Ausbildung

So schwer ist die Suche nach Azubis

Die Firma Foelske sucht seit vier Monaten nach Lehrlingen. Von 15 Bewerbern war jedoch keiner geeignet, klagt der Geschäftsführer.

Christoph Göller (vorne), Geschäftsführer der Klaus Foelske GmbH, mit seinen Mitarbeitern Andreas Scholz (l.) und Daniel Morawe auf dem Firmengelände in Steglitz.

Christoph Göller (vorne), Geschäftsführer der Klaus Foelske GmbH, mit seinen Mitarbeitern Andreas Scholz (l.) und Daniel Morawe auf dem Firmengelände in Steglitz.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. „Eine vernünftige Bewerbung beim richtigen Unternehmen und der Lehrling hat seinen Job“, sagt Daniel Morawe, Mitarbeiter der Reparaturabteilung der Firma Foelske. Dafür würde er seine Hand ins Feuer legen. „Er kann sogar vorbeikommen und seine Unterlagen persönlich vorbeibringen“, ergänzt Geschäftsführer Christoph Göller. Das wäre zwar frech, aber ein Zeichen dafür, dass einer wirklich will. Und genau daran scheint es zu mangeln.

Die Klaus Foelske GmbH & Co. KG für Heizung, Sanitär und Lüftung wurde 1963 gegründet und befindet sich seit fast 30 Jahren im Besitz der Familie Göller. Rund 55 Mitarbeiter zählt der Handwerksbetrieb mit Sitz in Steglitz. Dazu kommen zwei Lehrlinge, der Sohn eines Mitarbeiters steigt jetzt als dritter ein. Zwei weitere Auszubildende für Anlagenmechanik werden noch gesucht. Die Stellenanzeige sei seit vier Monaten auf der eigenen Internetseite und bei der Arbeitsagentur geschaltet, sagt der Geschäftsführer. 15 Interessenten hätten sich seitdem gemeldet. Ob etwas Passendes dabei war? Göller lacht kurz und schüttelt den Kopf. „Leider nichts Brauchbares.“

Verantwortungsbewusstsein ist Grundvoraussetzung

Das Problem seien nicht zu wenige Bewerber, sondern einfach nicht die richtigen, bringt es Göllers Mitarbeiter Andreas Scholz auf den Punkt. Rund die Hälfte seien auf Grundlage ihrer Schulzeugnisse durchgefallen, präzisiert der Geschäftsführer. Schlechte Noten allein seien dabei noch kein Ausschlusskriterium. „Es kann ja sein, dass der Bewerber Prüfungsangst hat, aber handwerklich begabt ist.“ Wenn dazu jedoch viele Verspätungen oder unentschuldigte Fehltage kämen, sei zu viel aufzuarbeiten. Denn Verantwortungsbewusstsein werde als Grundvoraussetzung erwartet. „Bringt der Auszubildende das nicht von Anfang an mit, wird sich da auch im Laufe der Ausbildung nicht viel ändern.“

Zu den übrigen Bewerbern habe er Kontakt aufgenommen, so Göller weiter. Eine Rückmeldung sei bislang jedoch stets ausgeblieben. Da wundere man sich schon. „In einem Fall kam auch ein Anschreiben mit einem falschen Briefkopf an ein anderes Unternehmen.“ Weil allerdings der Rest in Ordnung gewesen sei, habe er den Bewerber auf den Fehler hingewiesen und ihn aufgefordert, seine Unterlagen nochmals korrekt einzureichen. Auch hier sei die Resonanz ausgeblieben. „Das geht nicht.“

Bei guter Qualifikation lebenslange Jobgarantie

Aufgrund der Größe des Betriebs könne man dem Auszubildenden fachlich viel bieten. Gesucht werde jemand mit wirklichem Interesse und Spaß an der Sache, der langfristig mit dem Job Geld verdienen will. „Ich habe aber das Gefühl, dass sich die Bewerber vorher gar nicht mit dem Berufsbild auseinandersetzen, die Bewerbung sehr einfach halten und an möglichst viele Unternehmen verteilen, ohne sich über sie zu informieren“, sagt Mitarbeiter Morawe. Er selbst habe 1994 noch um einen Ausbildungsplatz kämpfen müssen. Heute fehle den Anwärtern anscheinend generell das Interesse und der Antrieb.

Aus Sicht von Göller und seiner Mitarbeiter fange das Problem im Elternhaus an: antiautoritäre Erziehung, familiäre Probleme, überforderte Eltern und Lehrer. Selbst- und Eigenständigkeit werde häufig nicht oder nur unzureichend vermittelt. Stattdessen heiße es oft nur: „Irgendwas musst du ja machen“. Das sei die falsche Haltung. Zwar habe man Verständnis für Menschen in diesem Alter und sei geduldig, sagt Göller. „Wir sind aber nicht für die Erziehung verantwortlich.“

Nach guter Ausbildung gibt es lebenslange Jobgarantie

Die Ausbildung zum Anlagenmechaniker dauert dreieinhalb Jahre. Das Tarifregister sieht dabei monatlich 625 Euro im ersten, 675 Euro im zweiten, 725 Euro im dritten und 775 Euro im vierten Lehrjahr vor. Als Ausbilder investiere man zwar gern, aber auch sehr viel, so der Geschäftsführer weiter. Daher erwarte man sich zum Abschluss natürlich einen Benefit, „indem der Lehrling als Geselle bei uns im Unternehmen eine Position einnimmt“. Wenn entsprechend Lernbereitschaft und Einsatzwille gezeigt würden, könne er nach Abschluss der Ausbildung einen „sehr guten und interessanten Arbeitsplatz“ anbieten.

„In unserer Branche muss sich niemand Gedanken darüber machen, in die Arbeitslosigkeit zu fallen“, sagt Göller und ergänzt: „Moment – niemand, der richtig ausgebildet und fachlich gut ist.“ Der Rest drohe auf Kurz oder Lang durchs Raster zu fallen. Zwar seien die Auftragsbücher im Moment voll. Die Lage könne sich aber auch ändern, wenn sich investitionshemmende Maßnahmen wie etwa der Mietendeckel durchsetzten. Wenn der Arbeitsmarkt dann enger werde, zähle die Qualifikation.

Noch 7000 Lehrstellen in Berlin unbesetzt

Das neue Ausbildungsjahr beginnt am 1. September. Anfang August vermeldete die Bundesagentur für Arbeit, dass noch fast 7000 Lehrstellen in der Hauptstadt unbesetzt sind. Jedes dritte Unternehmen geht laut einer Umfrage der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) davon aus, die freien Stellen nicht mehr besetzen zu können. „Und wenn kein Nachwuchs mehr da ist, wird es für jeden Handwerksbetrieb schwer, zukünftig seine Kunden zu bedienen“, ist Foelske-Geschäftsführer Göller überzeugt.