Verkehrswende

Grüner Abgeordneter fordert Extra-Urlaubstag für Radfahrer

Wer regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt, sollte einen zusätzlichen Urlaubstag bekommen, meint Stefan Gelbhaar.

Bundestagsabgeordneter Stefan Gelbhaar

Bundestagsabgeordneter Stefan Gelbhaar

Foto: dpa/Bündnis 90/Die Grünen

Berlin. Mehr körperliche Aktivität gleich mehr Urlaub? Nach Meinung des Grünen-Bundestagsabgeordneten Stefan Gelbhaar sollte jeder mit einem zusätzlichen Urlaubstag belohnt werden, wenn er mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt. „Ein zusätzlicher Urlaubstag für Radfahrende ist gerecht“, sagte Gelbhaar (43) den Zeitungen „Bild“ und „B.Z.“.

Gelbhaar sieht in seinem Modell einen „ungehobenen Schatz“

Denn Radfahrer würden dank Bewegung seltener krank. Zudem würden so „mehr Menschen dazu motiviert, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen“. Gelbhaar, dessen Wahlkreis in Pankow liegt, nennt die Ersparnis von Krankheitstagen durch gesunde Fortbewegung „einen ungehobenen Schatz“. Auf Anfrage der Berliner Morgenpost bezeichnete er es als eine „Win-win-win-Situation“, von der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Krankenkassen gleichermaßen profitieren. Wenn Mitarbeiter weniger fehlten, sei das im Interesse aller drei Seiten. Bisher würden allein die Betriebe davon profitieren, dass die Zahl der Fehltage bei Radfahrern geringer ausfällt als bei Autofahrern. Das sei ungerecht und einseitig. „Warum sollte nur der Arbeitgeber etwas davon haben?“, fragt sich Gelbhaar.

Vergünstigungen für Autofahrer, aber keine für Radfahrer

Als Referenz führt er die Ergebnisse einer niederländischen Studie an, wonach Arbeitnehmer, die auf das Rad umsteigen, im Schnitt einen Tag pro Jahr weniger krank sind. Die Idee mit dem Urlaubstag nannte Gelbhaar im Gespräch mit der Morgenpost einen „Triggerpunkt“, um auf die allgemeine Ungerechtigkeit bei der betrieblichen Mobilität in Deutschland hinzuweisen. Für Autofahrer gebe es zahlreiche Entlastungen in Form der Pendlerpauschale und andere Vergünstigen, für Radfahrer hingegen nicht. Bei einer „Bewegungskonferenz“ im Bundestag am 13. und 14. September will der Abgeordnete mit 60 Wirtschaftsvertretern darüber ins Gespräch kommen, wie eine betriebliche Verkehrswende aussehen könnte.

Wer seinen Betrieb hintergeht, dem droht die Kündigung

Aber wie sollen Betriebe kontrollieren, dass Mitarbeiter tatsächlich mehr als die Hälfte der Arbeitstage mit dem Fahrrad anreisen, wie Gelbhaar es fordert? Der Grünen-Politiker hält nichts von Kontrollen, sondern vertraut auf die Ehrlichkeit der Mitarbeiter. „Wenn sie die Vereinbarung zur Erlangung eines zusätzlichen Urlaubstags brechen, würden sie ihren Betrieb hintergehen“, sagt er auf Nachfrage. Die negativen Konsequenzen bis hin zu einer möglichen Kündigung, wenn der Betrug auffliegt, seien ein guter Grund, das Modell einzuhalten.

Gelbhaar rief zur Besetzung von Parkplätzen auf

Stefan Gelbhaar fiel in den vergangenen Monaten mit verschiedenen umstrittenen Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs vor allem in seinem Wahlbezirk Pankow auf. So rief er im vergangenen Herbst bei einer Guerillaaktion dazu auf, Parkplätze auf der Schönhauser Allee zu besetzen. Damit sollten Demonstranten ihrem Wunsch Nachdruck verleihen, die Parkplätze vor den Schönhauser Allee Arcaden zu entfernen und die Fläche in einen geschützten Radweg umzuwandeln. Tatsächlich will der Bezirk Pankow einen solchen geschützten Radweg 2020 umsetzen. Die Planungen für den Umbau sind seit Monaten im Gange.