Pflege in Berlin

Senat bringt Pflegedialog mit Bürgern auf den Weg

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Nun sollen die Berliner über Betreuung mitreden können.

Ein Bewohner einer Demenz-WG. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt

Ein Bewohner einer Demenz-WG. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt

Foto: Ina Fassbender / dpa

„Pflege ist kein Thema, das nur alte Menschen betrifft; es gehört in die Mitte der Gesellschaft“, stellt die Berliner Pflegesenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Freitagvormittag klar. Immer mehr Berliner würden künftig mit dem Thema Pflege zu tun haben. Aktuell zähle der Senat rund 136.000 betreuungsbedürftige Menschen in der Hauptstadt, bis zum Jahr 2030 rechne er mit rund 170.000.

Die Dringlichkeit der Problematik würde allerdings nur am Rande wahrgenommen, insbesondere junge Menschen würden sich nur unzureichend mit dem Thema Pflege auseinandersetzen, sagt Kalayci. Darauf will die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung nun mit dem Bürgerdialog 2030 reagieren – und zwar mit pinken Körben. „Du kannst alles werden – auch Pflegefall“, steht weiß auf pink auf den Postkarten, die zur Ausstattung des sogenannten Dialogkorbs gehören. Diese sollen Menschen einladen, ins Gespräch darüber zu kommen, wie Betreuung besser werden kann.

Anschließend sind Teilnehmer dazu aufgerufen, ihre Wünsche, Ängste und Forderungen aufzuschreiben und in die Wunschbox einzuwerfen, die zum Korb gehört. Der Dialogprozess solle von einem Prinzip der Multiplikation profitieren: Jeder sei dazu aufgerufen, Gespräch und Korb in seinen Kiez, sein Zuhause oder an seinen Arbeitsplatz zu tragen, erklärt Kalayci. Sie spricht von einem Bürgerbeteiligungsverfahren, das sowohl analog als auch digital über die Website mein.berlin.de geführt werden solle. Den Bürgern komme damit eine Partnerrolle im Ausgestaltungsprozess von Hilfsstrukturen und Leistungsangeboten zu.

Anliegen der Berliner sollen gehört werden

Das bis November 2020 angedachte Dialogverfahren solle im Anschluss ausgewertet werden, heißt es seitens der Senatsverwaltung. Die Ergebnisse würden dann anhand eines Bürgergutachtens verschriftlicht und an die zuständigen politischen Instanzen weitergereicht. Die Anliegen der Berliner fänden anschließend Eingang in die Planung zukünftiger Maßnahmen der Pflegepolitik, so Dilek Kalayci. Damit werde eine Schnittstelle zwischen Stadtgesellschaft und Politik geschaffen. Um das Engagement der Berliner zu fördern, ist auch eine Werbekampagne samt Film produziert worden, die mit Beginn des Dialogs stadtweit in Erscheinung treten solle.

Vorgestellt werden soll diese im Rahmen der Auftaktveranstaltung zum Dialog Pflege 2030 am 19. September. Dann wollen Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Pflegesenatorin Kalayci den Startschuss geben, um mit Bürgern darüber ins Gespräch zu kommen, wie wir uns in Zukunft umeinander kümmern sollen.