Günstige Fahrkarte

Darum nutzen nur wenige Berliner das Jobticket

Erst knapp 100 Unternehmen bieten die günstige Fahrkarte ihren Mitarbeitern an – denn sie müssen mitzahlen.

Das sind die Berliner S-/U-Bahn-Typen

Breitbeinige Berliner, verwunderte Touristen und neugierige Handyspione: Die typischen Nahverkehrsnutzer gibt es in zahlreichen Facetten.

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Berlin. Für 365 Euro das ganze Jahr über Bus und Bahn fahren, mit diesem Vorstoß hat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) im Juli die Stadt elektrisiert. Inzwischen haben sich die Wogen geglättet. Aktuell ist von dem neuen Super-Ticket nicht mehr die Rede.

Dabei gibt es schon jetzt ein Angebot, mit dem Hunderttausende deutlich kostengünstiger als bisher den öffentlichen Nahverkehr nutzen könnten. Seit dem 1. September gibt es beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) ein neues Jobticket, mit dem Arbeitnehmer für weniger als 50 Euro im Monat in Busse und Bahnen einsteigen können. Doch anfangs werden nur wenige von dem neuen Angebot profitieren.

Jobticket in Berlin: Nur 4000 Arbeitnehmer nutzen die Fahrkarte

Nach Recherchen der Berliner Morgenpost haben bislang gerade einmal knapp 4000 Arbeitnehmer ein Abonnement für das neue Firmenticket abgeschlossen. Dabei könnten laut VBB-Chefin Susanne Henckel 90 Prozent der rund 2,3 Millionen Arbeitnehmer in Berlin und Brandenburg das Ticket nutzen.

Bislang ist das neue Angebot allerdings kaum bekannt. Auch öffentlichkeitswirksam beworben wurde es kaum. Die geringen Abo-Zahlen könnten allerdings auch damit zusammenhängen, dass sich die Firmen – anders als am alten Jobticket – finanziell am Ticketkauf beteiligen müssen. Vorgesehen sind zwei Varianten, bei denen die Arbeitgeber entweder zehn oder 15 Euro dazugeben.

Das VBB-Firmenticket gibt es im Verbund seit Mitte der 90er-Jahre

Dies ist für viele Firmen inzwischen durchaus lukrativ, müssen diese doch seit Jahresbeginn darauf weder Steuern, noch Sozialabgaben abgeben. Gleichzeitig haben sie ein weiteres gutes Argument beim Werben um Fachkräfte, die aufgrund der günstigeren Wohnkosten häufig in den Außenbezirken oder im Berliner Umland wohnen. Mit dem Jobticket in der Tasche würde der oft lange Weg zur Arbeit und wieder zurück nach Hause zumindest finanziell dann nicht so ins Kontor schlagen.

Das VBB-Firmenticket, so die offizielle Bezeichnung, gibt es im Verkehrsverbund bereits seit Mitte der 90er-Jahre. Anfangs war es 15 Prozent billiger als eine normale Monats- oder Jahreskarte, seit 2005 beträgt der Rabatt nur noch fünf Prozent. Je nach Zahlweise und Geltungsbereich kostet das Firmenticket aktuell zwischen knapp 58 und 79 Euro im Monat. Es hat allerdings den Nachteil, dass es die Inhaber, anders als bei der regulären VBB-Jahreskarte, nicht zeitweise an Familienangehörige oder Freunde weitergegeben können. Gerade einmal 68.000 Berliner und Brandenburger nutzen derzeit dieses Angebot.

BVG: Bislang mit 80 Firmen Verträge über das neue Jobticket

Noch sind nicht viele Nutzer hinzugekommen. Wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf Anfrage der Berliner Morgenpost mitteilten, haben sie bislang mit 80 Firmen Verträge über das neue Jobticket abgeschlossen. Rund 1900 Mitarbeiter hätten auf dieser Basis ein Ticket-Abonnement abgeschlossen.

