kleine und schon leicht überwucherte Brachfläche, auf der der der Porsche nach der Todesfahrt zum Stehen kam. Dann überkommt ein Zucken den Körper des Mannes und er beginnt zu weinen.

Ein Frau und ein weiterer Mann, auch sie kämpfen mit den Tränen, umarmen ihn. Doch echten Trost gibt es nicht, es kann ihn nicht geben. Nicht in diesem Moment, nicht an diesem Ort, jedenfalls nicht für den Mann mit der grauen Windjacke. „My brother‘s boyfriend“ (der Partner meines Bruders), sagt er nur und deutet auf die Stelle, an der der Porsche auf den Bürgersteig gefahren sein muss. Verlobt seien sie gewesen und hätten bald heiraten wollen. Dann versagt ihm die Stimme und er sackt erneut vor dem Blumenmeer zusammen.

Auch die Polizisten wirken tief erschüttert

Wenig später nähern sich der Unglücksstelle zwei Frauen. Sie tragen ihre Arbeitskleidung des in der Ackerhalle gelegenen Rewe-Marktes, der nur wenige Meter entfernt liegt. Sie legen Blumen nieder, sagen: „Es hätten doch auch unsere Kunden sein können.“ Eine ältere Dame stellt sich zu ihnen und sagt: „Ich laufe hier fast jeden Tag lang, wenn ich meinen Enkel abhole. Gestern waren wir hier eine Viertelstunde, bevor der Unfall passierte. Wenn ich etwas früher dran gewesen wäre, hätte es vielleicht auch uns getroffen.“

Auch zwei Polizisten, die die Trauer der Angehörigen und der Anwohner aus angemessener Entfernung begleiten, wirken angefasst. Der Dienst an Unfallorten gehört für sie zur Routine. Aber auch sie, so erzählen sie, würden diesen Tag nicht so schnell vergessen. Denn zur Unglücksstelle kommen auch immer wieder kleine Kinder, drei oder vier Jahre alt vielleicht. Sie klammern sich an den Händen ihrer Eltern fest, legen Blumen nieder, weinen hemmungslos, können sich kaum auf den Beinen halten. Sie anzusprechen, verbietet sich. Aber es liegt nahe, dass sie den getöteten drei Jahre alten Jungen, der dem Zwei-Tonnen-Koloss nicht mehr ausweichen konnte, kannten. Nun ist ihr Spielgefährte tot.

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