Motorrad

Spandauer BMW-Werk feiert 50. Geburtstag

Im September 1969 lief am Juliusturm das erste Motorrad vom Band. Seitdem haben sich die Kapazitäten am Standort verfünfzigfacht.

Motorräder vom Fließband: Blick ins Berliner Werk.

Motorräder vom Fließband: Blick ins Berliner Werk.

Foto: dpa Picture-Alliance / Jörg Carstensen / picture alliance / dpa

Berlin. „BMW“ steht zwar nicht für „Berliner-“ sondern für „Bayerische Motoren Werke“. Wenn man aber an die Motorradsparte des Unternehmens denkt, könnte man sich da beinahe unsicher sein. Denn seit genau 50 Jahren wird fast alles, was zwei Räder hat und das blau-weiße Logo trägt, in Spandau produziert. „Im September 1969 lief mit der BMW R 60/5 das erste komplett im Werk Berlin gefertigte Motorrad vom Band“, sagt Werksleiter Helmut Schramm. Ein halbes Jahrhundert und über drei Millionen Maschinen später habe sich der Standort zu einem der modernsten in der Motorradindustrie entwickelt.

Im vergangenen Jahr wurden 130.000 Maschinen gebaut

Vor 50 Jahren fing alles noch klein an. Täglich gingen 30 Maschinen vom Band, die in Handarbeit gefertigt wurden. Im gesamten Jahr 1969 zählte das Unternehmen 2645 fertiggestellte Motorräder. Seitdem hat sich die Produktionszahl verfünfzigfacht. Insgesamt 130.566 Einheiten wurden laut BMW im vergangenen Jahr in Spandau gefertigt. Das sind bis zu 800 pro Werktag. Im April 2019 lief die dreimillionste Maschine vom Band. Seitdem dürften noch einmal 60.000 bis 70.000 hinzugekommen sein.

Und auch die Mitarbeiterzahl ist seit 1969 deutlich angewachsen. So waren es vor 50 Jahren rund 400. Heute zählt das Werk circa 2100 Beschäftigte aus 22 Nationen. Hinzu kommt laut Unternehmen ein erweiterter Kreis von Dienstleistern und Kräften für Produktionsspitzenzeiten vor allem zu Saisonstart, so dass insgesamt bis zu 3000 Menschen in Spandau beschäftigt sind. Damit sei BMW ein wichtiger industrieller Akteur in der Stadt, sagt Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). „50 Jahre Motorradproduktion in Berlin stehen für 50 Jahre technische Innovation und Qualität.“

Die Werksflächen am Juliusturm gehören BMW seit 1939. Damals kaufte das Münchner Unternehmen das Gelände von den Brandenburgischen Motorenwerken und baute dort zunächst Flugmotoren. Ab 1949 wurden in Berlin einzelne Komponenten wie Rahmen oder Bremsscheiben gefertigt und zum Stammwerk nach München geliefert. Dort wuchs gleichzeitig die Pkw-Produktion und der Platz wurde knapp. Daher entschloss sich das Unternehmen Ende der 60er-Jahre, die Motorradproduktion vollständig nach Berlin zu verlegen. Durch Zukauf sind die Flächen in Spandau mittlerweile auf 230.000 Quadratmeter gewachsen.

E-Scooter-Sparte sollweiter ausgebaut werden

Im Werk werden 25 verschiedene Modelle gebaut. Demnächst soll mit dem R18 „Big Boxer“ ein weiteres hinzukommen. Seit 2014 gehen auch elektrische Motorräder vom Band. Von anfänglich 1000 hat sich die Gesamtzahl im vergangenen Jahr laut BMW auf 2000 verdoppelt. Die Hälfte davon seien laut BMW nach Frankreich geliefert worden. Die E-Scooter-Sparte solle perspektivisch weiter wachsen.

Das Unternehmen sei auf Wandel und neue Herausforderungen, die urbane Mobilität und die Verkehrswende mit sich bringen, bestens vorbereitet, sagt Wirtschaftssenatorin Pop. „Ich freue mich sehr, dass die Innovationskraft und Zukunftsorientierung von BMW sich nicht nur auf Motorräder erstreckt, sondern dass auch Umweltschutz fest zum Unternehmensleitbild gehört.“

„Wir haben viel Kompetenz am Standort. Darauf sind wir sehr stolz und das wollen wir feiern“, sagt Werksleiter Schramm. Dazu soll es am heutigen Sonnabend ein großes Fest für Mitarbeiter, ihre Familien und Freunde geben. Es steht unter dem Motto „50 Jahre Taktjefühl“, denn die einzelnen Stationen am Montageband nennen sich „Takte“. 13.000 Besucher werden erwartet.