Nach Angaben der S-Bahn Berlin bestehen zum 1. September Verträge mit 19 Firmen. Sieben davon seien dabei neu hinzugekommen, die übrigen zwölf seien Bestandskunden, die bereits das alte Jobticket nutzten, so eine Sprecherin. Insgesamt hätten inzwischen 1700 Kunden das neue Jobticket in der Tasche. Zum 1. Oktober würden Anträge von acht weiteren Firmen mit 180 Kunden vorliegen.

Meiste Abos werden bei BVG und S-Bahn abgeschlossen

Auch alle anderen am VBB beteiligten Unternehmen können das neue Ticket ausgeben, erfahrungsgemäß wird das Gros der Abos bei den beiden größten Anbietern, der BVG und der S-Bahn, abgeschlossen. „Bislang sind es vor allem kleinere Firmen, die mit uns Verträge über das Firmenticket abgeschlossen haben“, sagte BVG-Sprecher Jannes Schwentu. Größere Firmen würden oft auf den Starttermin am 1. Januar 2020 orientieren, da sie die entsprechenden Zuschüsse im Finanzetat einplanen müssten.

Nach Angaben des BVG-Sprechers würden zwei Drittel der Firmen ihren Arbeitnehmern mindestens einen Zuschuss von 15 Euro zahlen, die übrigen geben zehn Euro dazu. Bei der S-Bahn hätten alle Unternehmen den maximalen Zuschuss gewählt.

Arbeitnehmer zahlt für Job-Ticket nur noch zwischen 40,42 und 49,42 Euro

Der Arbeitnehmer bekommt je nach Arbeitgeber-Zuschuss eine weitere Ermäßigung von vier bis acht Euro pro Monat. Unterm Strich heißt das, dass er für seine Nahverkehrs-Monatskarte im Tarifbereich AB (Stadtgebiet von Berlin) nur noch zwischen 40,42 und 49,42 Euro zahlen muss. Das Ticket für den Tarifbereich ABC (Berlin und Umland) kostet zwischen 59,67 und 68,67 Euro.

Zum Vergleich: Die reguläre Umweltkarte kann bis zu doppelt so teuer sein. Je nach Bezahlweise liegt der Monatspreis dann zwischen 63,42 und 81 Euro (Tarifbereich AB), beziehungsweise 82,67 und 100,50 Euro (Tarifbereich ABC). Wird der Ticketpreis für ein Jahr im Voraus gezahlt, kostet das VBB-Firmenticket beim höchsten Arbeitgeberzuschuss 452 Euro (Berlin) und 685 Euro (Berlin und Umland).

Für eine normale Jahreskarte müssen die Nahverkehrsnutzer fast 300 Euro mehr bezahlen. Diese ist allerdings übertragbar, kann also auch von Freunden und Familienmitgliedern mitgenutzt werden. Das Firmenticket ist hingegen personengebunden, jedoch gelten alle sonstigen Vergünstigen. Das heißt zum Beispiel, der Ticketinhaber kann nach 20 Uhr und an Wochenenden bis zu einem Erwachsenen und drei Kindern kostenfrei mitnehmen.

Betrieb muss mindestens fünf Angestellte beschäftigen

Bevor der Mitarbeiter ein Firmenticket für mindestens zwölf Monate kaufen kann, muss sein Arbeitgeber einen entsprechenden Vertrag mit der BVG, der S-Bahn oder einem anderen Verkehrsunternehmen abgeschlossen haben. Der Arbeitgeber muss dabei mindestens fünf Arbeitnehmer beschäftigten. Die Höhe des Arbeitgeberzuschusses kann entsprechend den Vorstellungen des Unternehmens individuell in der Höhe angepasst und kann als Sozialleistung des Arbeitgebers ausgewiesen werden. Beim Arbeitnehmer wird der Zuschuss auf der Lohnabrechnung vermerkt.

Er muss den Betrag bei der Steuererklärung von der Pendlerpauschale abziehen, deren Höhe sich nach der konkreten Länge des Wegs zur Arbeitsstätte richtet (aktuell 30 Cent je Kilometer und Arbeitstag, maximal 4500 Euro im Jahr). Das Angebot gilt laut VBB jedoch nicht für Vertreter, die im Rahmen von Werk-, beziehungsweise Dienstleistungsverträgen bei dem jeweiligen Arbeitgeber tätig sind.