Modernisierung

Die Berliner Feuerwehr erhält diese zehn neuen Fahrzeuge

Der Kauf von 114 zusätzlichen Wagen für die Feuerwehr ist geplant. Der Landesbranddirektor fordert die weitere Modernisierung.

Die neuen Einsatzfahrzeuge der Berliner Feuerwehr vor dem Schloss Charlottenburg.

Die neuen Einsatzfahrzeuge der Berliner Feuerwehr vor dem Schloss Charlottenburg.

Foto: Reto Klar

Berlin. Im Halbkreis aufgereiht standen sie vor dem Charlottenburger Schloss: die zehn neuen Lösch- und Hilfsfahrzeuge der Berliner Feuerwehr. Vor der besonderen Kulisse wurden die Wagen im Gesamtwert von mehr als fünf Millionen Euro am Freitag durch Innensenator Andreas Geisel (SPD) übergeben.

Die acht Meter langen und 14 Tonnen schweren Einsatzfahrzeuge wurden nach Wünschen und Bedürfnissen der Feuerwehr gebaut und ausgestattet. Die laut Geisel „modernsten Fahrzeuge ihrer Klasse“ sollen einen Teil der inzwischen alten Löschfahrzeuge ersetzen. „Die Berliner Feuerwehr ist die tragende Säule für die Sicherheit in unserer Stadt“, betonte Geisel.

Auch Freiwillige Feuerwehren erhalten Fahrzeuge

15 Monate inklusive europaweiter Ausschreibung dauerte es von der Idee bis zur Bereitstellung der Fahrzeuge. Sie sollen nun stadtweit eingesetzt werden und gehen etwa an Wachen in Mitte, Steglitz und Treptow sowie an Freiwillige Feuerwehren in Frohnau und Pankow. Eine „Wertschätzung des Ehrenamtes“ sei das, sagte Landesbranddirektor Karsten Homrighausen.

Schon länger klagen Berliner Feuerwehrleute über eine hohe Arbeitsbelastung und veraltete Ausrüstung. Im vergangenen Jahr protestierten sie zudem mit einer Mahnwache vor dem Roten Rathaus: Fünf Wochen lang stand dort als Protest rund um die Uhr ein brennendes Ölfass. Eine Gruppe Feuerwehrleute hielt unter dem Motto „Berlin brennt“ Mahnwache.

Kommentar: Feuerwehr und Polizei werden endlich modernisiert

Geisel betonte am Freitag, man habe deren Sorgen verstanden und die entsprechenden Schritte veranlasst. Das wichtigste Ziel des beschlossenen Modernisierungspakets sei die Verstärkung des Personals. Man habe deshalb 350 neue Stellen geschaffen. Hinzu kommen in den nächsten zwei Jahren 404 Stellen, erklärte der Innensenator. Zudem sei die Wochenarbeitszeit auf 44 Stunden reduziert wurden.

Berliner Hilfsorganisationen mahnen mehr Geld an

Auch der Fuhrpark wird erneuert: 74 neue Fahrzeuge habe die Feuerwehr seit 2018 schon erhalten, sagte Geisel. Darunter zwölf Löschfahrzeuge und 31 Rettungswagen. 2018 und 2019 waren dafür rund 18 Millionen Euro bereitgestellt worden. Der Kauf von 114 weiteren Autos ist geplant. Vom am Freitag vorgestellten Typ soll die Feuerwehr so bis Ende 2020 71 Exemplare erhalten.

Es sei „eine wichtige Botschaft für die Stadt und uns“, sagte Landesbranddirektor Homrighausen zu den Modernisierungsplänen. Doch dürfe es damit nicht enden. „Setzen Sie sich dafür ein, dass dieser Prozess der Erneuerung weitergeht“, sagte er an Geisel gerichtet. Auch einen nächsten Übergabetermin gab Homrighausen am Freitag bekannt: Im Juni 2020 will die Feuerwehr auf einer Messe ihr erstes elektrisch betriebenes Lösch- und Hilfsfahrzeug in Empfang nehmen. Schon jetzt sind mehrere Elektroautos im Einsatz, ein elektrischer Kastenwagen ist eingeplant.

Während es bei den einen glänzt, rostet es bei den anderen. Von einer enormen Unterfinanzierung sprechen die Katastrophenschutz-Einheiten von Deutschem Rotem Kreuz (DRK), Arbeiter-Samariter-Bund, Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Malteser Hilfsdienst und Johanniter-Unfall-Hilfe. „Wir sind sehr enttäuscht darüber, dass wir in der Haushaltsplanung des Senats überhaupt nicht auftauchen“, kommentierte Gudrun Sturm, Vorsitzende des Landesverbands des DRK. Es habe dutzende Gespräche und Termine mit Politikern gegeben – doch für mehr als Lippenbekenntnisse habe das alles nicht gereicht, so Sturm weiter.

80 Prozent aller Kosten würden derzeit durch Spenden und Mitgliederbeiträge gedeckt. Der Katastrophenschutz fordert eine Million Euro jährlich, um die Einsatzfähigkeit zu gewährleisten.

Der Katastrophenschutz fordert Einmalzahlung von zwei Millionen Euro

Bisher beziehen Berliner Einheiten rund 156.000 Euro aus Ländermitteln, 80.000 Euro davon bekommt das DRK. Um Fuhrpark und Gebäude instand setzen zu können, fordert der Katastrophenschutz zudem eine Einmalzahlung von zwei Millionen Euro. Drei von fünf Fahrzeugen des DRK am Standort Neukölln beispielsweise würden im Laufe dieses Jahres ausfallen, weil sie keine TÜV-Zulassung mehr bekommen, so Hardy Häusler, Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes Schöneberg-Wilmersdorf. Damit würden den Lebensrettern im Ernstfall zwei Rettungswagen und ein Rüstfahrzeug fehlen.

Bei Hochwasser oder Stromausfällen würden Evakuierte aus einer Feldküche von 1968 bekocht, bei Regen tropfe es durch das Dach, die Heizung funktioniere nicht. Es ginge um die Instandhaltung der Einsatzfähigkeit, nicht um eine Rundum-Erneuerung, betonte die DRK-Vorsitzende Sturm. „Wir sind diejenigen, die helfen sollen wenn alle anderen versagt haben. Wenn wir nicht mehr Geld bekommen, können wir in den nächsten zwei Jahren unseren Job nicht mehr machen“, so Häusler.