Berliner Landgericht

Gericht weist Klage gegen Ex-Air-Berlin-Chef ab

Ein Jurist hatte den Ex-Air-Berlin-Chef Winkelmann wegen Insolvenzverschleppung verklagt. Das Landgericht ließ die Klage nicht zu.

Das Berliner Landgericht hat eine Klage gegen den früheren Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann abgewiesen.

Das Berliner Landgericht hat eine Klage gegen den früheren Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann abgewiesen.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Die Pleite des Ferienfliegers Air Berlin hat für dessen ehemaligen Chef Thomas Winkelmann vorerst kein juristisches Nachspiel. Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, hat das Landgericht Berlin bereits Ende Juli eine Klage gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden der Fluggesellschaft abgewiesen. Winkelmann war zuvor von dem Berliner Rechtsanwalt Lothar Müller-Güldemeister und dessen Firma „Air Deal“ wegen Insolvenzverschleppung verklagt worden. Der Jurist wollte so Schadenersatzansprüche von insgesamt sieben früheren Air-Berlin-Kunden durchsetzten, die wegen der Insolvenz die bereits bezahlten Flüge nicht mehr antreten konnten. Eine Sprecherin des Gerichts bestätigte am Dienstag auf Anfrage der Berliner Morgenpost den Vorgang.

Gericht: Zweifel an Geschäftsmodell von „Air Deal“

Air Berlin war im August 2017 in die Pleite gerutscht. Zuvor hatte der damalige Anteilseigner, die arabische Fluggesellschaft Etihad, eine bereits in Aussicht gestellte Finanzspritze wieder zurückgezogen. Tausende Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Bis Ende Oktober des Jahres konnte Air Berlin noch fliegen, alle danach geplanten Flüge wurden abgesagt. In der Folge blieben etwa eine Million Kunden auf bereits gekauften Flugtickets sitzen. Ihre Forderungen sind nun Teil des laufenden Insolvenzverfahrens. Die Aussichten, Geld zurückzubekommen, sind für die zahlreichen Kleingläubiger allerdings äußert gering.

Auch deshalb war Winkelmann in den Fokus gerückt. Rechtsanwalt Lothar Müller-Güldemeister wirft dem früheren Airline-Chef vor, die Insolvenz zu spät angemeldet zu haben – und so viele Tausend Ticketkäufer vorsätzlich geschädigt zu haben. Vom Tisch ist dieser Vorwurf auch durch die abgewiesene Klage des Landgerichts nicht, weil die dortigen Juristen nicht in der Sache entschieden haben. Stattdessen zweifelt das Landgericht das Geschäftsmodell von Müller-Güldemeisters Firma „Air Deal“ an.

Hintergrund ist das Konstrukt, das der Jurist für seine Sammelklage gewählt hat: Die sieben früheren Air-Berlin-Kunden hatten vor Klageeinreichung ihre Ansprüche an Müller-Güldemeisters Firma „Air Deal“ abgetreten. Der Anwalt befinde sich nach Ansicht des Landgerichts dadurch in einem Interessenkonflikt: Ziel der klagenden Firma sei es einerseits, möglichst hohe Zahlungen zu erstreiten, andererseits aber die früheren Air-Berlin-Kunden nur anteilig zu befrieden. Müller-Güldemeister verstoße damit gegen das sogenannte Rechtsdienstleistungsgesetz. „Das Modell der Klägerin („Air Deal“, d. Red.) laufe auf eine Umgehung der Schranken des anwaltlichen Berufsrechts hinaus“, teilte eine Sprecherin des Landgerichts mit.

Müller-Güldemeister widersprach auf Morgenpost-Anfrage. Nach Angaben des Juristen sei das Vorgehen gängige Praxis. Andere Sammelklagen – etwa gegen den Volkswagen Konzern in Sachen Dieselskandal – seien ähnlich organisiert, so Müller-Güldemeister. „Wir halten die Argumentation gegen dieses Geschäftsmodell für völlig abwegig“, sagte er. Vor dem Berliner Kammergericht habe er gegen das Urteil bereits Berufung eingelegt.

Müller-Güldemeister vertritt nach eigenen Angaben rund 1000 frühere Air-Berlin-Kunden mit Forderungsansprüchen im niedrigen siebenstelligen Bereich. Auch bei der großen Gläubigerversammlung im Januar des vergangenen Jahres im Neuköllner Estrel Hotel trat Müller-Güldemeister auf. Sein Versuch, in den Gläubigerausschuss gewählt zu werden, scheiterte aber.

Insolvenzverwalter fordert Schadenersatz von Etihad

Das Insolvenzverfahren von Air Berlin könnte unterdessen noch viele Jahren andauern. Die Hoffnungen der zahlreichen Gläubiger ruhen vor allem auf einer Klage, die Insolvenzverwalter Lucas Flöther gegen den früheren Anteilseigner vor Air Berlin, Etihad, eingereicht hat. Hintergrund ist der sogenannte Comfort Letter aus dem April 2017. Darin hatte der damalige Etihad-Chef James Hogan zugesichert, Air Berlin weitere 18 Monate lang finanziell zu unterstützen. Im August 2017 zog Etihad das Versprechen dann zurück, Air Berlin musste Insolvenz anmelden. Flöther fordert nun Schadenersatz in Höhe von bis zu zwei Milliarden Euro von Etihad. Die arabische Airline äußert sich offiziell nicht zu dem Verfahren. Etihad hat nach Informationen der Berliner Morgenpost aber eine Klageerwiderung formuliert. Nun warten beide Seiten auf weitere Schritte des Landgerichts Berlin.