Malteser Hilfsdienst

So funktioniert Erste Hilfe beim Hund

Für den Besuchsdienst des Malteser Hilfsdienstes besuchen Hunde in Berlin mit ihren Haltern auch einen Erste-Hilfe-Kurs.

Tierärztin Ariane Wenzel zeigt bei Hündin Quinn, wie eine Herz-zu-Schnauze-Beatmung funktioniert.

Tierärztin Ariane Wenzel zeigt bei Hündin Quinn, wie eine Herz-zu-Schnauze-Beatmung funktioniert.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Iva trägt einen winzigen Umhang mit einem roten Kreuz drauf. Aufgeregt begrüßt sie die Teilnehmer des heutigen Erste-Hilfe-Kurses. Sie wird in den kommenden zwei Stunden als Erste-Hilfe-Schwester assistieren. Das Besondere: Die Teilnehmer sind Hunde, und Iva ein Terrier-Mischling.

Auch Golden Retriever Hündin Quinn ist heute mit dabei. „Neulich waren wir auf dem Flugplatz und da hat sich Quinn was eingetreten“, sagt Herrchen Henry Maek. Um im Notfall selbst zu helfen, deswegen sind er und die anderen Hundehalter heute hier. Zusammen mit Möpsen, Großspitz, Pudel und Norfolk Terrier. „Es ist wichtig zu wissen, was ein Notfall ist, wann ich selbst eingreifen kann, und wann ich einen Arzt aufsuchen sollte“, sagt die Berliner Tierärztin und Kursleiterin Ariane Wenzel. Denn im Gegensatz zu den herkömmlichen Erste-Hilfe-Kursen ist der Erste-Hilfe-Kurs am Hund nicht verpflichtend für Hundehalter – aber durchaus sinnvoll, findet die Tierärztin.

Wie hilft man Hunden bei Herzstillstand?

Der Kurs ist Teil der Ausbildung für den Besuchshundedienst des Malteser Hilfsdienstes in Berlin: Ehrenamtliche besuchen mit ihren speziell ausgebildeten Hunden regelmäßig ältere, demenzkranke und einsame Menschen in Senioren- und Pflegeheimen, Kinder- und Jugendeinrichtungen und auch Familien in ihrem Zuhause. Auch die Justizvollzugsanstalt in Tegel gehört seit einiger Zeit zu den Besuchsorten.

Vor der Ausbildung zum Malteser Besuchshund wird die Eignung der Vierbeiner getestet. Nur gehorsame Hunde mit einem positiven Sozialverhalten und einer großen Grundtoleranz gegenüber ungewöhnlichen Situationen eignen sich. „Sie dürfen bei Geräuschen oder fremden Menschen nicht scheu sein, müssen sich anfassen lassen und dürfen nicht beißen“, erklärt der Leiter des Besuchshundedienstes, Reiner Stolpe. Notwendig ist auch, dass der Hund gesund, versichert und geimpft ist und einen Chip trägt.

Zehn Stunden Hundetraining und diverse Schulungen wie Demenz-Seminare gehören zur sechsmonatigen Ausbildung – und der Erste-Hilfe-Kurs. Die Ehrenamtlichen lernen, welche Maßnahmen im Notfall nötig sind, wie man einen Druckverband anlegt und eine Mund-zu-Schnauze-Beatmung durchführt. Überhitzung, Herzstillstand, Biss- und Schnittwunden, Knochenbrüche, Vergiftungen und Insektenstiche. Das sind mögliche Notfälle, so die Tierärztin.

Lauwarmes Wasser kühlt überhitzte Hunde

„Als allererstes ist wichtig: Atmet der verletzte Hund noch? Zeigt er eine Reaktion, wenn ich mich nähere? Dann sollte man dem Hund eine Maulsperre anlegen“, sagt Wenzel und macht es vor. Iva assistiert. Einen Schnürsenkel, ein Haargummi oder ein anderes dünnes Band könne man dafür nehmen. „Schnell und fest zuziehen und im Nacken zusammenbinden“, rät Wenzel.

Denn ist ein Hund verletzt, kann er unter Schock oder Schmerzen stehen und auch mal zubeißen. Deshalb sollte er sofort fixiert und anschließend in die stabile Seitenlage gebracht werden. Hat die Atmung ausgesetzt, kann eine Herzdruckmassage helfen und eine Mund-zu-Schnauze-Beatmung in die Nase des Hundes – gerne auch mit einem Taschentuch dazwischen.

Dabei sollte immer auf die Größe des Tieres geachtet werden. „Ein Chihuahua benötigt weniger Druck als eine Deutsche Dogge“, sagt die Tierärztin. Ist der Hund überhitzt, sollte er mit lauwarmen Wasser gekühlt werden, von den Extremitäten aufwärts. Muss ein Verband angelegt werden, sollten Hundehalter darauf achten, zwischen die einzelnen Zehen und um die Pfote Watte zu legen, um sie vor dem Druck des Verbands zu schützen.

Viele wissen wenig über Schmerzempfinden von Hunden

Für Besuchshundetrainerin Michelle Narozniak ist es heute ein Auffrischungskurs. „Die meisten Menschen wissen sehr wenig über das Schmerzempfinden von Hunden. Gerade Hundehalter sollten aber wissen, wie man Erste Hilfe leistet“, sagt sie. Im Mai ist der diesjährige Ausbildungslehrgang für den Besuchshundedienst gestartet. Inzwischen zählt der Malteser Besuchsdienst in Berlin 110 Ehrenamtliche; rund 60 davon sind aktuell regelmäßig mit ihren Hunden unterwegs. Bald gehören auch Editha Vogel und ihr fünfjähriger Pudel Gini zum Team. „Gini macht mir selber so viel Freude, und ich merke, wie gut sie mir tut. Das möchte ich an alte und kranke Menschen weitergeben“, sagt sie.

Quinn hat schon jetzt eine ganze Fangemeinde. Dabei sollte die Hündin ursprünglich zum Behindertenhund für Rollstuhlfahrer ausgebildet werden. „Sie war aber zu ängstlich und damit ungeeignet“, sagt Herrchen Maek. Über einen Bekannten in der Welpenschule wurde er damals auf den Malteser Besuchshundedienst aufmerksam.

Regelmäßig besuchen Quinn und er seitdem eine ältere Dame in einem Seniorenheim der Albert Schweitzer Stiftung. Anfangs habe es eine Viertelstunde gedauert, bis die Seniorin den Hund überhaupt wahrgenommen habe. Sie habe dann vorsichtig die Hand ausgestreckt und Quinn gestreichelt. „Das war ein purer Gänsehautmoment“, erinnert sich Maek. Inzwischen, nach dem fünften Besuch, gehe die alte Dame mit dem Hund sogar ein paar Schritte spazieren.

Für die Ausbildung müssen die Hundehalter volljährig und die Vierbeiner mindestens eineinhalb Jahre alt sein. Finanziert wird das Ganze durch Spenden und Mitgliedsbeiträge.

www.malteser.de/besuchs-begleitungsdienste/besuchsdienst-mit-hund.html