Investition

Bayer stärkt das Berliner Netzwerk

Der Pharmakonzern investiert in Wedding 100 Millionen Euro in eine neue Produktionsanlage. Das soll dem Wissenschaftsstandort helfen.

Bayer-Vorstandsmitglied Stefan Oelrich, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Wolfram Carius, Leiter Pharmaceuticals bei Bayer (v.l.) leiten den Baustart der robotisierten Produktionsanlage ein.

Bayer-Vorstandsmitglied Stefan Oelrich, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Wolfram Carius, Leiter Pharmaceuticals bei Bayer (v.l.) leiten den Baustart der robotisierten Produktionsanlage ein.

Foto: Bayer AG

Berlin. Noch lässt sich die Struktur der neuen Hochleistungsproduktionsanlage von Bayer auf dem Gelände des Pharma-Konzerns in Wedding nur erahnen: Mit blauem Tape hat das Unternehmen am Mittwoch den Boden beklebt, um den Grundriss von Produktionseinheiten- und anlagen darzustellen. In knapp zwei Jahren sollen dann nicht nur weiße Wände einzelne Räume begrenzen. Bayer wird in dem Gebäude zudem modernste, technische Produktionsroboter aufstellen und eine keimfreie Fertigung für Arzneimittel errichten.

Ziel von Bayer ist es künftig, Medikamente noch schneller als bislang auf den Markt bringen zu können, sagte der Leiter Pharmaceuticals des Konzerns, Wolfram Carius, am Mittwoch bei der virtuellen Grundsteinlegung des Projekts. Rund 100 Millionen Euro investiert Bayer an dem Standort, den der westdeutsche Konzern 2007 vom einstigen Pharma-Riesen Schering übernommen hatte. Nach Abschluss der Bauarbeiten sollen zudem neue Arbeitsplätze im niedrigen dreistelligen Bereich entstehen. Insgesamt beschäftigt Bayer in Berlin derzeit 5000 Mitarbeiter.

Einzigartiges Umfeld für pharmazeutisch-medizinische Branche

„Diese Investition ist ein klares Bekenntnis zu unserem Innovationsstandort Berlin. Sie unterstützt und beschleunigt die Bereitstellung neuer Therapieoptionen insbesondere im Bereich Herz-Kreislauf, Onkologie, Hämatologie und Augenheilkunde“, erklärte Bayer-Vorstandsmitglied Stefan Oelrich bei seiner Rede.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) nannte Bayer „einen wichtigen Partner für den Medizin- und Wissenschaftsstandort Berlin“. „Der Innovationsstandort Berlin gewinnt mit diesem wichtigen Projekt weiter an internationaler Bedeutung. Es bestätigt zugleich, dass die deutsche Hauptstadt beste Voraussetzungen für die Entwicklung von Zukunftstechnologien und -produkten bietet, die ‚Made in Germany‘ weltweit Nutzen stiften“, sagte Müller.

Berlin biete ein einzigartiges Umfeld für die pharmazeutisch-medizinische Branche, so Müller. Neben Krankenhauskonzernen wie Charité und Vivantes nannte Müller auch durch den Bund geförderte Einrichtungen wie das Berlin Institute of Health (BIH), die Start-up-Szene und eben industrielle Partner wie den Bayer-Konzern. Dieses Potenzial noch besser zu nutzen, sei wichtig für die Zukunft der Stadt, sagte der SPD-Politiker. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hatte am Mittwoch auch zum Branchendialog Gesundheitswirtschaft eingeladen. Pop sprach unter anderem mit Peter Albiez von Pfizer, Fabrizio Guidi von Sanofi und Heyo Kroemer, dem neuen Vorstandsvorsitzenden der Charité, über die Herausforderungen der Branche. Auch Bayer-Vertreter nahmen an dem Treffen teil.

Abfüllanlage als Herzstück

Bayer-Pharmaceuticals Leiter Carius sagte, mithilfe der neuen Anlage in Wedding könnten Medikamente, die der Konzern etwa in Zusammenarbeit mit der Charité entwickle, schon nach 18 oder 24 Monaten anstatt erst nach vier oder fünf Jahren auf den Markt gelangen. Konkret schafft Bayer in dem Gebäude rund 1400 Quadratmeter Produktionsfläche und etwa 1600 Quadratmeter Technikfläche. „Wir kombinieren eine hoch automatisierte Herstellung mit einer innovativen, robotisierten Abfüllung und nutzen eine stark digitalisierte Fertigungsunterstützung. Dadurch können wir die Notwendigkeit von manuellen Eingriffen senken und verschiedenste Präparate sehr flexibel in kleinsten Stückzahlen skalierbar produzieren“, so Carius weiter.

Herzstück ist die Abfüllanlage, bei der Roboter vollautomatisch die Befüllung von Spritzen mit Präparaten übernehmen. „Ohne menschliche Eingriffe werden die Medikamente aseptisch verschlossen, um dann auf den Markt zu gehen“, sagte der Projektleiter der neuen Produktionseinheit, Christian Preusse. Insgesamt verbaue Bayer hier unter anderem 2200 Quadratmeter Raumwände, fünf Kilometer Roher und 80 Kilometer Kabel, so Preusse.

Zudem stellt der Pharma-Konzern bei dem Bau das Thema Nachhaltigkeit in den Vordergrund: Neben optimiertem Energiemanagement durch Wärmerückgewinnung und LED-Beleuchtung, errichtet Bayer auch eine Dachbegrünung. Etwa 50 bis 60 unterschiedliche Bodendecker sollen das Dach schmücke und so auch dafür sorgen, dass Regenwasser besser gespeichert werden kann. Das Einpflanzen wird gewissermaßen eine der ersten Baumaßnahmen an der neuen Produktionseinheit sein: Bereits im Oktober sollen die ersten Pflanzen eingesetzt werden.