Betreuung

Berlins Senat wirbt um mehr Pflegeeltern

Wenn Kinder nicht bei ihren Eltern leben können, bieten Pflegeeltern eine neue Heimat.

Mit einer neuen Kampagne will die Senatsverwaltung für Familie um neue Pflegeeltern werben.

Mit einer neuen Kampagne will die Senatsverwaltung für Familie um neue Pflegeeltern werben.

Foto: DAVIDS/Frank Lehmann

„Jedes Kind ist mit seinen Vor- und Nachteilen eine Bereicherung für mich, die ich niemals missen möchte“, sagt Nesrin Göc am Montagvormittag, als sie danach gefragt wird, warum sie seit rund zwanzig Jahren als Pflegemutter fremde Kinder aufnimmt. Sie steht vor zwei Plakatwänden, die nun an der Ecke Mansteinstraße und Großgörschenstraße, kurz vor dem Zugang zur S-Bahnstation Yorckstraße, stehen. „Pflegekinder bringen Lebendigkeit in die Familie ... für verheiratete und unverheiratete Paare und Singles“, steht auf den Plakaten. Fotos von unterschiedlichen Eltern-Kind-Konstellationen strahlen Vorbeigehende an, darunter auch zwei gleichgeschlechtliche Paare.

Sie sind Teil der neuen Werbeaktion, die die Senatsverwaltung für Familie gemeinsam mit dem Fachdienst Familien für Kinder jetzt in der gesamten Stadt gestartet hat. Ziel der Maßnahme sei es, mehr Menschen dazu zu motivieren, sich für die Aufnahme eines Pflegekindes zu entscheiden, erklärt Peter Heinßen, Geschäftsführer von Familien für Kinder. „Die Voraussetzungen sind nicht so hoch, wie viele denken. Wer Platz und Zeit hat, einem Kind ein liebevolles Zuhause zu bieten, den wollen wir dabei unterstützen“, so Heinßen weiter.

Konkret solle das über eine Pflegeelternschulung funktionieren, die Familien für Kinder anbietet. Teil dieser Schulung sind ein Informationsabend, ein Vorbereitungsseminar, ein Überprüfungsprozess sowie eine Grundqualifizierung. „Viele potenzielle Eltern entscheiden sich erst nach dem fünften Kontakt mit der Thematik dafür, sich überhaupt mit der Option eines Pflegekindes näher auseinanderzusetzen“, berichtet Heinßen außerdem. Mit der Werbung, die bis Januar 2020 vor allem in U-Bahnen, aber auch in S- und Straßenbahnen installiert wird, soll Aufmerksamkeit für den Bedarf geschaffen werden.

2400 Kinder in Pflegefamilien untergebracht

Und dieser ist in der Hauptstadt nicht unerheblich: Im vergangenen Jahr wurden 500 Kinder neu in Pflegefamilien vermittelt. Die Vermittlung liefe vor allem in den äußeren Berliner Bezirken gut: Dort gebe es immer mehr aufnahmebereite Pflegeeltern, berichtet Heinßen. 200 Kinder blieben unvermittelt.

Ende 2018 waren insgesamt rund 2400 Kinder in Berliner Pflegefamilien untergebracht, erklärt Sabine Skutta, die in der Familiensenatsverwaltung das Referat für Individuelle Hilfen leitet. „Wir brauchen noch mehr Pflegeeltern, deshalb möchten wir alle ansprechen, die sich diese Aufgabe zutrauen“, teilte Sandra Scheeres (SPD), Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, vorab mit.

Als Pflegeeltern in Frage kämen verheiratete, unverheiratete und homosexuelle Paare sowie solche mit und ohne leibliche Kinder, alleinstehende Mütter und Väter, Patchworkfamilien und Familien mit Migrationshintergrund.

Wie viel Freude ein Pflegekind bringen kann, weiß Nesrin Göc. Sie und ihr Mann Cenk haben die Entscheidung für ein Pflegekind bereits mehrfach getroffen: Die 47-Jährige und der 52-Jährige sind Eltern von vier Mädchen und einem Jungen, drei der fünf Kinder sind Pflegekinder. Obwohl beide den zusätzlichen Aufwand nicht bereuen, fordert das Paar mehr Unterstützung für ihre Arbeit. „Es macht mir Angst, im Alter arm zu sein“, sagt Nesrin Göc. Die Altersvorsorge von Pflegeeltern solle mehr Beachtung im Senat finden. Außerdem seien die Jugendämter nur unzureichend besetzt, so die fünffache Mutter weiter. „Wir nehmen das in jedem Fall mit“, hieß es von Seiten des Senats.