Tag des offenen Schlosses

Schnappschüsse mit Steinmeier vor Schloss Bellevue

Zehntausende Bürger tummelten sich im Garten von Schloss Bellevue – einen galaktischen Gast gab es auch.

Selfies ohne Schlipps: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erfüllte fast alle Fotowünsche.

Selfies ohne Schlipps: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erfüllte fast alle Fotowünsche.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Ein Kranz aus finnischen Feldblumen im Haar – was für eine Wohltat! Wer Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Sonnabend im Schloss Bellevue besuchen wollte, der brauchte beim Anstehen nicht nur mehr als eine halbe Stunde Geduld, sondern am besten auch einen guten Sonnenschutz. Den lieferten in Form der Blumenkränze Mitarbeiter der finnischen Botschaft – denn das skandinavische Land war in diesem Jahr das Partnerland des Tags des offenen Schlosses in Bellevue und wollte schon vor den Toren frische Akzente setzen.

„Hinterher gehe ich eine Runde schwimmen“, sagte Olaf Bartsch, einer der vielen Schwitzenden. Der Einfachheit halber war er gleich in Badehosen im Schlossgarten erschienen. Hausherr Frank-Walter Steinmeier hingegen empfing seine Gäste in einem Dress, wie er auch einem Staatsbesuch angemessen gewesen wäre. Jedenfalls bei seiner Ansprache auf der Bühne. „Dann nehme ich die Krawatte ab“, nannte der Präsident ein kleines Zugeständnis an Temperaturen, die bei seiner diesjährigen Reise nach Äthiopien auch nicht höher gewesen sein dürften.

Podiumsdebatte mit Raumfahrer Alexander Gerst

Erderwärmung, Klimawandel, Vermüllung der Meere – das sind längst wichtige Themen für das Staatsoberhaupt der Deutschen. Und so stellte sich an vielen der Stände von Partnern des alljährlichen Schlossfestes die Frage, wie sich der Kampf gegen die Erderwärmung und der Erhalt des Wohlstands in Einklang bringen lassen. „Lust auf Zukunft“ hatte Steinmeier den Festtag diesmal überschrieben – „weil sich zu viel Nörgelei und Schwarzmalerei breit macht“, wie er es empfindet. „Sich in die Sofaecke setzen und sagen, wir können ja nichts machen, ist keine Haltung“, ermunterte der Präsident die Gäste, ihre Lebensgewohnheiten von sich aus zu ändern.

Expertenrat bekam Steinmeier dann beim Podiumsgespräch mit Meeresbiologin und Polarforscherin Antje Boetius und Raumfahrer Alexander Gerst. Vom Erfahrungsbericht aus dem Weltall war es dann ein kurzer Weg zurück zum Partnerland des Festes. Finnland hatte mehrere Stände aufgebaut und gab des Besuchern Piroggen, Kiefern-Eis und den landeseigenen Gin zu kosten. „Er wird von coolen Firmen vertrieben und ist inzwischen weltbekannt“, versicherte Botschaftsmitarbeiterin Mija Yrjä. Wer Lust hatte, ließ sich den selbst entwickelten Emoji mit dem Zeichen „Frauenpower“ auf die Haut kleben und schwang den Kopf beim Auftritt der finnischen Metal-Gruppe Apocalyptica. Als Kontrastprogramm folgte anschließend ein Konzert von Roland Kaiser mit Band.

Handshake vor der Tür von Schloss Bellevue

Wer nicht nur den Garten des Schlosses Bellevue besichtigen wollte, sondern auch das Innere des Dienstsitzes, der musste ein zweites Mal anstehen. Aber wen die Geduld verließ, dem blieb noch eine Option, die Ursula und Gerd aus Reinickendorf wählten: Sie stellten sich vor das Schlossportal und ließen sich beim Händeschütteln fotografieren. Auf diese Weise war man auch als Normalbürger ganz präsidial.