Beschäftigung

Berliner machten letztes Jahr 58 Millionen Überstunden

Laut einer Studie haben die Berliner einen Berg von 58 Millionen Überstunden angehäuft - davon 31,3 Millionen unbezahlt.

Allein im Hotel- und Gaststättengewerbe leisteten die Beschäftigten im vergangenen Jahr rund 1,9 Millionen Überstunden.

Allein im Hotel- und Gaststättengewerbe leisteten die Beschäftigten im vergangenen Jahr rund 1,9 Millionen Überstunden.

Foto: NGG

Berlin.  In der Hauptstadt haben die Beschäftigten rund 58 Millionen Arbeitsstunden zusätzlich geleistet. Davon waren 31,3 Millionen Überstunden zum Nulltarif – also ohne Bezahlung. Diese Zahlen gehen aus dem „Überstunden-Monitor“ hervor, den das Pestel-Institut im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erstellt hat.

782 Millionen Euro geschenkt

Alle Beschäftigten hätten damit den Unternehmen 782 Millionen Euro „geschenkt, so die Berechnung. Allein in Hotels und Gaststätten leisteten die Beschäftigten hier im vergangenen Jahr rund 1,9 Millionen Überstunden. Das Pestel-Institut habe das auf Basis des Mikrozensus berechnet.

Die Wissenschaftler sind bei ihrer Studie laut der Gewerkschaft von bundesweiten Durchschnittswerten ausgegangen. Demnach waren 44 Prozent aller in der Hauptstadt geleisteten Überstunden im Gastgewerbe unbezahlt.

Für 2018 bedeute dies – bei 12 Euro Lohnkosten pro Stunde für den Arbeitgeber – ein „Lohn-Geschenk“ von 10 Millionen Euro. „Von der Küchenhilfe im Hotel bis zum Kellner im Biergarten: Wer im Gastgewerbe arbeitet, ist auf jeden Euro angewiesen, sagt NGG-Geschäftsführer Sebastian Riesner. Dabei sind 32 Prozent dieser Arbeitsplätze in Berlin Minijobs.“

Das Problem der 450-Euro-Kräfte sei, dass sie keinen Euro hinzuverdienen dürfen. „Also werden die Überstunden entweder gar nicht oder schwarz bezahlt.“ Er fordert: „Statt Minijobber mit 450 Euro abzuspeisen, sollte das Gastgewerbe endlich mehr Menschen regulär beschäftigen und ordentlich bezahlen.“

Gastgewerbe-Kampagne gegen Überstunden

Die NGG will jetzt in die Offensive gehen. Sie stellt sich mit der Gastgewerbe-Kampagne „#fairdient“ hinter die rund 100.000 Beschäftigten in den Berliner Hotels, Restaurants und Gaststätten. Denn ihnen drohe ein weiteres Problem: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) dränge die Bundesregierung, die Arbeitszeiten noch flexibler zu machen. „Es geht darum, das Arbeitszeitgesetz zu durchlöchern. Ziel der Arbeitgeber ist es, die Höchstarbeitszeit auf bis zu 13 Stunden pro Tag auszuweiten“, kritisiert Riesner. Er warnt: Das Hotel- und Gaststättengewerbe könnte durch eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit an Attraktivität einbüßen.

Gesundheitliches Risiko

Mehr arbeiten zu müssen, bedeutet immer auch ein höheres Gesundheitsrisiko. Schlafstörungen, Erschöpfung, Rückenschmerzen und sogar Arbeitsunfälle können die Folge sein. Die bestehende Regelung der Arbeitszeit sei deshalb ein wichtiger Schutz der Beschäftigten. In Tarifverträgen habe die NGG mit dem Dehoga vielfältige Arbeitszeitmodelle vereinbart. Zu viele Betriebe setzen diese aber gar nicht in der Praxis um, sondern wollen einen Freifahrtschein. „Wir fordern die Unternehmen auf, sich an diese Regelungen zu halten und die Dienstpläne frühzeitig und verlässlich zu schreiben“, sagte der Gewerkschafter.