Prozess

Prozess: 77-Jähriger wollte Vermögen seines Freundes retten

Weil er einem Freund half, bei dessen Insolvenz Vermögenswerte beiseite zu schaffen, musste ein 77-Jähriger am Freitag vor Gericht.

Eine goldfarbene Justitia-Figur.

Eine goldfarbene Justitia-Figur.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Sein ganzes Leben lang hat sich Wolfgang C. nie etwas Nennenswertes zu Schulden kommen lassen. Doch jetzt, im stolzen Alter von 77 Jahren, muss er doch noch in die Rolle eines Angeklagten in einem Strafverfahren schlüpfen. Und das alles nur für einen Freundschaftsdienst, wie C. es nennt. Die Berliner Staatsanwaltschaft hingegen nennt es Beihilfe zum Bankrott. Am Freitag begann der Prozess vor einer Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts.

Den Kölner Wolfgang C. und den Berliner Walter K. verbindet seit ihrer Jugendzeit eine enge Freundschaft. 2009 lief es für K. nicht sehr gut, der in Spandau lebende Geschäftsmann musste Privatinsolvenz anmelden. Beim Erstellen des in solchen Fällen vorgeschriebenen Vermögensverzeichnisses versicherte K. dem Insolvenzverwalter „an Eides statt“, er verfüge über keinerlei Vermögen.

Das stimmte nicht ganz, einige Werte waren durchaus vorhanden, allem voran eine Uhr, die nicht einfach nur eine Uhr ist. „Die Blancpain Grande Complication“ lässt sich mit Fug und Recht als ein Prunkstück schweizerischer Uhrmacherkunst bezeichnen, Neuwert stolze 750.000 Franken. Das müsse der Insolvenzverwalter aber nicht unbedingt wissen, entschied Walter K.

Er wusste, wie sich solche Dinge regeln lassen

Jahre später, 2016, hatte sich die finanzielle Situation des Spandauers offenbar noch nicht gebessert. Schweren Herzens übergab er daraufhin die Uhr an den guten Freund aus Köln mit der Bitte, sie zu veräußern. Der Angeklagte war sofort bereit, diesen Freundschaftsdienst zu erfüllen, und verkaufte das edle Stück bei einem Juwelier in seiner rheinischen Heimat für 245.000 Euro. Bis auf einen kleinen Rest von 10.000 Euro wanderte das Geld auf ein spezielles Konto des Angeklagten, der als gelernter Bankkaufmann wusste, wie sich solche Dinge regeln lassen. Von diesem Konto wurde der Berliner Freund mit monatlichen Zuwendungen bedacht. Für das, was man im Alltag so braucht, und für anfallende Kosten, etwa für den Mercedes des insolventen K.

Wirtschaftsstrafsachen erfordern in den meisten Fällen jahrelange Ermittlungen und eine aufwendige Hauptverhandlung. In diesem Fall ging es jedoch zügig voran. Der Angeklagte erschien gar nicht erst, womöglich war dem gesundheitlich angeschlagenen 77-Jährigen die Reise von Köln nach Berlin zu anstrengend. Dafür war sein mit umfassenden Vollmachten ausgestatteter Verteidiger erschienen.

Kein Problem, entschied der Vorsitzende Richter, dann wird eben ohne den Angeklagten verhandelt. Der Verteidiger legte im Namen seines Mandanten ein umfassendes Geständnis ab und auch beim Strafmaß wurden sich die Beteiligten schnell einig: Geldstrafe zwischen 70 und 90 Tagessätzen, dazu unter Vorbehalt.

Das ist eine Geldstrafe unter Vorbehalt

Geldstrafen unter Vorbehalt sind das mit Abstand mildeste Mittel im Erwachsenenstrafrecht. Die Strafe muss zunächst nicht bezahlt werden, stattdessen wird eine Bewährungszeit vereinbart. Lässt sich der Verurteilte in dieser Zeit etwas zuschulden kommen, wird die Geldstrafe fällig, andernfalls ist die Sache für ihn erledigt.

Erledigt ist der Fall bereits für Walter K., dessen falsche Angaben bei seiner Insolvenz Auslöser des ganzen Verfahrens waren. Gegen ihn wurden inzwischen alle Ermittlungen wegen dauerhafter Verhandlungsunfähigkeit eingestellt.

Für den Prozess gegen Wolfgang C. sind drei Verhandlungstage angesetzt worden. Da der Prozess zügig voranschritt, könnte schon am Freitag des Urteil erfolgen.