Kriminalität

Zehn Prozent mehr Wohnungseinbrüche in Berlin

Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang registrierte die Polizei im ersten Halbjahr dieses Jahres wieder deutlich mehr Delikte.

Ein Einbrecher in Aktion. (Symbolbild)

Ein Einbrecher in Aktion. (Symbolbild)

Foto: Silas Stein / dpa

Die Zahl der Einbrüche in Wohnungen und Einfamilienhäuser ist nach einem Rückgang in vorherigen Jahren wieder deutlich gestiegen. Die entsprechenden Zahlen teilte die Berliner Polizei auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit. Die Polizei registrierte demnach im ersten Halbjahr dieses Jahres knapp 4100 sogenannte Wohnraumeinbrüche. Das sind rund 350 Fälle mehr als im Vergleichszeitraum des Jahres 2018 und entspricht einem Anstieg von rund zehn Prozent.

Während die Zunahme der Einbrüche in Villen und Einfamilienhäuser mit einem Anstieg von 13 auf nunmehr 852 Fälle überschaubar ausfiel, ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Mehrfamilienhäuser mit einem Plus von knapp 340 umso deutlicher. Laut Polizei stiegen die Zahlen vor allem in den Wintermonaten dieses Jahres. In den Monaten April bis Juni sei dagegen ein rückläufiger Trend erkennbar gewesen. Zwischenzeitliche Anstiege ließen sich auf „reisende Tätergruppierungen“ und Einbruchsserien mit mehreren Einzeltaten zurückführen. Generell seien die dicht besiedelten Viertel in der Innenstadt ganzjährig oder in den Sommermonaten, die eher mit Einfamilienhäusern bebauten Außenbezirke dagegen eher in der dunklen Jahreszeit betroffen.

Das Thema Wohnungseinbrüche hatte die Polizei vor allem in den Jahren 2015 und 2016 beschäftigt. Wie in anderen deutschen Städten war die Zahl der registrierten Fälle auch in Berlin stark angestiegen. Im ersten Halbjahr 2015 erfasste die Polizei etwas mehr als 5.200 Taten, in den ersten sechs Monaten 2016 waren es sogar mehr als 6.000. Erst 2017 entspannte sich die Situation wieder. Die Polizei und externe Beobachter führten dies auf verstärkte Anstrengungen der Polizei und eine bessere Aufklärung für Schutzmaßnahmen zurück, etwa Empfehlungen für widerstandsfähigere Tür- und Fensterverriegelungen. Außerdem suchten „reisende Tätergruppierungen“, also Ausländer, die extra nach Deutschland reisten, um hier Einbrüche zu begehen, sich neue Ziele in anderen europäischen Ländern.

Aufklärungsquote im einstelligen Prozentbereich

Die Aufklärungsquote unterliegt laut Polizei Schwankungen, sie steige beispielsweise deutlich, wenn auf einen Schlag Tatserien mit vielen Einzelfällen aufgeklärt würden. Im Jahr 2016 lag die Quote der aufgeklärten Einbrüche bei 7,8 Prozent. 2017 gelang es der Polizei in 9,4 Prozent aller Einbrüche, Tatverdächtige zu ermitteln. 2018 sank die Quote auf 8,9 Prozent.

Um Einbrechern auf die Spur zu kommen, setzt die Polizei nach eigenen Angaben uniformierte und Zivilbeamte vor allem an Orten ein, an denen sich besonders viele Taten ereigneten. „Die Auswahl der Einsatzorte wird teilweise durch eine Software zur Bestimmung von Einbruchswahrscheinlichkeiten unterstützt“, sagte ein Polizeisprecher.

Bei Veranstaltungen und Straßenfesten oder auch in Einkaufszentren würde die Polizei Tipps geben, wie Bürger ihre Wohnungen und Häuser besser schützen könnten. Bei Betroffenen von Einbrüchen gebe es Präventionsgespräche. Seit einigen Jahren bietet die Polizei zudem kostenlose Beratungen im Dienstgebäude am Platz der Luftbrücke 5, links neben dem Haupteingang zum ehemaligen Flughafen Tempelhof an. Bürger können sich dort montags von 10 bis 18 Uhr und dienstags bis donnerstags von 8 bis 15 ohne vorherige Anmeldungen informieren.

„Vor allem reisende Banden“

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verwies darauf, dass die Entwicklung der Wohnraumeinbrüche erst über einen längeren Zeitraum bewertet werden könne. „Es ist aber schon klar, dass wir es beim Wohnraumeinbruch vor allem mit reisenden Banden zu tun haben und diese Städte und Länder wechseln, wenn sie die abgegrast haben“, sagt der Sprecher der Berliner GdP, Benjamin Jendro. „Nach unseren Kenntnissen haben wir es neben den bekannten Osteuropäern derzeit zum Beispiel mit Chilenen zu tun, die vorher in Nordrhein-Westfalen unterwegs waren“, sagte Jendro. Hinter jeder Tat stehe ein Opfer. „Es ist unsere gemeinschaftliche Aufgabe ist, ihnen bei der Verarbeitung hilfreich zur Seite zu stehen.“

Der Fraktionsvorsitzende und Innenexperte der Berliner CDU, Burkard Dregger, sagte, die unter dem damaligen CDU-Innensenator Frank Henkel intensivierte Präventionsarbeit mit dem wieder kostenlos angebotenen Beratungsangebot der Polizei habe sich ausgezahlt. „Von diesem Zeitpunkt an sind die die Einbruchszahlen gesunken“, sagte Dregger. Die Polizei müsse personell verstärkt werden. Der innenpolitische Spreche der FDP, Marcel Luthe, bezeichnete die Aufklärungsquote als „beschämend gering“. Angesichts des Mangels an Personal und Material bei der Polizei sei dies ein „politisch hausgemachtes Problem“.