Prozess

Kindesmissbrauch: Haft für Berliner Ex-Jugendfeuerwehrwart

Ein Jugendwart der Freiwilligen Feuerwehr hat mehrere Minderjährige sexuell missbraucht. Am Dienstag erfolgte das Urteil.

43 Übergriffe auf einen Jungen in der Zeit von 2008 bis 2013 hätten zu dem Schuldspruch geführt, begründete das Amtsgericht Tiergarten am Dienstag (Archivbild).

43 Übergriffe auf einen Jungen in der Zeit von 2008 bis 2013 hätten zu dem Schuldspruch geführt, begründete das Amtsgericht Tiergarten am Dienstag (Archivbild).

Foto: Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Berlin. Ein ehemaliger Berliner Jugendfeuerwehrwart ist wegen jahrelangen Kindesmissbrauchs zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. 43 Übergriffe auf einen Jungen in der Zeit von 2008 bis 2013 hätten zu dem Schuldspruch geführt, begründete das Amtsgericht Tiergarten am Dienstag. An den Geschädigten soll der 60-jährige Reinhard W. ein Schmerzensgeld von insgesamt 25.000 Euro zahlen. Der Mann, der im Hauptberuf Feuerwehrmann war und zuletzt ehrenamtlich Landesjugendfeuerwehrwart der Freiwilligen Feuerwehren Berlins, hatte in dem Prozess auch bereits verjährte sexuelle Übergriffe auf Jungen seit Mitte der 1980er-Jahre zugegeben.

Der Angeklagte war im März 2018 von seinem langjährigen Ehrenamt als Landesjugendfeuerwehrwart zurückgetreten. Kurz zuvor war gegen ihn Strafanzeige erstattet worden. Im Laufe der Ermittlungen hatten sich mehrere inzwischen erwachsene Männer als Geschädigte gemeldet, deren Fälle wegen Verjährung eingestellt werden mussten. Der Angeklagte sei nach Bekanntwerden der Vorwürfe sofort suspendiert worden, hieß es am Rande des Prozesses.

Die Staatsanwaltschaft hatte in der teilweise nicht öffentlichen Verhandlung eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren gefordert, die Anwältin des Geschädigten verlangte fünf Jahre. Die Verteidiger forderten eine Bewährungsstrafe. Im Strafmaß sei auch berücksichtigt wurden, dass der Angeklagte aus dem Beamtenverhältnis entlassen werden wird, so das Gericht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Landesbranddirektor Karsten Homrighausen teilte nach der Urteilsverkündung mit: „Es gibt Geschehnisse, die nur schwer in Worte zu fassen und für mich im höchsten Maße unverständlich und unerträglich sind. Den Betroffenen möchte ich uneingeschränkt mein Bedauern aussprechen. Die Berliner Feuerwehr wird alles daran setzen, damit sich derartige Taten und Geschehnisse nicht wiederholen werden.“

Prozess in Berlin: Sexueller Missbrauch in der Wache der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichshagen

Im Prozess ging es um den Missbrauch zweier Jungen, einer war zu Beginn der Übergriffe neun Jahre alt, der andere 13 Jahre alt. Ort des Geschehens waren zumeist die Räumlichkeiten in der Wache der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichshagen, in der es auch Übernachtungsmöglichkeiten gab. Reinhard W. übernachtete an Wochenenden oft mit seinen Opfern in einem Raum, wo es dann zu den Taten kam.

Zudem spendierte er offenbar den ihm anvertrauten Jugendlichen quasi als Belohnung für gute Arbeit in der Jugendfeuerwehr Wochenendausflüge oder sogar mal einen Urlaub. Der sexuelle Missbrauch fand daher auch in Dresden, in Warnemünde und einmal auf Mallorca statt. Die Serie der Taten endete 2016, als der Vater eines missbrauchten Junge Anzeige erstattete.

W. trat von seinem Posten als Jugendwart zurück

Wie es zu den sexuellen Übergriffen kam, konnte der Angeklagte im Prozess nicht sagen. Sein Mandant sei selbst noch mit der Aufarbeitung des Geschehens beschäftigt, erklärte der Verteidiger, womöglich sei es die ständige Nähe zu den Jungen gewesen, aus der sich schließlich die sexuellen Handlungen entwickelt hätten. Reinhard W. selbst sagte den Richtern, er mache sich schwere Vorwürfe, bedauere die Taten und schäme sich dafür.

W. hat nicht nur seinen minderjährigen Opfern schweres Leid zugefügt. Er hat auch dem Ansehen der Freiwilligen Feuerwehr mitsamt ihrer ansonsten vorbildlichen Jugendarbeit Schaden zugefügt. Und letztlich sein eigenes Leben im Grunde zerstört. Denn sein Leben, das war die Feuerwehr, dahinter stand alles andere zurück, selbst seine Ehe, die schließlich aus diesen Gründen zerbrach.

W. erhielt das Bundesverdienstkreuz

Als Beamter der Berufsfeuerwehr versah W. seinen Dienst regelmäßig von 6 bis 14 Uhr. Anschließend widmete er sich seiner ehrenamtlichen Tätigkeit in der Nachwuchsarbeit. Und das Tag für Tag, selbst am Wochenende. Für sein damals als vorbildlich eingestuftes Wirken erhielt er sogar das Bundesverdienstkreuz. All das spielt jetzt keine wirkliche Rolle mehr. Reinhard W. ist nur noch der Mann, der seine Funktion nutzte um Minderjährige zu missbrauchen.